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Namenskonflikt blockiert EU-Verhandlungen

- Alexander der Große: Mit Pomp sucht Mazedonien nach seiner Identität. (Foto: Michael Neumayr)
Wer Mazedonien besucht kommt an Alexander dem Großen und Mutter Theresa nicht vorbei. Flughafen, Autobahn, zahlreiche Schulen und öffentliche Plätze sind nach den beiden mazedonischen Vorbildern benannt. Zentrum dieser nationalen Suche nach Identität ist der Hauptplatz von Skopje, in dessen Zentrum eine pompöse Alexanderstatue den Platz überblickt. Begleitet von lauter klassischer Musik und einem Wasserspiel stellt die Statue die Position Mazedoniens, wenn es um den eigenen Namen geht, klar.
Konflikt mit Griechenland
Mazedonien scheint noch seine Identität suchen zu müssen. Erst 1991 erstmals unabhängig geworden, ist das politische Leben im jungen Land nämlich vor allem durch den Namenskonflikt mit den Nachbarn Griechenland und Bulgarien geprägt. Griechenland akzeptiert den Namen “Republik Mazedonien“ nicht und blockiert damit den wichtigen EU-Beitritt seines nördlichen Nachbarn. Denn obwohl Mazedonien seit 2005 offizieller EU-Beitrittskandidat ist, wird es ohne Lösung des Konflikts keine Beitrittsverhandlungen geben.
EU überlebenswichtig
Für Mazedonien ist eine EU-Mitgliedschaft jedoch überlebenswichtig. Ein Großteil der internationalen Handelsbeziehungen finden mit Ländern der Europäischen Union statt. Aber auch politisch würde die EU das Land stabilisieren. Erst 2001 kam es fast zu einem Bürgerkrieg zwischen den Mazedoniern und der albanischen Minderheit, die fast 25 Prozent der Bevölkerung stellen. Ohne der EU wird Mazedonien große Probleme, politischer und wirtschaftlicher Natur haben, hört man immer wieder aus politischen Kreisen.
Positive Umfragen

- Säumige Kunden müssen beim Energieversorger EVN bar zahlen. (Foto: Michael Neumayr)
Das weiß auch die Bevölkerung und entsprechend groß ist bei Umfragen die Zustimmung zum EU-Beitritt. Jüngsten Umfragen der Tageszeitung Dnevnik zufolge sprechen sich rund 90 Prozent der Befragten für einen EU-Beitritt aus. Kritisch wird jedoch die Rolle der EU beim Namenskonflikt zwischen Mazedonien und Griechenland gesehen. Nur 53 Prozent vertrauen hier der Politik der EU, wobei die Albanische Minderheit mit 85 Prozent Zustimmung sich klar von der mazedonischen Mehrheitsbevölkerung (41 Prozent) abgrenzt.
Handelspartner Griechenland bricht weg
Aber nicht nur wegen dem Namenskonflikt mit Griechenland ist ein EU-Beitritt in weiter Ferne. Auch Mazedonien hat aufgrund der Wirtschaftskrise schwer zu kämpfen. Die Handelsbeziehungen mit Griechenland, einst wichtigster Wirtschaftspartner und großer Investor, sind seit 2008 eingebrochen. Das habe zwar Mazedonien durch die Erschließung anderer Märkte und zum Vorteil für Deutschland und Österreich abfedern können, heißt es aus EU-Kreisen, zahlreiche Mazedonier hätten jedoch in Griechenland als Saisonarbeitskräfte gearbeitet. Jobs die nun verloren sind und die angespannte Arbeitsmarktsituation weiter verschärfen. Die Jugendarbeitslosigkeit in Mazedonien liegt derzeit bei 45,8 Prozent. Die mazedonische Nationalbank schätzt das Wirtschaftswachstum für 2012 auf zwei Prozent. IMF und die Weltbank sind hier pessimistischer und rechnen aufgrund der Wirtschaftskrise nur mit einem Prozent Wirtschaftswachstum in Mazedonien.
Flattax und stabile Währung
Anita Bavdaz, die österreichische Außenhandelsdelegierte in Skopje, streicht jedoch die Vorteile Mazedoniens als Handelspartner hervor: “Die Flattax von zehn Prozent wurde in der Wirtschaftskrise nicht erhöht und besonders in den Bereichen Energie, Umwelt und Infrastruktur gibt es noch viel Potenzial“. Außerdem sei die Währung Denar seit mehr als 15 Jahren stabil. Allerdings räumt Bavdaz ein, dass der österreichische Energieversorger EVN immer wieder Probleme bei der Eintreibung von Forderungen habe: “Seit 2010 ist es um die Liquidität in Mazedonien etwas schlechter bestellt. Forderungen werden daher immer später bezahlt“.
Angespannte Lage
Wie angespannt die wirtschaftliche und politische Lage in Mazedonien ist zeigt auch, dass kaum jemand offen über politische und wirtschaftliche Themen sprechen will. Vertreter der Europäischen Union, österreichischer Unternehmen, aber auch Professoren und Studenten bevorzugen es, nicht zitiert zu werden. Hinter vorgehaltener Hand ließ man durchblicken, dass die konservative Regierung, die seit 2006 im Amt ist, sensibel auf kritische Meinungsäußerungen reagiere.
(Teaserbild: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2006)









