19. Dezember 2011

Von: TBO

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Václav Havel | Tod | Tschechien | Präsident | Dramatiker | Samtene Revolution | Charta 77 | Prager Frühling
Václav Havel

Absurdistans größter Kritiker ist tot

Havel
Václav Havel (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Er prägte den Kampf gegen das kommunistische Regime in Ost-Europa wie kaum ein Zweiter. Václav Havel starb am Sonntag im Alter von 75 Jahren nahe dem ostböhmischen Ort Hradecek. Havel machte sich zunächst als Dramatiker und Schriftsteller einen Namen, bevor er später in die Politik ging und sich für Demokratie und Freiheit einsetzte. Zum Ende der kommunistischen Herrschaft in der damaligen Tschechoslowakei wurde Havel Präsident und würde das Land in die Europäische Union.

Der Weg aus der Schule

Václav Havel wurde 1936 in Prag als Sohn einer großbürgerlichen Familie geboren. Nach der Machtübernahme der kommunistischen Regierung wurde seine Familie enteignet und verlor jegliche Privilegien. So durfte Havel nach Beendigung der Schulpflicht keine weiterführende Schule besuchen. Zudem wurde ihm aus politischen Gründen ein geisteswissenschaftliches Studium verwehrt, weswegen er 1954 zunächst ein Wirtschaftstudium aufnahm. Erst in den 60er Jahren wurde es ihm erlaubt ein Fernstudium im Fach Dramaturgie zu belegen.

Einfluss des Absurden Theaters

Nach seinem Militärdienst arbeitete Havel zunächst als Bühnentechniker an zwei Theatern in Prag. Dort entwickelte er seine große Leidenschaft zu Literatur und Theater. Im “Theater am Geländer” konnte er seine ersten Stücke auf die Bühne bringen. Zudem schrieb er während dieser Zeit Artikel für Theater- und Literaturzeitschriften. Havel stand als Dramatiker in der Tradition des Absurden Theater. So deckte er in seinen Stücken wie “Erschwerte Möglichkeit der Konzentration” die Absurdität des Alltags und der kommunistischen Propaganda auf. Ende der sechziger Jahre engagiert er sich mehr und mehr in der Politik.

Die “Samtene Revolution”

Als Oppositionspolitiker fällt er bei der kommunistischen Regierung jedoch immer mehr in Ungnade. Als er 1977 die “Charta 77”, eine Untergrundinitiative für Menschen- und Bürgerrechte, mitbegründet, wird er mehrmals verhaftet und verbringt insgesamt fünf Jahre in Haft. Als die Tschechoslowakei in den achtziger Jahren etwas liberaler wurde, entwickelte sich Václav Havel zu einer der Hauptfiguren der “Samtenen Revolution”, die hauptsächlich von Künstlern und Studenten getragen wurde. 

Präsident von 1989 bis 2003

Im Jahr des Umbruchs, 1989, wurde Havel zum Vertreter des neugegründeten Bürgerforums OF. In diesem Jahr wurde er zum ersten nicht-kommunistischen Präsidenten der Tschechoslowakei seit 1948. Im Juli 1990 führt er sein Land zu freien Wahlen und wird in seinem Amt als Präsident bestätigt. Nach den ersten Jahren der Verehrung durch die Bürger des Landes, kommt es 1992 zu einem innenpolitischen Problem. Nationalisten auf beiden Seiten fordern die Abspaltung der Slowakei von Tschechien. Nach der Teilung kann er im Jahr 1993 aber erneut das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen und wird zum ersten Präsidenten Tschechiens gewählt. Als er sich 2003 aus dem Präsidentenamt verabschiedete, kehrte wieder zu seinen Wurzeln zurück.

Stimmen zu Havels Tod

Havel
Havel hat viel für die Europäische Wiederverinigung getan. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Der Tod des ehemaligen tschechischen Präsidenten sorgt international für Trauer und Bestürzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Havels Verdienste um die Europäische Wiedervereinigung: “Sein Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibt ebenso unvergessen wie seine große Menschlichkeit. Gerade auch wir Deutsche haben ihm viel zu verdanken.” Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte: “Ich verneige mich vor diesem großen Streiter für Demokratie und Freiheit”. Schwedens Außenminister Carl Bildt nannte Havel “einer der größten Europäer unserer Zeit”. Auch EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sandte Kondolenz: “Er war ein Mann großen Mutes, der für Freiheit und Demokratie in den schwierigsten Umständen kämpfte.”

Politiker oder Dramaturg?

In einem Interview wurde Havel einmal gefragt, ob er lieber als Politiker oder Schriftsteller in Erinnerung bleiben möchte. Er sagte: "Ich würde es gerne so formulieren, dass ich Dramaturg war, der als Bürger gehandelt hat und dank dieses Umstandes später einen Teil des Lebens in einer politischen Position verbracht hat." Havel erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine politischen Verdienste. So wurde er mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert.

[TBO]