15. November 2011

Von: TBO

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Keywords:
Rating-Agenturen | Frankreich | Ungarn | Asien | Bonität | Staatsschulden | Kreditwürdigkeit | Standard & Poor’s
Angst vor Herabstufungen

Rating-Agenturen in der Kritik

Nicolas Sarkozy
Frankreichs Präsident Sarkozy sorgt sich um den Verlust seines "AAA"-Status (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Nachdem die Länder der Euro-Zone nun ein umfangreiches Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht haben um die aktuelle Wirtschaftskrise zu lösen, wartet nun der nächste Stolperstein. Nachdem bereits Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien von den drei großen Rating-Agenturen in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft wurden, könnte es nun weitere Staaten treffen. Besonders Frankreich, einer von sechs Euro-Staaten mit Bestnote “AAA”, stand in den letzten Wochen immer wieder im Fokus der Agenturen. Die Forderung nach einer Regulierung der Macht von Rating-Agenturen dringt daher bis in die Europäische Union.

Ungarn im Fokus der Agenturen

Nicht nur die Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion müssen um ihre Bonität fürchten. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s gab nun bekannt eine Herabstufung Ungarns prüfen zu wollen. Grund dafür seien die unsicheren Wachstumsaussichten und fehlende Reformversuche durch die rechtskonservative Regierung. Die ungarischen Staatsanleihen werden derzeit knapp über dem so genannten Ramschstatus gehandelt. Der Binnenstaat ist derzeit das am höchsten verschuldete Land Osteuropas.

Frankreich vor Bestnoten-Verlust

In der vergangenen Woche ist der Rating-Agentur Standard & Poor’s ein vermeidlicher Fehler unterlaufen. Man gab per Mail bekannt, die Bonität Frankreichs heruntergestuft zu haben. Bereits zwei Stunden nach dem Fauxpas gab die Agentur jedoch Entwarnung. Nun sieht es so aus, als könnt der Fall doch bald eintreten. Nach einer Studie des Lisbon Council könnte Frankreich seine Top-Bewertung von “AAA” in der näheren Zukunft verlieren. Dadurch würden die Kosten für die Finanzierung des Landes steigen. Laut der Studie sehe man vor allem bei den Themen Wettbewerbsfähigkeit und finanzpolitischer Nachhaltigkeit großen Nachholbedarf. Präsident Nicolas Sarkozy ließ durch seinen Premierminister Fillon deshalb gleich ein striktes Sparpaket ankündigen. Durch Heraufsetzen des Rentenalters und Erhöhungen der Mehrwertsteuer in bestimmten Bereichen versucht man Einsparungen zu erreichen.

Auch Asien ist betroffen

Zur Zeit dreht sich zwar alles um die Finanzprobleme in der Euro-Zone, doch auch Asien könnte bald von Bonitäts-Abstufungen betroffen sein. Fitch Ratings drohte bereits im September die Ratings von China und Japan zu senken, sollten diese in den kommenden zwölf bis 24 Monaten ihre Defizite nicht aufarbeiten. Während man sich bei der Agentur über Chinas hohe Kommunalschulden Sorgen macht, sind es in Japan die Staatsschulden. Die Kreditwürdigkeit Chinas liegt gegenwärtig bei “AA minus”, das ist die vierthöchste Stufe.

Stolperstein für die Euro-Rettung

Barnier
EU-Kommissar Barnier (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Durch ein Herunterstufen Frankreichs könnte die gesamte Euro-Rettung in Gefahr sein. Zudem steht auch die Bestnote Österreichs auf der Kippe. Nach Medienangaben plant Standard & Poor’s zumindest den Ausblick auf die Kreditwürdigkeit des Landes herabzustufen. Durch den Verlust der Top-Bonitätsnoten steigen die Zinsen für Staatsanleihen und diese Mehrkosten der Länder fehlen womöglich am Ende in der Finanzierung des EFSF-Rettungsschirms. Vor einigen Wochen plante EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier bereits einen Gesetzentwurf zur Regulierung der Rating-Agenturen. Um schwache Euro-Staaten zu schützen wolle er die Veröffentlichung von Länder-Ratings unter gewissen Umständen durch die Wertpapieraufsicht ESMA verbieten lassen.

Europäische Rating-Agentur

Die Forderungen nach einer europäischen Rating-Agentur werden immer lauter. Bisher sind die drei wichtigen Rating-Agenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch Ratings in den USA beheimatet. Die Bundesregierung plant schon länger in der Europäischen Union eine “unabhängige, privatwirtschaftlich finanzierte und organisierte Europäische Ratingagentur” durchzusetzen, was dieser Tage auch geschehen ist. Zudem will man die amerikanischen Rating-Agenturen für Irrtümer und Fehleinschätzungen haftbar machen. Durch den Frankreich-Fauxpas bei Standard & Poor’s verbuchten französische Staatsanleihen kurzfristig die größten Wertverluste seit Einführung des Euro. Auch an den Aktienmärkten in den USA und Europa löste die Nachricht Kursverluste aus.

[TBO]