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EU-Krise
Bisher konnte man die Euro-Krise nicht in den Griff bekommen. Italien ist nun das neue Sorgenkind der Europäischen Union. Zu hohe Staatsschulden und der fehlende Ausblick auf wirtschaftlichen Wachstum lassen die Zinsen für italienische Staatsanleihen auf ein kritisches Niveau steigen. Immer lauter werden die Zweifel an der Bewältigung der schweren Krise. Nachdem sich bisher vor allem die Finanzwelt um den Euro sorgte, gibt es nun offenbar auch erste offene Zweifel in der Wirtschaft.
Wirtschaft simuliert das Aus des Euros

- Die Überlegung von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen müsse, hat ein Tabu gebrochen, das die Währungsunion zum ersten Mal in Frage stellt. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)
Wie die “Financial Times” berichtet, planen internationale Konzerne derzeit ihr Vorgehen im Falle des Zusammenbruchs der Eurozone. Viele Führungsetagen würden sich nicht zutrauen ihre Unternehmen gegen die sich ausbreitende Krise schützenzu können. So habe vor allem die zwischenzeitliche Überlegung von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen müsse, ein Tabu gebrochen, das die Währungsunion zum ersten Mal öffentlich in Frage stellt.
Firmenchefs machen sich Gedanken
Andrew Morgan, Europa-Chef des weltweit operierenden Getränkekonzerns “Diageo”, sagte der “Financial Times” er befürchte eine starke Geldentwertung falls Staaten die Euro-Zone verlassen würden. Dadurch würden importierte Waren sehr teuer. Aus diesem Grund habe man in seinem Unternehmen das Szenario eines Ende des Euros durchgespielt. Auch bei “Volkswagen” habe man schon eine grobe Analyse dazu durchgeführt, was passieren würde, wenn der Euro nicht mehr die aktuelle Währung wäre, so Dieter Hoffmann, der Finanzchef des portugiesischen Volkswagen-Zweigs. Der Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hält ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone vor allem durch fehlende Reformen in Italien für möglich.
Siemens gründet eigene Bank

- Im vergangenen Jahr gründete Siemens eine eigene Bank, die sich um die Finanzen des Konzerns kümmert. (Foto: commons.wikimedia.org/Daniel Göhler, CC BY-SA 3.0)
Einige Konzerne befürchten die europäische Politik könnte die aktuelle Staatsschulden-Krise nicht in den Griff bekommen. So hat auch der Industrie-Riese “Siemens” erste Konsequenzen aus der anhaltenden Krise gezogen. Bereits im vergangenen Jahr gründete man eine eigene Bank, die sich um die Finanzen des Konzerns kümmert. Dadurch kann “Siemens” direkt Geld bei der Europäischen Zentralbank anlegen und steht finanziell auf der sicheren Seite. Eine Großzahl von kleinen und mittelständische Unternehmen hätten jedoch nicht die finanziellen Mittel um einen Zerfall der europäischen Währungsunion schadenfrei zu überstehen.
In der Finanzwelt bereits ein großes Thema
Während die Wirtschaft erst langsam über das Szenario eines Zerfalls der Euro-Zone nachdenkt, beschäftigt sich die Finanzwelt schon seit Monaten mit diesem Thema. Der weltweit größte Inter-Dealer-Broker “ICAP” simuliert nach eigener Aussage seit längerer Zeit den Handel zwischen den Währungspaaren Euro/Drachme und Dollar/Drachme. “Unser Ziel ist es, vorbereitet zu sein, um im Falle eines Falles so schnell wie möglich reagieren zu können.”, so ein “ICAP”-Sprecher. Auch die britische Börsenaufsicht fordert die Geldinstitute des Landes auf, sich für den Fall eines Euro-Aus vorzubereiten. Ein Sprecher erklärte: “Gutes Risikomanagement bedeutet die Vorbereitung auf unwahrscheinliche, aber folgenschwere Szenarien, und das heißt, dass wir die Aussicht auf einen ungeordneten Austritt einiger Länder aus der Euro-Zone nicht ignorieren dürfen.”
Moody’s warnt die Politik

- Ist der Euro noch zu retten? (Foto: Kurt F. Domnik / pixelio.de)
Die amerikanische Rating-Agentur “Moody’s” forderte die EU in einem jüngst veröffentlichten Bericht zu schnellem Handeln in der Krise auf. Falls es keine baldige Lösung gebe, würde man die Kreditwürdigkeit sämtlicher Euro-Staaten prüfen. In dem Bericht heißt es weiter “Die Wahrscheinlichkeit von Pleiten mehrerer Euro-Staaten ist nicht mehr unerheblich”. Nach einer Staatspleite müssten die Länder wohl die Euro-Zone verlassen und damit die Kreditwürdigkeit aller Mitglieder schwächen.
Kein Ende in Sicht
Nach derzeitigen Einschätzungen aus der Finanzwelt könne die Politik die Krise ohne umfangreiche Zahlungsausfälle in den Griff bekommen. Doch bisher konnten kaum Maßnahmen aus den Beschlüssen des letzten EU-Gipfels Ende Oktober in Brüssel umgesetzt werden. Griechenland sicherte der Europäischen Union zwar Reformen und Sparmaßnahmen zu und kann nun auf eine weitere Milliardenhilfe bauen, doch ein wirklicher Fortschritt in der Eindämmung der Krise zeichnet sich bisher nicht ab. Im Gegenteil - nun gerät auch Italien immer weiter in den Schuldensumpf. In der momentanen Situation ist die Simulation eines “worst case scenario” durch international agierende Unternehmen absolut rational und nachvollziehbar. Nun lässt sich abwarten wann die Angst vor einem Zusammenbruch der Europäischen Währungsunion auch die privaten Haushalte erreicht.
[TBO]
(Teaserbild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de)









