Neue Währung für die Slowakei

- Die slowakische Bevölkerung freut sich über die Einführung des Euro (Quelle: Lilo Kapp/pixelio.de)
Mit dem 1. Januar ist auch in der Slowakei der Euro als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. Damit ist Slowenien das zweite osteuropäische Land, dessen Gesuch um Beitritt in die Eurozone von der Europäischen Kommission positiv entschieden wurde, und nunmehr 325 Millionen Bürger in 16 europäischen Nationen können mit dem Euro bezahlen. Voraussetzung für die Aufnahme eines Landes ist die Erfüllung strenger Beitrittsbedingungen: Unter anderem werden stabile Verhältnisse in der Wirtschaft des Beitrittskandidaten verlangt. Damit jedoch kann die Slowakei dienen, ist ihre derzeitige Wachstumsrate dank ihrer bisherigen Währung, der slowakischen Krone, doch eine der höchsten in der Europäischen Union.
Freude in der Bevölkerung – Zweifel bei den Experten
Die Slowaken freuen sich über den Währungswechsel. Und sie wollen es besser machen als ihre ungarischen Nachbarn. Spekulationen mit dem Forint hatten Ungarn nämlich vor nicht allzu langer Zeit beinahe in den Ruin getrieben.
Die Experten der Europäischen Zentralbank bleiben aber aufmerksam, weil sie befürchten, dass die Slowakei nach der Euro-Einführung die Inflation nicht im Griff behalten könnte. Auch die gegenwärtige Finanzkrise mit ihren noch gar nicht absehbaren Folgen auch für die Eurozone scheint auf einen schlechten Zeitpunkt für die Euro-Einführung hinzuweisen.
Ein anderes Problem könnte zum Abbau von Arbeitsplätzen führen: In der Slowakei waren die Löhne der Beschäftigten niedriger als in der Eurozone. Das brachte dem Land einen erheblichen Wettbewerbsvorteil, der nun dahin ist. Denn kaum war der Euro eingeführt, begannen die Automobilbetriebe, die ganz wesentlich den Wohlstand ins Land gebracht hatten, erste Stellen abzubauen. Die Manager bei VW, Kia und Peugeot denken sogar schon darüber nach, die Produktion noch weiter Richtung Osten zu verlagern, zum Beispiel in die Ukraine.
Die Krise ist angekommen
Die für die slowakische Wirtschaft so wichtige Automobolindustrie hat nicht allein mit dem allgemeinen Nachfragerückgang zu kämpfen: Auch der größte Metallbetrieb der Slowakei, Zeleziarne Podbrezová, musste knapp 600 Mitarbeiter entlassen und die Produktion um die Hälfte herunterfahren.
Auch den schwankenden Preisen für Erdöl und -gas ist die Slowakei nun genauso stark ausgesetzt wie die anderen Euro-Mitgliedsländer. Denn bisher konnten steigenden Energiepreisen mit einer Abwertung der slowakischen Krone begegnet werden, um die Auswirkungen für die Verbraucher möglichst gering zu halten. Dieser Vorteil gehört mit der Einführung des Euro ebenfalls der Vergangenheit an.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Trotz allem sind die Slowaken zuversichtlich. Martin Barto, der Direktor der slowakischen Nationalbank, freut sich über die Euro-Einführung: „Der größte Nutzen ist die Disziplinierung unserer Haushaltspolitik. Hätten die slowakischen Regierungen in den vergangenen Jahren nicht den Beitritt zur Euro-Gemeinschaft vor Augen gehabt, wären wir heute in einer ähnlichen Lage wie das hoch verschuldete Ungarn.“
Der Euro in der Slowakei - es bleibt ein Experiment, und bei einem solchen ist der Ausgang immer ungewiss: Geht es der Wirtschaft weiterhin gut, sind alle zufrieden. Stürzt die Konjunktur jedoch wegen des Euros ab, werden sich so schnell kaum weitere Kandidaten finden, die auch in ihrem Land den Euro einführen wollen. Insbesondere das Nachbarland der Slowakei, nämlich Tschechien, wird es sich dann zweimal überlegen, ob es seine Bestrebungen nach einem Beitritt weiter befördern wird. Ohnehin stehen die Tschechen, die turnusgemäß gerade den EU-Ratsvorsitz übernommen haben, der EU ausgesprochen kritisch gegenüber.
(Teaserbild: M. Hermsdorf/pixelio.de)









