Donnerstag, 1. Dezember 2011

Von: TBO

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Transparency International | Griechenland | Italien | Bestechung | Korruptionswahrnehmungsindex | Euro-Krise | Korruption | öffentlicher Sektor | Russland
Korruptionsbericht

Verbindung zwischen Korruption und Krise

Huguette Labelle
Für viele Demonstranten ist das Thema Korruption von zentraler Bedeutung, so Huguette Labelle. (Foto: commons.wikimedia.org/Crans Montana Forum, CC BY-SA 3.0)

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hat ihren neuen Index für das Jahr 2011 vorgelegt. Der so genannte Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) zeigt die Wahrnehmung von Korruption im öffentlichen Sektor in 183 Ländern der Welt.

Das Ergebnis führt unweigerlich zu einer Frage: Besteht ein Zusammenhang zwischen Korruption und der Euro-Krise? Denn besonders die Protagonisten der Krise, wie Griechenland und Italien schneiden in dem Index schlecht ab. Die Liste wird aus verschiedenen Indizes erstellt, für die verschiedene Experten und Manager befragt wurden.

Somalia auf dem letzten Platz

Das Abschneiden einiger Länder ist keine Überraschung. So finden sich auf den hinteren Plätzen des CPI Afghanistan, Nordkorea und Somalia. Also, zum großen Teil Staaten in denen eine gewisse politische Instabilität herrscht. Im Fall von Nordkorea ist das schlechte Abschneiden mit der Diktatur von Kim Jong-il zu begründen. In Somalia herrscht derzeit ein Bürgerkrieg und wird vor allem von Warlords und lokalen Clans regiert. Afghanistan erholt sich nur langsam von dem Taliban-Regime und dem “Krieg gegen den Terror” der USA.

Neuseeland top

Neuseeland
Neuseeland erreichte auf der Skala des Korruptionswahrnehmungsindex 9,5 von zehn möglichen Punkten. (Foto: commons.wikimedia.org/Silenceisfoo, CC BY-SA 3.0)

Der Korruptionswahrnehmungsindex zeigt eine Skala von null bis zehn Punkten, je höher die Punktzahl, desto weniger Korruption wurde in diesem Land wahrgenommen. Spitzenreiter ist in diesem Jahr Neuseeland, mit 9,5 Punkten. Dicht gefolgt von den skandinavischen Staaten Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen. Deutschland landet mit 8,0 Punkten auf einem guten 14. Platz. Auffallend ist, dass 19 der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einen Wert über 5,0 haben. Neben den Ländern des ehemaligen Jugoslawien und der Sowjetunion schneiden besonders Italien und Griechenland schlecht ab.

Kritik aus Russland

Von den europäischen Ländern schneidet vor allem Russland schlecht ab und belegt mit gerade einmal 2,4 Punkten den 143. Platz. Der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Stanislaw Woskresenski äußerte sich über das Ergebnis von Transparency International in einem Interview mit der Zeitung “Moskowskije Nowosti” kritisch. Man dürfe den Index nicht überbewerten, da er viel zu stark politisch motiviert sei. Investoren, die wirklich Ahnung von Russland hätten, würden sich nicht danach richten. Anfang November veröffentlichte Transparency International bereits einen Bestechungszahlerindex, der die Bereitschaft von Unternehmen der führenden Volkswirtschaften, im Ausland zu bestechen, misst. Dort belegte Russland den letzten Platz. In den russischen Medien wurde das Thema zwar beachtet, jedoch nur berichtend wiedergegeben.

Ukrainische Politiker unter Verdacht

Die russischen Nachbarn aus der Ukraine bilden mit Platz 152 das Schlusslicht Europas. Dabei versucht man schon seit Jahren eine Annäherung an die Europäische Union. Eine Auflage aus Brüssel für eine mögliche EU-Mitgliedschaft in der Zukunft ist jedoch eine zufriedenstellende Rechtsstaatlichkeit und die Eindämmung von Korruption. Besonders im Zusammenhang mit der im Sommer stattfindenden Fußball-Europameisterschaft machte die Ukraine in letzter Zeit immer wieder mit Korruption Schlagzeilen. So sollen millionenschwere Staatsaufträge an handverlesene ukrainische Firmen, ohne öffentliche Ausschreibung, gegangen sein. Viele ukrainische Politiker, die solche Aufträge vergeben, sind zufällig auch Teilhaber an den Firmen die den Zuschlag bekamen.

Korruption in Italien und Griechenland

Korruption
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Korruption und der Euro-Krise gibt? (Foto: Thorben Wengert / pixelio.de)

Dass besonders die krisengeschüttelten Griechen und Italiener im  Korruptionswahrnehmungsindex weit hinten liegen, wirft natürlich die Frage auf ob es einen Zusammenhang zwischen Korruption und der Euro-Krise gibt. Die beiden EU-Staaten sind besonders durch eine hohe Staatsverschuldung in die Krise geraten. Transparency International sieht als mögliche Gründe für die Euro-Krise auch die Verschwendung öffentlicher Mittel, Schmiergeldzahlungen und undurchschaubare Entscheidungsprozesse. Das dies in Italien scheinbar seit Jahren an der Tagesordnung ist, zeigt ein Fall aus dem Süden des Landes. So wurde die Region Kalabrien 2008 zum offiziellen Sponsor der italienischen Fußball-Nationalmannschaft. Rund sieben Millionen Euro soll die wirtschaftlich schwache Region dafür gezahlt haben. Die Hälfte der Summe kam aus dem EU-Topf für Regionalhilfen und sollte eigentlich für eine besserer Infrastruktur oder die Schaffung von Arbeitsplätzen genutzt werden.

Die EU ist gefordert

Die Europäische Union befindet sich immer noch in der Krise. Neben den Protesten gegen die Finanzwelt, beobachtet Transparency International auch einen Groll der Bürger gegen Korruption und intransparente Entscheidungen in der Politik. “Wir konnten dieses Jahr beobachten, dass für viele Demonstranten, egal ob arm oder reich, das Thema Korruption von zentraler Bedeutung war. Die politischen Führungen müssen den Forderungen nach einer besseren Regierungsführung Folge leisten – ob in der Schuldenkrise in Europa oder beim Beginn einer neuen politischen Ära in der Arabischen Welt”, so Huguette Labelle, Vorsitzende von Transparency International. Nun ist es auch eine Aufgabe der EU, Korruption und Vetternwirtschaft in ihren Mitgliedsstaaten zu bekämpfen. Die Beispiele Griechenland und Italien zeigen wie sich Korruption auf die Staatsschulden auswirken kann. Auch Bulgarien und Ungarn stehen im Index weit unten. Dort kann man mit den nötigen Reformen möglicherweise die Korruption bekämpfen.

[TBO]

(Teaserbild: Thorben Wengert  / pixelio.de)