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Der Manager als Schreibtischtäter

- (Foto: Rolf Handke/pixelio.de)
Laut der PwC-Studie betrug der durchschnittliche finanzielle Schaden im Jahr 2009 5,57 Millionen Euro pro betroffenem Unternehmen. 61 Prozent sind in den letzten zwei Jahren Opfer von Wirtschaftsdelikten geworden, die meisten Delikte verzeichnen dabei Unternehmen in den umsatzstarken Versicherungs- und Finanzbranchen.
Was ist Wirtschaftskriminalität?
Dazu zählen sämtliche Delikte, die in einem wirtschaftlichen Rahmen stattfinden. Sie können sich gegen Unternehmen, gegen den Staat und auch Privatpersonen richten. Neben Korruption, Steuerhinterziehung und Geldwäsche zählen vor allem Unterschlagung und Betrug zu den häufigsten Straftaten. Den größten finanziellen Schaden erleiden Unternehmen durch Produktfälschungen, wettbewerbswidrige Absprachen und Verletzungen des Patent- und Markenrechts.
Welche Folgen hat das für die Wirtschaft?

- (Foto: RainerSturm/pixelio.de)
Wirtschaftskriminalität greift ungünstig in den gesamtstaatlichen Wirtschaftskreislauf ein. Sie verzerrt den Wettbewerb und bremst Investitionen, behindert den nationalen Handel sowie die reibungslose Abwicklung der Im- und Exporte. Nur wenige Schäden können "in Mark und Pfennig" beziffert werden. Laut der Studie des PwC mussten im Jahr 2009 betroffene deutsche Großunternehmen durch Wirtschaftsdelikte durchschnittlich 5,85 Millionen Euro Verlust in Kauf nehmen.
Anstieg zu befürchten
Neben großem finanziellen Schaden bleibt auch ein erheblicher Imageverlust, der vor allem börsennotierten Unternehmen schwer zu schaffen macht. Während von den Großunternehmen 2007 noch 35 Prozent negative Auswirkungen von Wirtschaftsdelikten auf Aktienkurse verneinten, sind dies 2009 nur noch sieben Prozent. „Durch die nach wie vor nicht abgeklungene Wirtschaftskrise wird die Wirtschaftskriminalität weiter steigen“, befürchtet Dominik Enste, Verantwortlicher für das Forschungsfeld „Wirtschaftsethik“ beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Die Schadenssumme habe sich in den letzten drei Jahren verdreifacht – erfolgsverwöhnte Manager tendieren so eher zu kriminellen Praktiken.
Die Rolle der EU

- (Foto: rohavideo/pixelio.de)
Grundsätzlich verfügen die Mitgliedsstaaten selbst über das Strafrecht, dadurch sind der EU bei einheitlichen Präventionsmaßnahmen teilweise die Hände gebunden. Die meisten Industriestaaten behandeln Unternehmen bei Wirtschaftsdelikten als Individuen – sie machen sich also einer Straftat schuldig, die zu effektiveren, weil ungleich höheren Geldstrafen führt. Nach deutschem Recht gelten Wirtschaftsdelikte als Ordnungswidrigkeit, die Folge davon sind schlimmstenfalls Geldbußen.
Was die EU dagegen unternimmt
Hohe Verluste und die schwierige gerichtliche Verfolgbarkeit der Täter durch die vielen unterschiedlichen Rechtssysteme behindern eine effiziente Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität. Die EU bemüht sich um Transparenz, indem sie die Mitgliedsstaaten an einen Tisch bringt, gemeinsam Lösungen erarbeitet und so die beste Strategie zu eruieren versucht. „Diese Vermittlung ist ein wichtiger Schritt, da sie einen Diskurs schafft. Ohne Diskurs wird eine Einigung kaum möglich sein“, so Enste.
Instanzen zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität

- (Foto: Meyhome/pixelio.de)
Auf EU-Ebene bemüht sich seit 1999 das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) für die Wahrung der finanziellen Interessen der Europäischen Union. Zu seinen Aufgaben zählt die Bekämpfung von Korruption, Subventionsmissbrauch, Zollbetrug und Steuerhinterziehung auf EU-Ebene.
Weitere Institutionen sind die nichtstaatliche Transparency International (seit 1993) und das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Korruption (UNCAC, seit 2005).
CSR als Alternative
CSR (Corporate Social Responsibility) beschreibt einen Unternehmensansatz, der den Fokus von reinem Profitgewinn auch auf die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen verlagert. Dieser Ansatz rentiert sich langfristig: das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bescheinigt nachhaltigen Aktienindizes keine schlechtere Entwicklung als vergleichbare Nicht-nachhaltige. Der Gex-Index von 106 Unternehmen, die sich mindestens zu 25 Prozent in Familienhand befinden, stieg von 2005 bis 2007 weitaus mehr (104 Prozent) als der Wert der Dax-30-Unternehmen (62 Prozent). CSR stellt also eine Strategie dar, mit der man laut Enste „zwangsläufig durchaus keinen Schiffsbruch erleiden muss“.
[TD]
Links:
PricewaterCoopers
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
Transparency
UNCAC









