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„Deutsch“ hat in der russischen Provinz einen guten Ruf
Die Aussicht auf blühende Geschäfte in einem Markt von gigantischer Größe hat viele deutsche Unternehmen nach Russland gelockt. Aber schnelles Geld ist gerade in der Provinz nicht zu machen. Was Manager vor allem brauchen, ist Geduld. „Der lange Weg“ ist unter deutschen Investoren sprichwörtlich. Während russische Firmen innerhalb weniger Monate ihre Produktionsstätten errichten, kämpfen ausländische oft Jahre mit der Bürokratie. Mal sind es Arbeitsschutzbestimmungen, mal Umweltauflagen, die zu Umbauten oder neuen Planungen zwingen. Natürlich weiß jeder, dass es mit finanziellen Zuwendungen an der richtigen Stelle schneller geht. Aber dieser Weg würde nur in Abhängigkeiten und Erpressbarkeit führen.

- (Foto: siepmannH/pixelio.de)
Eine Firma, die schon länger auf dem russischen Markt agiert, ist die Profine GmbH aus dem rheinischen Troisdorf. In Russland arbeiten 430 Mitarbeiter an zwei Produktionsstandorten und in der Moskauer Verwaltungszentrale. Profine stellt unter anderem Kunststoffprofile für Fenster her. Hans-Willi Neumann ist als Geschäftsführer für Produktion und Technik verantwortlich. Er stellt eine kontinuierliche Verbesserung der Bedingungen für sein Unternehmen fest: "Firmen, die Steuern bringen, werden bevorzugt.“ Gut angesehen ist aber auch, wer sich sozial engagiert, zum Beispiel Kliniken oder Kindergärten mit seinen Produkten versorgt. Das System Putin habe dem Land eine gewisse Ordnung und Stabilität beschert, sagt Neumann. Es gebe weniger Arbeitslose, und der Lebensstandard sei gestiegen. Schon versuchen Firmen in den industriellen Ballungszentren, sich gegenseitig Facharbeiter abspenstig zu machen.
Attraktive Angebote zur Mitarbeiterbindung
Die Profine Russland hat sich dagegen mit attraktiven Angeboten für die Mitarbeiter gewappnet: Für kostensenkende Verbesserungsvorschläge bekommen sie zehn Prozent der Einsparsumme vergütet, auf Wunsch erhalten sie einen zinslosen Konsumkredit und eine bessere ärztliche Betreuung als das staatliche Gesundheitswesen bietet. Die Menschen seien brutal in die Marktwirtschaft geworfen worden, sagt Neumann, "aber Russen jammern nicht, sie handeln“. Das ist es auch, was ihm an Russland so gefällt und warum die Profine GmbH ihr Russland-Engagement nicht bereut hat: Mit 200 Millionen Euro Umsatz ist Russland ein wichtiges Standbein für das Unternehmen, und die Themen Energieeinsparung und CO2-Reduktion spielen eine immer größere Rolle.
„Deutsch“ heißt korrekt

- (Foto: Jerzy Sawluk/pixelio.de)
„Deutsch“ hat in der russischen Provinz einen guten Ruf“, erzählt Hans-Willi Neumann. Es stehe für absolute Korrektheit. Das sei aber nicht als Freifahrschein zu verstehen. In den Empfehlungen, die der Ostausschuss der deutschen Industrie für Russland herausgibt, wird daran erinnert. Die Buchhaltung muss 100-prozentig stimmen, damit man sich gar nicht erst dem Vorwurf der Steuerhinterziehung aussetzen muss - in Russland ist das eine gerne angewandte Einschüchterungsmethode. Ebensowenig unterschätzen sollte man die persönlichen Kontakte. Denn der Draht zum Bürgermeister hat schon manches Mal geholfen, wenn die Auflagenschikanen zu heftig wurden.
[AB]









