Freitag, 20. Januar 2012

Von: TBO

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Megaupload | Filehoster | Anoymous | Urheberrecht | Unterhaltungsindustrie | Netzsperre | Raupkopie | PIPA | SOPA
Neue US-Gesetze

Streit um Urheberrechte im Netz

Google
Bislang scheint es der Industrie noch nicht gelungen zu sein, eine angemessene Alternative zu illegalen Downloads und Raupkopien zu finden. (Foto: Alexander Klaus / pixelio.de)

Der Umgang mit aktuellen Filmen oder Musik im Internet ist schon seit Jahren umstritten. Die Unterhaltungsindustrie beklagt durch illegale Downloads Milliardenverluste, doch ein adäquates Mittel zur Eindämmung wurde bisher nicht entwickelt. Nachdem im vergangenen Jahr bereits der Streaming-Dienst kino.to von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen vom Netz genommen wurde, hat die US-Justiz nun auch die Seite des Filehosters Megaupload dicht gemacht. Zudem plant die amerikanische Regierung derzeit neue Gesetze, die den Behörden die Sperrung ausländischer Webseiten ermöglichen soll. Die Internet-Guerilla-Gruppe Anonymous startete nach der Abschaltung von Megaupload Attacken auf die Internetseiten des US-Justizministeriums, sowie einiger Lobbyverbände der Musik- und Filmindustrie.

Drei Deutsche festgenommen

Amerikanische Staatsanwälte werfen dem Filehoster Megaupload Verstöße gegen Urheberrechte vor und nahmen die Webseite Megaupload.com am Donnerstag vom Netz. Zudem wird das Unternehmen beschuldigt der Film- und Musikindustrie einen Schaden von rund 500 Millionen Dollar verursacht zu haben. Vier Verantwortliche, darunter auch der deutsche Kim Schmitz, wurden auf Veranlassung von US-Behörden in Neuseeland festgenommen. Megaupload bot seinen Nutzern an, Daten aller Art hochzuladen. Darunter fand man nach Angabe der US-Justiz auch illegal kopierte Musik, Filme, Fernsehprogramme und digitale Bücher. Nach eigener Angabe auf ihrer Homepage respektiere Megaupload internationale Copyright-Abkommen und arbeite sogar mit Rechteinhabern zusammen.

“Operation Payback”

Die Community im World-Wide-Web reagierte umgehend auf die Abschaltung des Filehosters. So kündigten die Internet-Guerillas von Anonymous auf ihrem Twitter-Account mit der “Operation Payback”, die Abschaltung zahlreicher Internetseiten an. Nach Medieninformationen waren die Seiten des Justizministeriums und der Lobbyverbände RIAA und MPAA vorübergehend nicht erreichbar. Auch die Piratenpartei hält das Vorgehen der US-Justiz für fragwürdig. “Rechtlich gesehen bieten Filehoster etwa die gleiche Dienstleistung wie ein Lagerhallenbetreiber an - es wäre absurd, diesen für das Verhalten seiner Kundschaft verantwortlich zu machen”, so Urheberrechtsexperte der Piratenpartei, Andreas Popp.

Google und Wikipedia streiken

Internet
Der Umgang mit aktuellen Filmen oder Musik im Internet ist schon seit Jahren umstritten. (Foto: Corinna Dumat / pixelio.de)

Große Proteste gab es in den vergangenen Tagen auch wegen einer neuen US-Gesetzesinitiative zum Kampf gegen Raubkopien. Die beiden Gesetze PIPA und SOPA sehen vor, dass die US-Justiz ausländischen Internetseiten sperren darf, wenn dort illegal geschützte Inhalte angeboten werden. Kritiker sehen darin jedoch einen ersten Schritt zur Gefährdung der Internetfreiheit. Zahlreiche Webseiten, wie Wikipedia oder die Blog-Plattform Wordpress, reagierten deshalb mit einem Protest gegen den Gesetzesentwurf. Während Wikipedia während des Streiks nur eine dunkle Seite mit einer Protest-Erklärung zeigte, verlinkte Internet-Riese Google auf seiner Startseite zu einer Online-Petition gegen die neuen Gesetze. Zahlreiche US-Senatoren kündigte nun an, ihre Position überdenken zu wollen.

Angriff auf die Meinungsfreiheit

Die geplanten Gesetze sorgten auch in Deutschland für reichlich Kritik. Michael Hensel von der Piratenpartei sieht die neuen US-Gesetze als Gefahr für das Internet: “SOPA und PIPA stellen so eine neue Form der Internetzensur und einen nicht hinzunehmenden Eingriff in die Privatsphäre und das Grundrecht auf Meinungsfreiheit dar”. Auch der Präsident des Bundesverbands Informationwirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), Dieter Kempf, hält die geplanten Netzsperren für unangemessen. Er fordert zwar ein konsequentes Vorgehen gegen Piraterie, dieses dürfe jedoch nicht die Meinungsfreiheit im Internet gefährden. 

Keine legalen Alternativen

Till Kreutzer vom Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung an der Universität Hamburg bezweifelt, dass man Nutzer mit neuen Gesetzen davon abhält illegale Inhalte herunterzuladen. Er fordert stattdessen eine bessere legale Alternative. “Megaupload, Rapidshare, kino.to und andere Phänomene zeigen, dass es durchaus möglich ist, mit Inhalten im Internet eine Menge Geld zu verdienen. Dieser Markt wurde von manchen Branchen noch gar nicht erschlossen. Es fehlt nach meiner Wahrnehmung nach wie vor an legalen Angeboten, vor allem im Filmbereich. Das halte ich für einen großen Fehler, treibt es doch die Nutzer in die Illegalität.”

Neue Modelle zum Urheberrecht

Das Thema Urheberrecht wird seit Jahren viel diskutiert. Bislang scheint es der Industrie noch nicht gelungen zu sein, eine angemessene Alternative zu illegalen Downloads und Raupkopien zu finden. Durch das Aufkommen des Internet hat sich Problem des Schutzes von Urheberrechten zudem verkompliziert. Der Internetexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Jimmy Schulz, hält das gängige Urheberrecht für veraltet. So hätten die Digitalisierung und das Internet die Welt verändert, Geschäftsmodelle aus der Zeit des Buchdrucks würden deshalb heute nicht mehr funktionieren.

[TBO]