Außenwirtschaft in Nöten
Die deutsche Außenwirtschaft stagniert wegen der Folgen der Wirtschaftskrise in den Zielmärkten. Die Lage wird sich in absehbarer Zeit nur zaghaft verbessern. Schuld daran sind der Nachfragerückgang auf den Zielmärkten, erhöhte Zölle der Importländer und strengere Auflagen der Politik. Und Krisenangst herrscht nach wie vor.

- (Foto: pixelio.de)
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte im November 2009 die Ergebnisse der Unternehmensumfrage Going International, die die Lage der deutschen Außenwirtschaft untersucht. 2.300 Exportunternehmen beteiligten sich an der Umfrage; die Ergebnisse sehen alles andere als rosig aus: Obwohl die Wirtschaftskrise als überwunden gilt, zerren ihre Nachwirkungen nach wie vor an den Bilanzen.
Das Ende der Krise?
Viele deutsche Unternehmen befinden sich bereits wieder im Aufschwung und schreiben schwarze Zahlen. Jene aber, die stark von Exporten abhängig sind, blicken trostloseren Zeiten entgegen. Denn auf den Zielmärkten hat sich die Lage noch lange nicht stabilisiert. Obwohl deutsche Unternehmen dank früherer Zeiten wirtschaftlich gut dastehen, sind sie natürlich trotzdem von den Aufträgen der Nachfragenationen abhängig. Und die lassen momentan leider auf sich warten.
Durchhalten statt Rückzug
Dank den Jahren des Wirtschaftsbooms verfügen die Unternehmen über zahlreiche Kontakte und Abnehmer. Dieser Vorteil kann die Exportverluste eindämmen und die Unternehmen in den nächsten Jahren „über Wasser halten“, bis sich die Wirtschaft auch im Ausland wieder erholt hat. Eigene Investitionen werden nur zaghaft oder gar nicht getätigt, lieber werden Zwischenhändler beauftragt, um das Risiko zu minimieren.
Geschrumpfte Zielmärkte

- (Foto: pixelio.de)
Einerseits haben zahlreiche ausländische Abnehmer Konkurs anmelden müssen – da ist jede fehlende Firma ein herber Verlust für deutsche Exportunternehmen. Die überlebenden Betriebe haben ihre Aufträge reduziert oder weichen auf günstigere Rohstoffe und Produkte aus. Das Risiko deutscher Unternehmen, starke und zuverlässige Abnehmer zu finden, ist damit ebenfalls gestiegen – mehr als 75 % der befragten Unternehmen haben mit diesen Problemen zu kämpfen.
Verschärfte Importpolitik
In Krisenzeiten setzt man im Ausland lieber auf die heimische Wirtschaft. Deshalb fördern die Regierungen, soweit möglich, bevorzugt die landeseigenen Anbieter von Rohstoffen. Zusätzlich wird der Import ausländischer Produkte mit hohen Zöllen und strengeren Zulassungsvorschriften belegt. Mehr als 60 % der deutschen Unternehmen sehen sich dadurch mit erschwerten Bedingungen in den Absatzmärkten konfrontiert. In besonders betroffenen Märkten kommen noch instabile politische Verhältnisse und Korruption dazu.
Licht am Ende des Tunnels
Rasche Lösungen sind bei derart vernetzten Marktsituationen schwierig – das erklärt die abwartende Strategie vieler Exportunternehmen. Langfristig können nur liberalere Bestimmungen für sämtliche Märkte Abhilfe schaffen. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre laut DIHK das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea, das die Bestimmungen für Im- und Exporte auf beiden Seiten erheblich erleichtert. Angesichts der wachsenden Nachfrage großer Zukunftsmärkte in Indien, China, Russland und Brasilien ist eine liberalere Handelspolitik durchaus realistisch.
[TD]
