Seite ausdrucken
Schrumpft das Vereinte Königreich?

- SNP-Chef Alex Salmond treibt die Unabhängigkeitsbemühungen Schottlands voran. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2012)
Das Vereinte Königreich beherrschte einst den halben Erdball. So langsam scheint es jedoch immer kleiner zu werden. Erst sieht es danach aus, als würde man nach dem Veto gegen eine Änderung der EU-Verträge und gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer seine Freunde aus der Europäischen Union verlieren. Nun macht auch Schottland ernst und will sich aus dem Königreich verabschieden. Wenn es so weiter geht, könnte der britische Premierminister David Cameron als das Staatsoberhaupt in die Geschichte eingehen, unter dem das United Kingdom auseinanderbricht.
Kampf gegen London
Es ist dem Vorsitzenden der Schottischen Nationalpartei (SNP), Alex Salmond, ein großes Anliegen: die Unabhängigkeit Schottlands. Im letzten Wahlkampf versprach er bereits das Land in die Selbstständigkeit zu führen. Seine linksliberale Partei erreichte dann 2010 die absolute Mehrheit im Regionalparlament in Edinburgh und legt stetig in den Umfragewerten zu. Die Schotten möchten trotz einer Abspaltung von Großbritannien weiterhin das britische Pfund als Währung und das Staatsoberhaupt, die Queen, behalten. Alex Salmond ließ verlauten die schottischen Bürger in einer Volksabstimmung über eine Abspaltung abstimmen zu lassen. Als die Forderung nach Unabhängigkeit in den vergangenen Wochen immer lauter wurden, kamen auch Reaktionen aus London.
Angebot von David Cameron
Premierminister Cameron reagierte vor wenigen Tagen mit einem überraschendem Angebot. Er mahnte zwar die schottische Regionalregierung habe nicht das Recht ein Referendum zur Unabhängigkeit des Landes anzusetzen, dies sei die Aufgabe der Regierung in London, doch stimmte er einer Volksabstimmung zu. Diese könnte unter den Bedingungen stattfinden, dass man das Referendum innerhalb der nächsten 18 Monate durchführt und die Schotten nur die Wahl haben aus dem Königreich auszutreten oder dort zu bleiben. Laut aktueller Umfragen würde derzeit nur ein Drittel der Schotten aus dem Vereinten Königreich austreten.
SNP will Referndum 2014
SNP-Chef Salmond ist von Camerons Vorschlag nicht überzeugt. “Ich finde sein Einschreiten vom Wochenende geradezu Thatcher-mäßig. London will unsere Interessen am besten verstehen und die Grundregeln für unser Referendum festsetzen, obwohl sie dafür kein Mandat haben”. Nach Salmonds Plan soll die Volksabstimmung erst Mitte 2014 stattfinden. Dann sollen die Bürger nach der großen Feier zum 700. Jubiläum der Unabhängigkeitsschlacht von Bannockburn mit reichlich Nationalstolz aufgeladen an die Urnen schreiten. Damals gewannen die Schotten unter Robert The Bruce gegen das zahlenmäßig überlegene Heer der Engländer.
Eine zusätzliche Option

- Premierminister David Cameron (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2012)
Nun will Alex Salmond einen weiteren Sieg gegen die Engländer schaffen. Im Gegensatz zu David Cameron möchte die Schottische Nationalpartei den Bürgern bei einem Referendum nicht nur die Möglichkeit zwischen einem “Ja” und einem “Nein” zu einem Verbleib im Königreich geben. Stattdessen will man eine dritte Option anbieten. Eine größere Unabhängigkeit von London und mehr Macht für die Regionalregierung in Edinburgh, ohne die Vorzüge einer Mitgliedschaft im Königreich zu verlieren. Im Gegensatz zu englischen Bürgern, können die Schotten von Subventionen, etwa im Gesundheitssystem, profitieren. So kommen sie in den Genuss von Annehmlichkeiten wie freien Arzneimitteln oder kostenlosen Zahnarztbesuchen.
Schottland will in die EU
Die britische Zeitung The Guardian beurteilt die Vorenthaltung einer dritten Abstimmungsoption durch Cameron als riskante Strategie. Zudem habe der Vorschlag des Premierministers die schottischen Bürger verärgert. Dies sei genau die Reaktion, die Alex Salmond sich wünsche. Der SNP-Fraktionschef in Westminster, Angus Robertson, hat für eine Unabhängigkeit Schottlands gleich konkrete Pläne. So will man, anders als derzeit Großbritannien, eine “positive Rolle” in der Europäischen Union spielen. Zudem gehört das Land zu den größten Erdöl-Förderern in der EU und möchte dementsprechend mehr Wohlstand für seine Bürger.
[TBO]
(Teaserbild: Andreas Roß / pixelio.de)









