Freitag, 16. Dezember 2011

Von: TBO

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Ratingagenturen | Euro-Krise | Anleger | Staatsanleihen | Bonität | Dollar | Europäische Zentralbank | Europa | USA
Euro-Krise

Niemand möchte mehr in Europa investieren

Geld
Die Amerikaner verlieren das Vertrauen in die europäische Banken. (Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de)

Viele Anleger fragen sich dieser Tage wo sie ihr Geld denn am besten lagern sollen. Besonders verunsichert sind die Leute in den USA. Dort konnten sich Demokraten und Republikaner gerade noch auf einen Kompromiss im Haushaltsstreit einigen und so den finanziellen Zusammenbruch des Staates verhindern. Wegen der Euro-Krise traut man nun den europäischen Banken im Land nicht mehr über den Weg. Deshalb bringen Anleger ihr Geld lieber zu andere Banken, aus Angst es könnte bei Geldinstituten aus Europa nicht sicher sein. 

Amerikaner ziehen Anlagen zurück

Die Einlagen der Amerikaner bei europäischen Banken sind in den vergangenen sechs Monaten von 1,2 Billionen Dollar auf 879 Milliarden geschrumpft. Neben geringen Zinsangeboten ist der Hauptgrund dafür die Angst vor einer Banken-Pleite im Zuge der Euro-Krise. Dabei könnte das Abziehen des Geldes von europäischen Banken die Krise noch verstärken. Union Investment-Portfoliomanagerin Anja Mikus warnt vor den Folgen irrationaler Anleger-Entscheidungen. “Die anhaltende Unsicherheit aufgrund der Staatsschuldenkrise führt zu Ungleichgewichten und Fehlallokationen, die in der Realwirtschaft Wachstum kosten und Werte dauerhaft vernichten”, so Mikus in “Börse Online”.

Fed-Chef gegen Euro-Hilfe

Ben Bernanke
Ben Bernanke (rechts), Chef der amerikanischen Notenbank, ist nicht von Europas Abkommen über mehr Finanzdisziplin überzeugt. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Auch die amerikanischen Medien greifen die aktuelle Angst der heimischen Anleger auf. So schreibt die “New York Times”, die Investoren seien von Europas Abkommen über mehr Finanzdisziplin nicht überzeugt. Die Einigung, die den Konsens hätte sichern sollen, stoße nun mehr und mehr auf Bedenken. Diese Bedenken teilt offensichtlich auch der Chef der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke. Nach Angaben von republikanischen Senatoren habe die US-Notenbank weder die Absicht noch die Befugnis, den amerikanischen Steuerzahler für europäische Staaten und Banken einspringen zu lassen.

China will nicht mehr auf EU-Staatsanleihen setzen

Nicht nur die Amerikaner ziehen sich aus europäischen Finanzen zurück. Kürzlich hat der Chef des größten chinesischen Kreditinstituts Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Jiang Jianqing, ein Umdenken im Anlagengeschäft des Landes gefordert. Jiangqing kritisiert, dass China seine gigantischen Devisenreserven derzeit in Staatsanleihen der Euro-Länder investiert. “Die europäische Schuldenkrise entfaltet sich noch immer. Es ist schwierig, die Reserven weiter so zu managen wie bisher. Das birgt Gefahren.”, so der Instituts-Chef.

Dollar-Mangel an den Banken

Durch die Bedenken der Amerikaner gehen bei den europäischen Banken langsam die Dollar aus. Nach Angaben des “Wall Street Journal” seien die Kosten für das Leihen von Dollars am Interbankenmarkt in London auf den höchsten Stand seit Juli 2009 gestiegen. Aus diesem Grund hat die Europäische Zentralbank den Geldinstituten in dieser Woche Kredite in US-Dollar angeboten. Die europäischen Banken liehen sich mit 5,1 Milliarden Dollar mehr als doppelt so viel wie in vergangenen Wochen.

Neue Bonitäts-Herabstufungen

Die schlechte Lage der europäischen Banken wird derzeit auch durch die drei großen amerikanischen Ratingagenturen verschärft. Wie “Standard & Poor’s” am Donnerstag mitteilte, stuft man die Kreditwürdigkeit von zehn spanischen Banken herab. “Fitch” kündigte währenddessen an, die Bonitätsnote einiger internationaler Banken - darunter auch die Deutsche Bank - zu senken. Die Agenturen begründeten die Schritte mit neu festgelegten Bewertungskriterien. Durch die zahlreichen Probleme der europäischen Banken wird die angestrebte Rekapitalisierung der Finanzinstitute immer schwieriger. So warnen Experten außerdem vor einer möglichen Kreditklemme der Banken und deren Folgen. “Wir haben Angst vor einer Kreditklemme, die unsere Volkswirtschaften - inklusive der besten - wieder in eine Rezession stürzen könnte”, so EZB-Ratsmitglied Yves Mersch.

[TBO]

(Teaserbild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com  / pixelio.de)