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Willkommen in “Padanien”
- Umberto Bossi Parteichef der Lega Nord präsentierte eine Karte des neuen geplanten Staates “Padanien”. (Foto: commons.wikimedia.org/gemeinfrei)
Seit einigen Monaten kämpft Schottland um eine Abspaltung von Großbritannien. Ende 2014 sollen die Schotten in einem Referendum über eine Unabhängigkeit vom Vereinten Königreich entscheiden. Vor allem in Osteuropa und dem Balkan konnten in den letzten 20 Jahren zahlreiche Staaten Unabhängigkeit erlangen. So spaltete sich etwa die Slowakei von dem heutigen Tschechien ab. Der Staat Montenegro hat sich 2006 aus Gebieten von Jugoslawien entwickelt. Andere Regionen in Europa kämpfen schon seit langer Zeit für eine Unabhängigkeit. So etwa das Baskenland, das zu einem Teil zu Spanien und zu Frankreich gehört. Besonders die baskische Terrororganisation ETA kämpfte bis vor zwei Jahren mit Gewalt für eine Autonomie des Grenzgebiets. Im Norden Italiens wird der Kampf um Unabhängigkeit dagegen mit legalen Mitteln geführt.
Abspaltung des Nordens
Die Partei Lega Nord pocht schon seit Jahren auf eine Abspaltung vom italienischen Süden. Ihr Ziel ist die Errichtung eines neuen Staates “Padanien”. Dazu sollen Italiens Norden, Bayern, Österreich, die Schweiz und die französische Region Savoyen gehören. Parteichef Umberto Bossi präsentierte nun eine Karte, die den neuen Staat besser veranschaulichen soll. Der wirtschaftsstarke Norden des Landes möchte nicht mehr länger vom Süden gebremst werden und träumt von einem ähnlichen wirtschaftlichen Erfolg wie ihn beispielsweise Deutschland hat. Zudem plant Bossi eine eigene Währung einzuführen. “Wenn der Euro zusammenbricht, wird Padanien seine eigene Währung einführen, wir werden bestimmt nicht zur alten Lira zurückkehren”, zitieren ihn italienische Medien.
Lega Nord in der Opposition

- Zu dem neuen Staat des italienischen Nordens sollen ebenfalls Bayern, Österreich, die Schweiz und die französische Region Savoyen gehören. (Foto: commons.wikimedia.org/Fortunatus, CC by 3.0)
Nach dem Rücktritt von Silvio Berlusconi verlor die Lega Nord ihren Platz in der italienischen Regierung und bildet nun die Opposition zu der Experten-Regierung von Ministerpräsident Mario Monti. Unter Monti wurde auch das Reformministerium abgeschafft. Dieses wurde unter Berlusconi noch von Umberto Bossi als Minister geführt und beschäftigte sich auch mit dem Thema Föderalismus. Durch Ministerposten im Berlusconi-Kabinett kamen Bossi und seine Partei zu einer großen innenpolitischen Macht. In der Opposition scheint man sich jedoch wieder stärker auf den regionalen Charakter der Partei zu konzentrieren. So tagt in der Stadt Vincenza das “Parlament Pardanien”, eine Versammlung von Bürgermeistern und Spitzenpolitikern der Lega Nord.
Zuspruch aus der Bevölkerung
Die Gründung eines neuen Staates mit Bayern, Österreich und der Schweiz scheint doch etwas unrealistisch, doch die Unabhängigkeit des italienischen Nordens ist für die ansässige Bevölkerung tatsächlich ein Thema. So befinden sich unter den Lega Nord-Wählern auch immer mehr Menschen aus der Mitte der Bevölkerung die in Metropolen wie Mailand leben. Denn während die nördliche Region um Mailand, Turin und Genua zu den wirtschaftlich stärksten Gebieten in ganz Europa gehört, ist der Süden eine der strukturschwächsten Regionen Europas. So ist auch die Arbeitslosenquote im so genannten “Mezzogiorno” fast doppelt so hoch wie im Norden des Landes.
Kritik an der EU

- Immer Menschen aus Metropolen wie Mailand wählen die Lega Nord. (Foto: Oliver Weber/pixelio.de)
Besonders die Euro-Krise hat den Zulauf für nationalistische Parteien und solche, die mehr Kompetenzen für ihre Regionen fordern, verstärkt. Gerade in einem Land wie Italien, das von der Euro-Krise besonders hart getroffen wurde haben die Menschen immer weniger Vertrauen in die Europäische Union. So kommt Kritik an der EU nicht nur aus Reihen der Lega Nord, sondern auch von anderen Mitte-rechts-Parteien. Bossi traut der EU eine Euro-Rettung nicht zu: “Brüssel will den Rettungsfonds EFSF ausdehnen, doch in Wahrheit will niemand Geld hineinstecken, daher wird nichts daraus werden. Es gibt keinen Fonds, der Staaten retten kann.” Der neue Plan der Lega Nord wird wohl für immer ein Traum bleiben, trotzdem sollte sich die EU über mehr Integration Gedanken machen. Der Traum von einem geeinten Europa wird durch die Euro-Krise einer harten Probe unterzogen.
(Teaserbild: commons.wikimedia.org, gemeinfrei)









