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Das Kind liegt im Brunnen

- Unternehmen würden sich hauptsächlich mit jungen Mitarbeitern beschäftigen, heißt es in der Studie (Quelle: Commerzbank AG)
Jochen Ihler, Commerzbank-Regionalvorstand der Mittelstandskunden, wies zu Beginn der Diskussion darauf hin, dass das Gespür für die Arbeitnehmergeneration "50 plus" noch fehle. Auch würden "die mittelständischen Unternehmen sich noch zu wenig Zeit nehmen, die Lage zu analysieren". Die Unternehmer würden sich stärker mit dem Recruiting Jüngerer beschäftigen, als mit "der Pflege" der älteren Mitarbeiter. Obwohl das Thema "Rente mit 67" zur Zeit heiß diskutiert wird, würden sich die Unternehmer damit nicht beschäftigen. Mit den Gründen dafür beschäftigt sich die Studie jedoch nicht.
Der Wandel begann mit Bismarck
Der Bevölkerungswisschenschaftler Prof. Dr. Birg sträubte sich dagegen, dass der Wandel erst jetzt einsetze; "er begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit der Sozialpolitik Bismarcks". Die Wissenschaft sei mit ihrer Weisheit am Ende. Schon seit Jahrzehnten weise man auf den bevorstehenden Wandel hin, nun wisse man nicht mehr, was man noch tun könne, um die Entscheidungsträger zum Handeln zu bringen. Die Botschaft sei scheinbar nicht angekommen, und nun "liegt das Kind im Brunnen".
Auch in der Politik wäre das Thema ausreichend thematisiert worden, klagt Ilse Falk, Mitglied des Deutschen Bundestages, es sei einfach "nicht aufgenommen worden". Allerdings wies sie darauf hin, dass die Umsetzung der "Rente mit 67" erst 2029 vollständig abgeschlossen sei. Dementsprechend bleibe noch viel Zeit, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Falk appelierte da vor allem an die Arbeitnehmer, sich mit einer privaten Vorsorge selbst ein Polster aufzubauen, um gegebenenfalls früher in Rente gehen zu können.
Flexiblere Lösungen gefordert

- J. Hofer, H.-K. Krings, J. Ihler, V. Gäde-Butzlaff, I. Falk, M. Scheiding, Prof. Dr. H. Birg (v.l.n.r.) (Quelle: Commerzbank AG)
Die Vorsitzende der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR), Vera Gäde-Butzlaff, forderte die Politik zu einer flexibleren Handhabung der Rente auf.
Starr zu sagen: "Jeder geht mit 65 oder dann 67 in Rente", wäre falsch. Die BSR suche zum Beispiel nach innerbetrieblichen Lösungen, um vor allem die körperlich arbeitenden Müllwerker und Straßenkehrer früher gehen lassen zu können oder anderweitig zu beschäftigen, wenn diese es wollen. Es wäre unzumutbar, einen über 60jährigen noch Straßen kehren oder Mülltonnen schleppen zu lassen.
Ruf nach Realismus
Gerne hätten sich die Gesprächsteilnehmer auf eine gemeinsame Empfehlung geeinigt, womit den absehbaren Folgen des demographischen Wandels begegnet werden kann. Doch diese kann es nicht geben, weil das Thema viel zu komplex und die einzelnen Interessen viel zu widersprüchlich sind. Professor Birg richtete in ihrem Schlussappell den Blick auf die Zukunft: "Betrachten Sie nicht die Zustände, sondern fragen Sie sich, wohin die Zustände führen werden!" Bei den zu ergreifenden Maßnahmen seien weder Pessimismus noch übertriebener Optimismus gefragt - sondern schlichter Realismus.









