Die ESA im Profil
Galileo Galilei, Johannes Kepler, Tycho Brahe, Isaac Newton – das sind Namen, die sich alle auf Ewigkeit in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingetragen haben. Namen, die alle auf ein Thema zuführen: Den Weltraum und seine Anziehungskraft.
In den schwierigen Zeiten des Mittelalters, in denen Aufklärer als Kirchenfeinde und Ketzer verfolgt wurden und Naturwissenschaften nur im Rahmen der christlichen Weltordnung existieren durften, setzten sie ihre Erkennisse durch und schufen so die Grundlage für all das, was wir heute in unseren Atlanten und Lexika finden. Neben den Leistungen für Forschung und Wissenschaft eint sie eine weitere Tatsache: Sie waren Europäer.
Aus der Asche der Bedeutungslosigkeit

- 1975 schlossen sich ELDO und ESRO zur ESA zusammen (Quelle: Harry Hautumm/pixelio.de)
Die Errungenschaften europäischer Wissenschaftler in Fragen der Astronomie sind alle immens. In den globalen Auseinandersetzungen des 20. Jh. jedoch wurden die Fragen nach dem Warum und Wieso der kosmischen Ordnung ersetzt durch das Wofür des Kalten Krieges. Im Wettrüsten der Systeme kam das nach dem 2. Weltkrieg am Boden liegende Europa nicht annähernd an das riesige Waffenarsenal der beiden Supermächte USA und UdSSR heran. Zumal zunächst andere Probleme gelöst werden mussten und an ein Raumfahrtprogramm nicht im entferntesten zu denken war.
Ende der 50er Jahre aber musste gehandelt werden, denn immer mehr europäische Spitzenwissenschaftler wanderten ab, und zwar je nach persönlicher und politischer Neigung ost- oder westwärts. Auf Grund dieser Tatsache und dem Willen heraus, Europa am Wettlauf um den Weltraum teilhaben zu lassen, trafen sich zwei zentrale Gestalten der europäischen Wissenschaftsgemeinde ihrer Zeit: Edoardo Amaldi und Pierre Auger. Ihre Idee war die Gründung einer Organisation, die Europas Interessen auf dem Gebiet der Raumfahrt wahren sollte.
Es wurden von diesen beiden Gründervätern im Jahre 1962 sogar zwei Organisationen aus der Taufe gehoben: Während sich die ELDO (European Launcher Development Organisation) um die Entwicklung einer eigenen Trägerrakete kümmern sollte, oblag der ESRO (European Space Research Organisation) die Entwicklung von Satelliten zur Erforschung des Weltraums.
Das multinationale Prinzip
Der erste Schritt zu einer modernen europäischen Raumfahrt war damit also getan, und die Grundlagen für die heutige ESA (European Space Agency) waren damit gelegt. Denn knapp 15 Jahre nach den ersten Gründungsgesprächen der ELDO und ESRO und nachdem das "Europa"-Raketen-Projekt gescheitert war, führte akuter Geldmangel zum Zusammenschluß der beiden Organisationen. Sie gingen 1975 in die ESA auf. Diese hat ihren Sitz in Paris und fimiert dort unter der Bezeichnung ASE (Agence Spatiale Européenne) und ist ausschließlich der friedlichen Erforschung des Weltraums verpflichtet.
In den letzten drei Jahrzehnten ihres Bestehens hat die ESA eine vielfältige und aufregende Entwicklungsgeschichte geschrieben. Die Zusammenarbeit ist dabei von Dezentralität und Arbeitsteilung geprägt und konnte zahlreiche Erfolge feiern: Die ESA betreibt Zentren in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und den Niederlanden. In Deutschland sind zwei wichtige Einrichtungen der ESA ansässig: Das Kontrollzentrum in Darmstadt, die Ausbildungsstätte der Astronauten in Köln.
In 17 gleichberechtigten Mitgliedsländern verfügten im Jahre 2007 1.900 Mitarbeiter über ein Budget von 2,9 Milliarden Euro.
In die Gemeinschaftskasse der ESA zahlt jeder Staat abhängig von seinem Bruttoinlandsprodukt ein. Doch bleibt dieses Geld nicht lange in Händen der ESA, verpflichtet das Finanzierungskonzept der gemeinsamen Weltraumprojekte doch zu einer Art Rückvergütung der Beiträge. Die zum Teil milliardenschweren Aufträge werden nämlich nicht, wie sonst in der EU üblich, im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung vergeben, sondern von den einzahlenden Regierungen den jeweils heimischen Wirtschaftsunternehmen direkt erteilt. Wieviel jeder Staat "seinen" Unternehmen zugute kommen lassen kann, richtet sich wieder nach dem Bruttoinlandsprodukt. Die europäische Wirtschaft profitiert also erheblich von Aufträgen, die die ESA erteilt.
Die größten Einzahler sind hier Frankreich, Deutschland und Italien, die zusammen weit über die Hälfte der knapp 3 Milliarden Euro bereitstellen. Zum Vergleich: Der amerikanischen Weltraumbehörde NASA (National Aeronautics and Space Administration) steht jährlich ungefähr der fünffache Etat zur Verfügung.
Das Hauptorgan der ESA ist der Rat. Er besteht aus einem Vertreter, den je ein Mitgliedsland entsendet. Bei Abstimmungen spielen die Höhe der Beiträge oder die Landesgröße keine ROlle, denn jede Stimme zählt gleich viel. Alle vier Jahre wählt dieser Rat den Generaldirektor (seit Juli 2003 der Franzose Jean-Jacques Dordain), dem die einzelnen Direktorien der Forschungsabteilungen unterstehen.
Die ESA ist weder eine Organisation der EU, noch der Gemeinschaft unterstellt. Dennoch sind die ESA und die EU durch ihre Zielsetzungen inhaltlich miteinander eng verbunden. Ein Rahmenprogramm zur Zusammenarbeit, das 2004 in Kraft trat, band diese beiden Organisationen auch vertraglich eng aneinander. Im Vordergrund der Zusammenarbeit stehen die Stärkung der europäischen Position in der Raumfahrt, sowie die Nutzung der Erfolge für alle Europäerinnen und Europäer.
(Teaserbild: commons.wikimedia.org,gemeinfrei)









