Mittwoch, 04. Januar 2012

Von: TBO

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Arbeitslosigkeit | Deutschland | Spanien | Arbeitsmarkt | Reformen | Jobs | Beschäftigung | Euro-Krise
Arbeitslosigkeit

Die EU entwickelt sich unterschiedlich

Krise
In vielen anderen Euro-Staaten sieht es auf dem Arbeitsmarkt derzeit nicht so positiv aus. (Foto: Gerd Altmann/dezignus.com / pixelio.de)

Die EU ist derzeit zweigeteilt. Neben den üblichen Uneinigkeiten in Fragen zur Lösung der Euro-Krise, kann man nun vor allem zwei unterschiedliche Entwicklungen bei den Arbeitslosenzahlen beobachten. 

Während beispielsweise Deutschland und Österreich vergleichsweise geringe Arbeitslosenzahlen aufweisen, sind in Großbritannien, Griechenland und vor allem Spanien immer mehr Leute ohne Job.

Beste Werte seit der Wiedervereinigung

Im Jahr 2011 gab es in Deutschland so wenig Arbeitslose wie nie nach der Wende. Und das Ganze trotz der Euro-Krise. Im Jahresdurchschnitt sind laut der Bundesagentur für Arbeit 2,976 Millionen Arbeitslose registriert worden. Der Dezember bescherte der Bundesregierung 231 000 Arbeitslose weniger als im Dezember 2010. Dazu trägt jedoch auch das sehr milde Wetter in diesem Winter bei.

Spitzenreiter Österreich

Besonders Österreich bleibt von der Krise unbeeindruckt und verteidigt Platz eins der EU-Länder mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Der österreichische Sozialminister Rudolf Hundstorfer hatte im Dezember gerade einmal 360 583 Arbeitslose zu vermelden. Auch die Niederlande und Luxemburg gehören zu den Ländern mit der geringsten Arbeitslosenquote. 

Schlußlicht Spanien

In vielen anderen Euro-Staaten sieht es auf dem Arbeitsmarkt derzeit nicht so positiv aus. Besonders schlimm hat es Spanien getroffen. Dort ist die Arbeitslosigkeit im Dezember weiter gestiegen und bleibt auf einem Rekord-Niveau von 4,4 Millionen. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres liegt der Anstieg sogar bei 7,86 Prozent. Besonders dramatisch ist die Lage für junge Menschen, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 46 Prozent.

Fehlinvestitionen zur Jahrtausendwende

EU
Im Jahr 2011 gab es in Deutschland so wenig Arbeitslose wie nie nach der Wende. (Foto: Etienne Rheindahlen / pixelio.de)

Für potentielle Arbeitnehmer in Spanien sieht die nähere Zukunft nicht gerade vielversprechend aus. Die Euro-Krise hat das Land schwer getroffen, was die neue Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy dazu veranlasste ein enormes Sparpaket zu schnüren. Dies beinhaltet unter anderem auch einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst. Gérard Bökenkamp vom Liberalen Institut macht vor allem den großen Bauboom der letzten 10 Jahre für die Misere in Spanien verantwortlich. Durch Kredite mit geringen Zinsen, die in den Bausektor flossen, seien mehr Projekte begonnen worden als es Abnehmer gab. Nachdem die Fehlinvestitionen bemerkt wurden, sei es zu Baustopps und einer großen Entlassungswelle gekommen. Davon muss sich die spanische Wirtschaft zunächst erholen.

Großer Anstieg in Großbritannien

Neben Spanien haben auch andere Mitglieder der Europäischen Union mit einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen. So ist etwa die Arbeitslosenzahl in Großbritannien in den letzten drei Monaten 2011 um 80 000 gestiegen. Insgesamt ist die Zahl der Erwerbstätigen in der gesamten EU im letzten Quartal 2011 um 0,1 Prozent gefallen. Das Statistikamt Eurostat schätzt, dass in diesem Quartal rund 222,9 Millionen Menschen in der Europäischen Union einer Arbeit nachkamen.

Erfolg dank Arbeitsmarktreformen

Gérard Bökenkamp sieht vor allem die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 als Grund für eine gute Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts: "Durch die moderate Lohnpolitik gewann der Standort Deutschland seit der Jahrtausendwende massiv an Wettbewerbsfähigkeit, besonders im Vergleich zu anderen Eurostaaten." Das scheint sich nun auszuzahlen. Die internationale Presse ist von den deutschen Arbeitslosenzahlen beeindruckt. Für die italienische Zeitung "Il Messaggero" sind die aktuellen Zahlen "wirklich beneidenswert" und wie "von einem anderen Planeten stammend". Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat auch in der Bundesrepublik einige Jahre in Anspruch genommen, somit sind die Aussichten in die nähere Zukunft für Staaten wie Spanien nicht gerade positiv. Verstärkt wird der Kampf zusätzlich durch die Euro-Krise und damit verbundene Sparmaßnahmen.

[TBO]

(Teaserbild: momosu / pixelio.de)