Donnerstag, 17.November 2011

Von: TBO

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AKW | Frankreich | Atomkraft | Kernkraftwerk | Super-GAU | Sicherheit | Naturkatastrophe | Stresstest
EU-Stresstest

Frankreichs AKWs nicht sicher

Sarkozy
Trotz der festgestellten Mängel möchte Präsident Sarkozy an der Atomenergie festhalten. (Foto Quelle: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Nach dem Ärger um die Euro-Krise und der Angst vor einer Herabstufung der Bonität durch eine Ratingagentur, wartet nun ein neues Problem auf Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Sämtliche Kernkraftwerke in Frankreich sind nach einer europaweiten Überprüfung durch die EU für unsicher erklärt worden. EU-Kommissar Günther Oettinger ließ in den vergangenen Wochen die Sicherheit aller 143 europäischen Atomkraftwerke nach EU-weiten Kriterien neu prüfen. Dabei wurden sowohl die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf die AKWs, als auch ihre Belastbarkeit bei Unfällen durch menschliches Versagen getestet.

Fukushima als Auslöser

Zu Beginn des Jahres blickte die gesamte Welt nach Japan. Dort war es nach starken Erdbeben zu einem Super-GAU, also dem größten anzunehmenden Unfall, in dem Atomkraftwerk “Fukushima I” an der pazifischen Küste gekommen. Wegen der anschließenden radioaktiven Kontamination von Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmitteln in der Umgebung mussten rund 150 000 Menschen das Gebiet verlassen. Seit sich die Lage in Japan etwas beruhigt hat, ist auch die Medienberichterstattung zurückgegangen. Dabei hatte die Katastrophe eine weltweite Diskussion über die Sicherheit von Kernkraftwerken ausgelöst und in Deutschland sogar zu einem Beschluss zum Atomausstieg geführt.

Überprüfung von 143 AKWs

Auch die Europäische Union nahm den Fall “Fukushima” zum Anlass, um die Atomkraftwerke in Europa auf Sicherheitsmängel untersuchen zu lassen. Obwohl die Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahre 2022 beschlossen hat, bedeutet dies nicht das Deutschland nun vor einem möglichen Super-GAU durch Naturkatastrophen sicher ist. Unsere französischen Nachbarn betreiben derzeit 58 Atomkraftwerke - in der Bundesrepublik sind es derzeit noch neun AKWs. Nun legt ein Bericht des französischen Instituts für Nuklearsicherheit IRSN das Ergebnis eines, von der EU in Auftrag gegebenen Stresstests offen. Demnach sind sämtliche französische Meiler nicht ausreichend gegen mögliche Naturkatastrophen gesichert.

Frankreich fällt durch

AKW
Die Katastrophe in Fukushima rüttelte die Welt wach-Deutschland und Belgien haben den Atomausstieg bereits beschlossen. (Foto: commons.wikimedia.org/Magnus Manske, CC -BYSA 3.0)

Nach dem Bericht der EU weisen zwar alle 58 französischen Atomkraftwerke Mängel auf, stillgelegt werden müsse jedoch keiner der Meiler. So wurden nach EU-Angaben in Frankreich verschiedene Sicherheitsstandards nicht eingehalten. Nach den Richtlinien der Europäischen Union müssen Kraftwerke sowohl Bränden, Erdbeben und Überflutungen als auch starken Temperaturschwankungen standhalten können. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN hat nun die Aufgabe bis Ende des Jahres Empfehlungen für die Regierung auszuarbeiten, diese hatte nach dem Unglück in Japan selbst eine Überprüfung der Meiler angeordnet. Trotz der festgestellten Mängel hat Präsident Sarkozy jedoch bereits signalisiert man wolle an der Atomenergie festhalten.

Kernkraft in der EU

In der Europäischen Union steht es jedem Mitgliedsland frei, ob es Atomkraft nutzt oder nicht. Die, mit großem Abstand, meisten Meiler befinden sich derzeit in Frankreich (58). Viele anderen EU-Staaten besitzen zwei bis neun AKWs, wobei Länder wie Belgien und auch Deutschland einen Ausstieg in den kommenden Jahren beschlossen haben. In Dänemark, Litauen, Polen und Italien stehen derzeit keine Atomkraftwerke. Letztere haben jedoch vor wenigen Monaten den Bau von neuen Anlagen beschlossen.

Ein Atomausstieg ist teuer

Trotz der Gefahren die ein Kernkraftwerk birgt, ist ein flächendeckender Atomausstieg in der Europäischen Union in der näheren Zukunft kaum vorstellbar. Die Umstellung auf erneuerbare Energien wie Windkraft und die Außerbetriebnahme der Meiler sind mit hohen Kosten verbunden. Aufgrund der Euro-Krise und den damit verbundenen Sparmaßnahmen, denen viele Staaten verpflichtet sind um ihre Staatsverschuldung einzudämmen und die Wirtschaft anzukurbeln, fehlt wohl die nötige Finanzierung. Doch auch für die Nachrüstung veralteter Meiler müssen Staaten wie Frankreich Millionen ausgeben.

[TBO]

(Teaserbild Quelle: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)