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Ist der Euro noch zu retten?

- Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy sollen den Euro retten. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)
Am 8. und 9. Dezember treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder zu einem weiteren Gipfel zur Schuldenkrise in Brüssel. Dieses Mal wird mit einem schlagkräftigen Fahrplan gegen die Krise gerechnet, denn derzeit rutscht die Europäische Union immer weiter in den finanziellen Abgrund. Frankreich bangt um seine Top-Bonität und Italien, sowie Spanien müssen an den Märkten Rekord-Zinsen für ihre Staatsanleihen bezahlen. EU-Währungskommissar Olli Rehn sprach am vergangenen Mittwoch von dem Beginn von zehn kritischen Tagen bis eine Lösung zur Euro-Rettung gefunden werden müsse. Falls weiter Zeit verstreicht ohne ein tatkräftiges Gegenwirken der Politik, sagen Experten ein Ende der Währungsunion voraus. In den 27 EU-Mitgliedsstaaten wird derweil sehr differenziert über ein mögliches Auseinanderbrechen der Euro-Zone diskutiert.
Angst vor dem Euro-Aus
Neben Griechenland und Portugal musste auch Irland mit EU-Finanzmitteln gerettet werden. Durch ein strenges Sparprogramm hat man es nun geschafft knapp 21 Milliarden Euro einzusparen und erwartet für das kommende Jahr sogar zum ersten Mal seit 2007 ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt. Durch die anhaltende Euro-Krise wächst jedoch in Irland die Furcht vor einem Zerfall der Währungsunion. Damit wären die harten Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre, sowie der positive wirtschaftliche Ausblick hinfällig. Bei den britischen Nachbarn herrschte vor wenigen Wochen noch eine gewisse Schadenfreude über die Probleme des Euros. Doch mittlerweile haben auch die vielen Euro-Skeptiker in Großbritannien begriffen, dass ein Aus der Euro-Zone auch für die heimische Wirtschaft dramatische Folgen hätte. So verkündete der Präsident der britischen Zentralbank kürzlich man habe sich auf das Szenario eines Zusammenbruchs der Euro-Zone vorbereitet.
Polen ist zuversichtlich
EU-Mitglied Polen ist der Währungsunion nicht beigetreten. Trotzdem ist man auch dort um eine schnelle Rettung des Euro bemüht. Die polnische Zeitung “Rzeczpospolita” titelte vor einigen Tagen: "Wenn die Einigung in Sachen Euro ausbleibe, kommt dann ein spektakulärer Fall und die Rückkehr zu nationalen Währungen?”. Der polnische Finanzminister, sowie EU-Kommissar Janusz Lewandowski schließen jedoch einen Zerfall der Euro-Zone aus.
Deutschland als Euro-Retter
In der ausländischen Presse ist man sich einig, dass vor allem Deutschland den Euro retten kann. Zwar wird das Duo oft als “Merkozy” betitelt, doch die Rolle des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy scheint eher die eines Junior-Partners von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sein. Dies ist auf die hohe Kompromissbereitschaft Sarkozys zurückzuführen, der sich in vielen Punkten wie die Hebelung des EFSF-Rettungsschirms durch die EZB nicht durchsetzen konnte. Die Bundesregierung konnte bisher sehr viele ihrer Forderungen durchbringen und lässt sich in Verhandlungen wie der momentanen Diskussion um die Euro-Bonds auf keine Kompromisse ein.
Kritik an Merkels Entscheidungen

- Merkel bekommt derzeit viel Kritik aus dem Ausland. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)
Deutschland wird in den Medien zwar oft als möglicher Retter der europäischen Währungsunion betitelt, es gibt jedoch auch viel Kritik zu Berlins bisheriger Tatenlosigkeit und dem Querstellen in Fragen wie zu den Euro-Bonds. So schreibt die britische Ausgabe der “Financial Times” über die “deutsche Untätigkeit” in der Schuldenkrise der Euro-Zone. Die amerikanische “Washington Post” titelt, die Gesundheit der Weltwirtschaft hänge von Bundeskanzlerin Merkels Einfluss ab. In den französischen Medien gibt es eine regelrechte Welle gegen Deutschland. So erklärt das französische Magazin “Cahllenges”: “Das deutsche Europa – das Modell, das Merkel durchsetzen will”. Auch von der SPD gibt es Kritik an Merkel. Alt-Kanzler Helmut Schmidt warnte während des SPD-Parteitags in Berlin vor einer “Lehrmeister-Rolle” Deutschlands in Europa. Nun bleibt abzuwarten, ob Angela Merkel beim EU-Gipfel in Brüssel das Heft in die Hand nimmt um die Euro-Krise endlich einzudämmen.
[TBO]









