28-05-2012

Von: Klaus Schwehn

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Frankreich | Deutschland | Erbfeinde | Elysée-Vertrag | de Gaulle | Adenauer | deutsch-französischer Vertrag | Nicolas Sarkozy | Angela Merkel
Frankreich und Deutschland

Wie aus Erbfeinden Freunde geworden sind

Die Webereiter der Deutsch-Französischen Freundschaft bei einem Treffen 1963 - Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. (Quelle: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive))

Deutsch-französische Freundschaft, das ist heute eine Selbstverständlichkeit. Dass in dieser Beziehung „Erbfeinde“ zueinander gefunden haben, das interessiert, das weiß die junge Generation in beiden Ländern im 21. Jahrhundert nicht mehr. Dass die Versuche der Annäherung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit zeitlicher Verzögerung äußerst zaghaft waren, das ist Inhalt der Geschichtsbücher, aber nicht mehr Basis praktischer Politik. Zaghafte Annährung: Sie lässt sich an zwei Daten plastisch ablesen:

-    Am 25. August 1950 gibt der Gemeinderat der französischen Stadt Montbéliard 50.000 Francs frei für die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft mit dem baden-württembergischen Ludwigsburg.

-    Am 22. September 1984 gedenken der französische Staatspräsident Francois Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl Hand in Hand der in den beiden Weltkriegen  gefallenen Soldaten beider Länder und bekräftigen die Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen.

Robert Schuman gab die ersten Anstöße

In diesen Spannungsbogen fällt das gewichtigste aller Daten: Am 22. Januar 1963 wird der Elysée-Vertrag  über die deutsch-französische Zusammenarbeit unterzeichnet. Dieser Vertrag ist zweifellos ein zentrales Dokument der Aussöhnung. Allerdings wäre er nicht ohne einen langen und zeitweise auch beschwerlichen Annäherungsprozess zwischen Deutschland und Frankreich möglich gewesen. Und zu den „Antreibern“ der ersten Stunde gehörte zweifellos der unermüdliche französische Außenminister Robert Schuman; Minister in Paris von 1948  bis 1952 und später erster Präsident des Europäischen Parlaments. Sein Credo: „Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, dass der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird“.

Kein Europa ohne dauernde Aussöhnung

Das "Liebespaar". Sarkozy und Merkel gingen Hand in Hand durch die Krise. (Quelle: ec.europa.eu)

Als der Vertrag unterzeichnet und in den Parlamenten zur Ratifizierung anstand, sagte Bundeskanzler Konrad Adenauer - es war die 73 Sitzung des 4. Bundestags am 25. April 1963 - „Ohne eine dauernde Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich, meine Damen und Herren, kann Europa nicht geschaffen werden…Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Abschluss dieses Vertrages, seine Gutheißung durch Sie, ein Ereignis ersten Ranges ist für unser Land und für den Frieden in Europa und in der ganzen Welt“. (Das Protokoll verzeichnete an dieser Stelle anhaltenden lebhaften Beifall bei den Regierungsparteien.)

Kein Diktat des Duos „Merkozy“

Inzwischen sagen kundige Beobachter der deutsch-französischen Beziehungen nach fünf Jahrzehnten, das Verhältnis stecke in einer Art „midlife crisis“. Dies hänge zusammen mit der krisenhaften Entwicklung in der Europäischen Union, speziell in der Euro-Zone und der daraus resultierenden Frage, wie beide Seiten ihren Beitrag zur Konsolidierung und Vertiefung der europäische Einigung verstärken können – vor allem aber, welche bilateralen Vereinbarungen hilfreich sein könnten. Ohne dass es in Europa nach einem deutsch-französischen Diktat des Duos Merkozy aussähe.

Das Verhältnis der Kanzler und Präsidenten

Deutsch-Französische Freundschaften waren immer von Reibung geprägt. Kohl und Mitterant waren da keine Ausnahme. Für ein gemeinsames Europa galt es jedoch gemeinsam Visionen zu verwirklichen (Quelle: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive))

Im Verlauf der vergangenen 50 Jahre hat es mehrfach Irritationen gegeben; alle aber wurden überwunden. Das hing immer auch mit den Matadoren an oberster Spitze zusammen. Da gibt es eine bemerkenswerte (Ahnen)-Galerie: Adenauer und de Gaulle 1963 beim vorsichtigen Versuch eines Wangenkusses, Helmut Schmidt und Giscard d’Estaing bei gleicher Freundschaftsübung,  Kohl und Mitterand 1984 Hand in Hand, Chirac und Schröder 2004 in herzhafter Umarmung – und schließlich in 2009 Merkel und Sarkozy, fast wie ein Liebespaar. Dies beweist, dass sich die Freundschaft mit Paris auch im Verhältnis ihrer Kanzler und Präsidenten widerspiegelt.

Der 22. Januar, Tag der Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages, ist zum „deutsch-französischen Tag“ erklärt worden. Zum Jubiläum im kommenden Jahr 2013 wird es ein besonderes Ereignis geben. Dann werden das französische Parlament und die Pariser Regierung in Berlin zu gemeinsamen Beratungen zu Gast sein. Dann will man „Goldene Hochzeit“ feiern.