Seite ausdrucken
- Links:
- Bosniens Stimmen
Gefangen in der wirtschaftlicher Depression

- Die Hauptstraße von Srebrenica, am Ende der Stadt mündet sie in eine Schotterpiste. (Foto: Michael Neumayr)
Es gibt Orte, die sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt haben. Dazu zählen Auschwitz, Dachau und Mauthausen. Auch Srebrenica zählt dazu. Der kleiner bosnische Ort mit 11.000 Einwohnern liegt weit abseits von den üblichen Besucherströmen am Balkan. Der nahe Grenzübergang nach Serbien ist nicht für den Güterverkehr freigegeben und die Hauptstraße am Ende der Stadt mündet in eine Schotterpiste. Wirtschaftlich ist es Srebrenica nie besonders gut gegangen.
Mladic angeklagt
Seit dem schrecklichen Massaker hat der kleine Ort jedoch überhaupt keine Perspektive mehr. Mehr als 8.000 Menschen wurden im Juli 1995 unter den Augen der niederländischen UN-Soldaten von Angehörigen der Armee der Republika Srpska und serbischen Paramilitärs ermordet. Am 16. Mai 2012, fast 17 Jahre nach dem Völkermord, wird der Prozess gegen Ratko Mladic am internationalen Gerichtshof in Den Haag eröffnet. Mladic wird sich für das Massaker in Srebrenica aber auch für die Kriegsverbrechen bei der Belagerung Sarajevos verantwortlichen müssen.
Viele Kriegsschäden
In Srebrenica wird man ständig an die Schrecken des Krieges und das Massaker erinnert. Zerschossene Häuser und leerstehende Gebäude verbreiten eine triste Stimmung. Jugendliche spielen zwischen kaputten Häusern Fußball und im Park sitzen die Arbeitslosen und versuchen die Zeit totzuschlagen. Die Arbeitslosigkeit ist höher als in andern Teilen Bosniens. Vor allem in den kleinen Dörfern rund um Srebrenica kommt es vor, dass alle Bewohner arbeitslos sind.
Großer Gedenkfriedhof

- Der Gedenkfriedhof: Mehr als 8000 Menschen sind im Massaker umgekommen. (Foto: Michael Neumayr)
In der Region gibt es neben der Stadt nur einen nennenswerten Arbeitgeber, eine kleine, heruntergekommene Verzinkerei. Einige Kilometer von Srebrenica entfernt liegt der große Gedenkfriedhof. Ein Mahnmal, das Jahr für Jahr wächst. Die frischen Gräber zeugen davon, dass noch immer nicht alle Leichen des Massenmordes gefunden und identifiziert wurden. Auf der andern Straßenseite befindet sich die alte Batteriefabrik, wo während des Massakers die machtlosen UN-Soldaten stationiert waren.
Bundesheer beobachtet

- In Budak wird unmittelbar neben einem Massengrab eine serbisch-orthodoxe Kirche gebaut. (Foto: Michael Neumayr)
Auch heute noch sind ausländische Soldaten in der Region stationiert. Im zehn Kilometer entfernten Bratunac beobachten neun österreichische Soldaten die Lage. Für Srebrenica zuständig sind Hauptmann Günter Lackner und Oberwachtmeister Othmar Schodl. Sie halten Kontakt zu den politischen und geistlichen Führern in Srebrenica und besuchen regelmäßig die Dörfer, um nach dem Rechten zu sehen. “Eigentlich interessiert es hier niemanden ob jemand Serbe oder Bosniake (Anmerkung: Die muslimische Bevölkerungsgruppe) ist“, erklärt Lackner. Das tägliche Zusammenleben zwischen den Volksgruppen würde funktionieren, die religiösen Führer und Politiker würden aber im politischen Streit oft Konflikte zwischen den Gruppen auslösen.
Provokationen
Dabei lenken die ethnischen Diskussionen von den eigentlichen Problemen ab. Die wirtschaftliche Situation in Srebrenica ist katastrophal. Ein großes Hotelprojekt ist aus politischen Gründen gescheitert, Infrastruktur ist kaum vorhanden und das internationale Interesse der Hilfsorganisationen schwindet. “Ich habe Angst, dass meine Kinder hier keine Zukunft haben. Es muss nicht viel passieren, damit hier alles aus den Fugen gerät,“ erklärt Avdo Purkovic. Gemeinsam mit seinem Vater führt er eine kleine Pension. Die Gäste werden immer weniger und irgendwann werden sie ganz ausbleiben, fürchtet er. Dabei hätte Srebrenica auch schon bessere Zeiten gesehen. Vor dem Krieg gab es eine florierende Holz- und Möbelbauindustrie. Heute sind die Wälder vermint.
Kaum Zukunftsperspektive

- Hauptmann Günter Lackner und Oberwachtmeister Othmar Schodl beobachten die Lage in Srebrenica. (Foto: Michael Neumayr)
Dabei lenken die ethnischen Diskussionen von den eigentlichen Problemen ab. Die wirtschaftliche Situation in Srebrenica ist katastrophal. Ein großes Hotelprojekt ist aus politischen Gründen gescheitert, Infrastruktur ist kaum vorhanden und das internationale Interesse der Hilfsorganisationen schwindet. “Ich habe Angst, dass meine Kinder hier keine Zukunft haben. Es muss nicht viel passieren, damit hier alles aus den Fugen gerät,“ erklärt Avdo Purkovic. Gemeinsam mit seinem Vater führt er eine kleine Pension. Die Gäste werden immer weniger und irgendwann werden sie ganz ausbleiben, fürchtet er. Dabei hätte Srebrenica auch schon bessere Zeiten gesehen. Vor dem Krieg gab es eine florierende Holz- und Möbelbauindustrie. Heute sind die Wälder vermint.
Kleine Initiative helfen
Erfolgreich sind meist kleine private Initiativen. Die großen Organisationen sind fast alle verschwunden und haben langfristig nichts bewirkt. Eines dieser Projekte ist die Genossenschaft HANA. In einer kleinen Manufaktur werden Marmeladen, Pesto und Honig produziert, und verkauft. Direktor Semir Smajic gibt sich zuversichtlich: “Uns gibt es erst seit einem Jahr und wir wollen langsam und nachhaltig wachsen. Derzeit produzieren wir nur ein paar hundert Marmeladengläser pro Jahr. Für den Export nach Österreich und Deutschland gilt es aber vor allem noch bürokratische Hürden zu meistern.“
(Teaserbild: Michael Neumayr)









