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Frühjahrsputz für Europas Infrastruktur

- Die EU-Kommission plant, bis 2030 in Europa 94.000 Kilometer Schienen weiter auszubauen. (Foto: Peter Smola / pixelio.de)
Noch einmal das Glitzern der Sonne auf der Seine genießen. Vielleicht auch nochmal dem Eiffelturm auf Wiedersehen sagen, bis zum nächsten Mal? Oder vielleicht doch nochmal einen Blick in die Bibliothèque Nationale werfen und versuchen, das Wissen vergangener Jahrhunderte einzuatmen? Ein bisschen Zeit ist schließlich noch. Der Zug fährt erst gegen 12 Uhr. Dann Aufenthalt in Köln und schließlich ist man nach acht Stunden zurück zu Hause: in London. Paris, Köln, Aachen, Brüssel und London in einer Tour, das ist für manche eine ganze Europareise und für manche mittlerweile Alltag. Das Zusammenwachsen der europäischen Verkehrsnetze hat es möglich gemacht - und ist unverzichtbar geworden. Die Mobilität von Menschen und Gütern ist eines der Kernelemente der Europäischen Union und erst durch transnationale Verkehrsnetze konnte die Idee des Schengener Abkommens wirklich umgesetzt werden. Die Pläne zur Errichtung solcher Netze basierten jedoch viel mehr auf dem Streben endlich den europäischen Binnenmarkt zu vollenden. Dieser ist mittlerweile fertiggestellt, die Verkehrsnetze sind jedoch zum größten Teil noch immer Baustellen von gigantischem Ausmaß.
Wo soll man anfangen?
Die EU-Kommission plant bis 2030
- 90.000 Kilometer Straße
- 94.000 Kilometer Schienen
- 12.250 Kilometer Binnenwasserstraßen
- 210 Binnenhäfen
- 294 Seehäfen
- 366 Flughäfen
auszubauen und miteinander zu verbinden. Das beschlossene Ziel ist es, dass bis 2050 die meisten Menschen und Unternehmen innerhalb der EU nicht weiter als 30 Minuten von einem Zugang zum transnationalen Verkehrsnetz entfernt sind. Dies dürfte allerdings nur funktionieren, wenn die EU-Staaten vermehrt kooperieren und sich auf gemeinsame Projekte und Vorgehensweisen einigen. Der EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sagte dazu im vergangenem Oktober: "Der Verkehr ist die Grundlage einer effizienten Wirtschaft in der EU, aber es fehlen noch immer wichtige Verbindungen. Die europäischen Eisenbahnen arbeiten mit sieben verschiedenen Spurweiten und nur 20 unserer Großflughäfen und 35 unserer wichtigsten Häfen sind direkt an das Schienennetz angeschlossen." Es gibt also noch viel Potenzial.
Verkehrsnetz der zwei Geschwindigkeiten

- Für den EU-Verkehrskommissar Siim Kallas ist der Verkehr die Grundlage einer effizienten Wirtschaft in der EU. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2012)
Um bei diesem gewaltigen Bauvorhaben nicht die Übersicht zu verlieren, hat die EU-Kommission Prioritäten formuliert und das Bauvorhaben aufgeteilt. Bis 2030 soll das europäische "Kernnetz" fertig gestellt werden. Dazu zählen circa 30 Projekte, mit denen schon vor 2010 angefangen werden sollte. Davon sind bisher sechs fertig gestellt, unter anderem das Örsesund-Projekt, welches Kopenhagen seit dem Jahr 2000 dauerhaft mit Malmö verbindet. Andere Projekte befinden sich zurzeit im Bau, wie zum Beispiel das Rail Baltica Projekt. Nach seiner Fertigstellung kann man von Warschau aus über die baltischen Staaten bis nach Helsinki mit dem Zug fahren. Ungefähr die Hälfte der Projekte wurden bisher nicht angefangen. Dazu zählt auch die feste Fehrmanbeltquerung, welche die deutsche Insel Fehmarn mit Dänemark verbinden soll. Dem Projekt sind viele hitzige Diskussionen vorausgegangen bis schließlich Dänemark und Deutschland den Bau der Querung mit einem Staatsvertrag im Jahr 2008 beschlossen. 2014 soll der erste Spatenstich getätigt werden. 2050 soll dann das "Gesamtnetz" fertig sein. Damit sind sämtliche Verkehrswege in Europa gemeint.
Das liebe Geld
Ein großer Stolperstein bei der Verwirklichung eines gesamt-europäischen Verkehrsnetzes ist nach wie vor die unterschiedliche Interessenlage der einzelnen EU-Länder und der mangelnde Willen zur Umsetzung. Grenzüberschreitende Verbindungen sind daher noch immer die Ausnahme, dadurch beschränkt sich der europäische Güter- und Personenverkehr auf wenige Verkehrswege, was in regelmäßigen Abständen zu Engpässen führt. Die Situation wird zusätzlich durch die enormen Unterschiede von gesetzlichen Regelungen, Normen und Sicherheitssystemen in den EU-Staaten erschwert. Ein noch viel größeres Problem ist allerdings die Finanzierung. Laut Schätzungen der EU werden sich die Kosten bis 2020 auf 600 Milliarden Euro belaufen. Bis 2030 werden die Kosten aller Voraussicht nach auf 1,5 Billionen Euro betragen. Zum Vergleich: die Summe übersteigt das Volumen des Euro-Rettungsschirms um ein Dreifaches. In Zeiten der Finanzkrise sind solche Zahlen nahezu unvorstellbar und selbst die EU-Kommission hat jüngst angemerkt, dass es ohne "innovative Finanzierungsmodelle" wohl nicht funktionieren wird. Um wenigstens die dringendsten Probleme bis 2020 zu lösen, werden rund 250 Milliarden Euro benötigt, aus dem EU-Haushalt werden dafür 31,7 Milliarden Euro bereit gestellt. Wo der Rest des Geldes herkommen wird, ist bisher unklar.









