Mittwoch, 25. Januar 2012

Von: Timo Borowski

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Weltwirtschaftsforum | Großbritannien | Rezession | Wirtschaftswachstum | Staatsdefizit | IWF | David Cameron | Konjunktur
Konjunkturprognose

Briten fallen in die Rezession

Davos
In Davos findet das am 25. Januar beginnende Weltwirtschaftsforum (WEF) statt. (Foto: Doris Rennekamp/pixelio.de)

Spanien und Italien befinden sich derzeit in einer Rezession. Die Wirtschaft der beiden Euro-Länder musste in den vergangenen Monaten einen Abschwung hinnehmen. Im Zuge der Euro-Krise beschlossene Sparpakete wirkten sich negativ auf die Konjunktur aus. Nun hat es auch Großbritannien erwischt. Nach der aktuellen Statistik der britischen Behörden befindet sich das Vereinte Königreich derzeit in einer Rezession. Nach dem neuen Konjunkturausblick des Internationalen Währungsfonds, wird das Jahr 2012 für die gesamte Weltwirtschaft ein schwieriges Jahr.

Das Königreich rutscht in die Rezession

Die nationale Statistikbehörde “Office for National Statistics” veröffentlichte am Mittwoch die aktuellen Zahlen der britischen Wirtschaft. Demnach schrumpft die Konjunktur um 0,2 Prozent im vierten Quartal 2011. Im dritten Quartal konnte man noch ein Wachstum von 0,6 Prozent erzielen. Experten hatten mit einem Rückgang von 0,1 Prozent gerechnet. Auch das Bruttoinlandsprodukt des Königreichs für das gesamte letzte Jahr sieht nicht viel positiver aus. So ist es zwar angestiegen, jedoch nur um 0,9 Prozent.

Neuer Schuldenrekord

David Cameron
Die Haltung von Großbritanniens Premierminister David Cameron gegenüber einer Stabilitätsunion ist nun angesichts der Lage des Landes nachzuvollziehen. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Dafür kann Großbritannien in dieser Woche einen neuen Rekord vermelden. Das Staatsdefizit sprengt zum ersten Mal die Billionen Grenze. Die Schulden könnten sich in diesem Jahr auf rund 8,4 Prozent der Wirtschaftsleistung belaufen. Damit ist die zulässige Verschuldung der Europäischen Union von drei Prozent überschritten. Angesichts der hohen Schulden Großbritanniens ist die Haltung von Premierminister David Cameron zur der von Deutschland und Frankreich angestrebten Stabilitätsunion verständlich. Im Kampf gegen die Euro-Krise hatten Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy Änderungen der EU-Verträge auf den Weg gebracht. Die Stabilitätsunion umfasst unter anderem stärkere Sanktionen gegen Defizitsünder, sowie eine Schuldenbremse. Da Cameron ein Veto gegen die Vertragsänderungen einlegte, formte man nun einen Fiskalpakt innerhalb der Euro-Zone.

Euro-Krise als Ursache für Wirtschaftsschwäche

Der britische Schatzkanzler George Osborne ist von dem Abrutschen Großbritanniens in eine Rezession nicht überrascht. Die enttäuschenden BIP-Zahlen wären wegen der Euro-Krise nicht unerwartet. So scheint man in London vor allem der Euro-Krise die Schuld an der britischen Rezession zu geben. Kritiker werfen den Briten vor, zu wenig in der Euro-Krise getan zu haben. Bereits im Oktober gab es während eines EU-Gipfels Streit zwischen David Cameron und Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident kritisierte, Großbritannien würde sich nicht an finanziellen Hilfen für die angeschlagenen Euro-Länder beteiligen und dennoch in alle Entscheidungen involviert sein wollen.

Hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen

Die Lage in Großbritannien ist jedoch nicht erst seit den aktuellen Zahlen des Statistikamts angespannt. So sind derzeit rund 2,62 Millionen Briten arbeitslos. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 8,3 Prozent und ist damit so hoch wie seit Mitte der Neunziger Jahre nicht mehr. In der Gruppe der Briten unter 25 Jahre ist sogar jeder Fünfte ohne Arbeit. Trotz der schwache Konjunkturlage will Schatzmeister Osborne an seinen Sparmaßnahmen festhalten. Die Opposition fordert hingegen Investitionen des Staates um die britische Wirtschaft anzukurbeln.

IWF korrigiert Konjunkturprognose

Klaus Schwab
Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums sieht Handlungsbedarf angesichts der momentanen Weltwirtschaftslage. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Doch nicht nur in London könnte die Stimmung besser sein. Am Dienstag stellte der Internationale Währungsfonds seine aktuellen Wachstumsprognosen für das Jahr 2012 vor. So rechnet der IWF für dieses Jahr mit einer “milden Rezession” in der Euro-Zone. Auch seinen Ausblick für das Wirtschaftswachstum in Spanien und Italien musste der Fonds deutlich nach unten korrigieren. Selbst der internationale Konjunkturmotor China wird im Jahr 2012 nach Einschätzungen des IWF nur noch um acht bis neun Prozent wachsen. Die aktuelle Prognose für das Wachstum in der gesamten Weltwirtschaft fällt um 0,7 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent. Die drohende Rezession in der Euro-Zone und das schleppende Wachstum der Weltwirtschaft dürfte auch auf dem heute beginnenden Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos ein großes Thema sein. Dort werden bis zum Ende der Woche rund 2600 Vertreter aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft unter dem Motto “Die große Transformation - neue Modelle gestalten” zusammentreffen. WEF-Gründer Klaus Schwab sieht Handlungsbedarf nach den Auswirkungen der aktuellen Schuldenkrise. “Der Kapitalismus in seiner heutigen Form ist nicht länger das Wirtschaftsmodell, das die globalen Probleme lösen kann.” Kritiker bemängeln, dass während des Weltwirtschaftsforums kaum Probleme gelöst werden, es sei bisher vielmehr eine Veranstaltungen bei der Top-Manager Geschäft abwickeln würden.