25. November 2011

Von: TBO

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Gorleben | Atommüll | Atomkraft-Gegner | Endlager | Castor-Transport | Proteste | Aktivisten | radioaktiver Abfall
Atommüll in der EU

Der Zug rollt wieder

Gorleben
Der Castor-Transport macht sich auf den Weg von Frankreich nach Gorleben. ( Foto: Andreas Kinski / pixelio.de)

Der Zug, der mit elf Spezialbehältern beladen ist, rollt wieder in Richtung dem nierdersächsischen Gorleben. Er bringt deutschen Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in das Endlager nach Gorleben. Die genaue Route des Transports ist unbekannt. Mit dieser Taktik will man mögliche Proteste auf den Gleisen und eine damit verbundene Verspätung vermeiden. Verhindern lassen sich Demonstrationen und Sitzblockaden jedoch nicht. Bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Aktivisten gab es laut Angaben der Behörden rund 30 Verletzte auf beiden Seiten.

Proteste in Frankreich

Nicht nur in Deutschland gibt es Anti-Atomkraft-Proteste, auch französische Atomkraft-Gegner demonstrierten auf der Strecke des Castor-Transports. Im französischen Valognes begannen die ersten Proteste vor dem Start des Zuges am Mittwoch Nachmittag. Aktivisten haben nach eigener Aussage die Schienen besetzt und die Signalanlage an den Gleisen beschädigt. Zuvor trafen sich hunderte französische Atomkraft-Gegner nahe dem Startpunkt des Castor-Transports um in Protest-Camps die Fahrt zu blockieren. Der Protest wurde von einem Zusammenschluss französischer Atomkraftgegner namens "Valognes Stop Castor" organisiert.

Suche nach neuem Endlager

Derweil läuft in Deutschland eine hitzige Debatte darüber, wo der Atommüll in Zukunft gelagert werden soll. Experten bezweifeln, dass eine Lagerung von hochradioaktiven Stoffen über Millionen Jahre in dem Salzwerk im niedersächsischen Gorleben möglich ist. Nun suchen Bund und Länder deutschlandweit nach einer Alternative. Der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Tritin, begrüßt die derzeitige Suche nach einem neuen Endlager. "Wir haben zum ersten Mal die Chance, seit drei Jahrzehnten zu so etwas zu kommen wie dem Endlagerkonsens". Noch schlimmer ist die Situation für das Endlager Asse. Nach Untersuchungen des Bundesamts für Strahlenschutz sei es das sicherste, den Abfall aus dem Lager rauszuholen.

Streit um richtiges Gestein

Ein Problem bei der Suche nach einem geeigneten Endlager ist der Streit über die Gesteinsart eines zukünftigen Endlagers für Atommüll. Während man in Deutschland bisher auf ein Salzwerk baute, favorisiert man in den europäischen Nachbarländern andere Gesteinsarten. So setzen Frankreich und die Schweiz beispielsweise auf eine Lagerung in Tonformationen. Finnland und Schweden planen dagegen eine Einlagerung in Granit. Die finnische Regierung will bereits im Jahr 2020 ein solches Lager in Betrieb nehmen.

Schwedisches Modell

Das geplante Lager im schwedischen Östhammar ist, anders als beispielsweise das Endlager in Gorleben, nach einer aktuellen Umfrage von 77 Prozent der Einwohner geduldet. Während die Pläne der Regierung in Deutschland auf große Proteste von Einwohnern und Aktivisten stoßen, freute man sich in Östhammer über die Entscheidung ein Atommüll-Endlager in der Stadt zu errichten. Das liegt vor allem daran, dass der Staat und die Industrie dort auf Transparenz und Kontrolle durch die Bürger setzen.

EU macht Druck

Günther Oettinger
EU-Energiekommissar Günther Oettinger (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Bisher gibt es jedoch in der gesamten Europäischen Union kein offizielles Endlager für radioaktiven Müll. Deshalb gibt es mittlerweile auch Druck von der EU-Kommission. Energiekommissar Günther Oettinger fordert von den 27 Mitgliedsstaaten innerhalb der nächsten Jahre detaillierte Pläne zur Lagerung des Atommülls. Der Bau und Betrieb von möglichen Endlagern muss dabei den Sicherheitsstandarts der Internationalen Atomenergieoranisation entsprechen. Ein geplantes Ausfuhrverbot des radioaktiven Mülls außerhalb der EU konnte Oettinger jedoch nicht durchsetzen. Die weitere Lagerung in anderen Ländern fällt dann nicht mehr unter die Zuständigkeit der EU. Somit ist eine Einhaltung von Sicherheitsstandarts nicht garantiert.

[TBO]