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Rundumschlag der Ratingagentur
Eine der drei großen amerikanischen Ratingagenturen hat wieder einmal für eine kurzfristige Verschärfung der Euro-Krise gesorgt. Standard & Poor’s stufte am Freitagabend die Kreditwürdigkeit von neun Euro-Staaten herunter und sorgte damit kurzfristig für Wirbel an den Finanzmärkten. Nach einer Ankündigung der Agentur die Ratings sämtlicher Euro-Staaten überprüfen zu wollen, kam der Schritt für Experten nicht überraschend. Trotzdem erschweren die neuen Bonitäts-Bewertungen den Kampf gegen die Euro-Krise.
Deuschland behält “AAA”

- EU-Währungskommissar Olli Rehn (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)
Italien, Spanien, Portugal und Zypern mussten einen herben Rückschlag für ihre Bemühungen zur Überwindung der Krise hinnehmen und wurden gleich um zwei Stufen herabgesenkt. Die Bonität von Malta, Slowenien und der Slowakei stufte Standard & Poor’s um eine Note herunter. Frankreich und Österreich verloren ihr “AAA”-Rating und werden nun mit der Note “AA+” bewertet. Deutschland blieb von dem Rundumschlag gegen die Euro-Zone vorerst verschont. Die Ratingagentur bescheinigte der Bundesrepublik eine Spitzenbewertung von “AAA” mit stabilem Ausblick.
Kritik an Standard & Poor’s
Nach der Herabstufung der neun Euro-Länder hagelte es aus Wirtschaft und Politik Kritik für Standard & Poor’s. EU-Währungskommissar Olli Rehn “bedauere die ungereimte Entscheidung” der Ratingagentur. S&P wird zudem vorgeworfen europafeindilch zu urteilen. Laut dem stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden Michael Fuchs hat Großbritannien ein viel höheres Staatsdefizit und eine höhere Staatsverschuldung als Frankreich. Demnach müsse die Agentur konsequenterweise auch das Rating der Briten herabstufen.
Kritik: S&P sei unparteiisch
Standard & Poor’s begründet den Schritt mit mangelnden Resultaten zur Eindämmung der Schuldenkrise seitens der Politik. So sei man von den Ergebnissen des letzten Euro-Gipfels im Dezember enttäuscht. Zudem sei in den vergangenen Wochen das Risiko einer Rezession in der Euro-Zone gestiegen. Die Kritik man würde mit den Herabstufungen von neun Euro-Staaten parteiisch gegen Europa handelt, weist die amerikanische Ratingagentur zurück. So habe Standard & Poor’s im vergangenen Herbst auch den USA das Top-Rating “AAA” entzogen, äußerte sich S&P Deutschland-Mitarbeiter, Moritz Kraemer am Montag im Deutschlandfunk.
Politik lässt sich nicht beeinflussen
Vor allem für Frankreich und Österreich bedeutet der Verlust des “AAA”-Ratings einen herben Rückschlag in den Bemühung zur Bewältigung der Euro-Krise. So könnten die beiden Länder zukünftig wesentlich höhere Zinsen für Kredite zahlen. Die Regierungen beider Länder wollen sich jedoch von dem Schritt der amerikanischen Ratingagentur in ihrer Politik nicht beeinflussen lassen. Frankreichs Ministerpräsident François Fillon sagte in einer Pressekonferenz: “Wir brauchen nicht die Bewertung einer Ratingagentur, um zu wissen, was wir zu tun haben: unser Defizit reduzieren, unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern, um der Eurozone die Handlungsfähigkeit wiederzugeben, die ihr fehlt.”
Sarkozy’s Stuhl wackelt

- Frankreichs Ministerpräsident Fillon lässt sich von Standard & Poor's nicht den politischen Weg vorgeben. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)
In Frankreich könnte sich der Verlust des Spitzen-Ratings jedoch auf die Innenpolitik auswirken. Laut der Zeitung “Canard enchaîné” habe Präsident Nicolas Sarkozy im Oktober zu Vertrauten gesagt: “Wenn wir das Dreifach-A verlieren, bin ich tot”. Politisch könnte dies in rund 100 Tagen der Fall sein. Dann stehen die Präsidentenwahlen an. Nach aktuellen Umfragen führt der Kandidat der Sozialistischen Partei, François Hollande mit 27 Prozent gegenüber 22 Prozent, die Sarkozy erreicht. Die Herabstufung durch Standard & Poor’s könnte Frankreich zwei Milliarden Euro jährlich kosten.
Hoffen auf Moody’s und Fitch
Panikmache will man in der Euro-Zone nach dem Rundumschlag von Standard & Poor’s vermeiden. Schließlich haben die anderen großen Ratingagenturen, Fitch und Moody’s, die Kreditwürdigkeit der Staaten noch nicht gesenkt. In Österreich sieht man die aktuellen Lage deshalb weiter positiv. “Es steht zwei zu eins für Österreich”, so der oberste Analyst für die Erste Bank, Friedrich Mostböck. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Welle der Herabstufungen gelassen. “Fitch hat ausdrücklich zum Beispiel zu Frankreich vor einigen Tagen gesagt, dass Frankreich in diesem Jahr nach menschlichem Ermessen von Fitch nicht runtergestuft wird.”, so Merkel zu dem Nachrichtensender Phoenix.
[TBO]
(Teaserbild: Gerd Altmann / pixelio.de)









