Dienstag, 02. Februar 2010
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World Economic Forum in Davos

Die Warnung vor der Generationenkrise

Globus
(Foto: pixelio.de)

Das World Economic Forum (WEF) wird nicht nach Davos einberufen, um in malerischer Alpenkulisse Entscheidungen von internationaler Tragweite zu treffen. Vielmehr bildet es mit seinen rund 2.500 hochkarätigen Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Finanzwelt ein Diskussionsforum, eine Art Denkfabrik. Hier sollen die Experten auf neue ökonomische Ideen kommen und diese weiterentwickeln; hier soll in die Zukunft gedacht werden. Das Forum will das internationale Führungspersonal sensibilisieren für die Herausforderungen einer komplexen Welt. Mit diesem Ziel blickt das WEF inzwischen auf eine lange Tradition zurück und wurde vom 26. bis 31. Januar 2010 zum 40. Mal veranstaltet.

Weltweite soziale Krise?

Als die Teilnehmer wieder auseinandergingen, blieb ein zwiespältiges Fazit – verbunden mit tiefer Besorgnis. Der jetzt 70 Jahre alte WEF-Gründer und Organisator Klaus Schwab fasste dies in die Worte, er sehe weltweit eine andauernde soziale Krise, die sich zur Generationenkrise wandeln könnte. Erstmals bestehe die Gefahr, dass die Welt den nächsten Generationen geschwächt weitergegeben würde. Noch deutlicher: „Wir sind die erste Generation, die so egoistisch handelt, dass es der nächsten wahrscheinlich schlechter geht“.

Scharfe Worte von Nicolas Sarkozy

Nicolas Sorcozy
(Foto: ec.europa.eu)

Was nach einer rein sozial- und gesellschaftspolitischen Analyse klingt, entpuppt sich als ein zutiefst ökonomisches, finanzpolitisches Problem - und das wurde in Davos überdeutlich herausgearbeitet. Was der Deutsche Klaus Schwab sagte, hatte ein anderer in ähnlichen Worten nachgerade in den Konferenzsaal geschleudert: der französischer Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Er ist nicht bekannt für eine übersteigerte Kapitalismus-Kritik, und er sagte in seiner bemerkenswerten Rede unter anderem: „In der Wirtschaft von heute zählt nur die Gegenwart, und die Zukunft gilt nichts“. Und weiter: „Der absolute Glaube an den Markt und den kurzfristigen Gewinn haben die Demokratie beschädigt“.

Ein Riß zwischen Politik und Finanzwelt?

Mit diesem Auftritt und ähnlichen anderen hat sich im Jahr 2010 die Politik zurückgemeldet und in diesem Wirtschaftsforum einen Strukturwandel eingeleitet. Das hätte zeitweise zu einem Riß zwischen Politik und Wirtschaft auf der einen und der Finanzwelt auf der anderen Seite führen können, was während der vier Tagungsrunden denn auch von manchem internationalen Beobachter befürchtet wurde. Sie nannten die Banken als Beispiel: Diese suchten unerbittlich den engen Schulterschluß, um etwa gegen die Bestrebungen des amerikanischen Präsidenten Obama vorzugehen, riskante Geschäfte und riskante Strukturen der Finanzwirtschaft nachdrücklich zu bekämpfen. Angesichts des „langen Schattens der Krise von 2008“ indessen war die direkte Konfrontation im Diskurs wenig gefragt; und wegen dieser Krise schien es auch, als seien Wirtschafts- und Finanzwelt unterm Strich in die Defensive gedrängt worden.

Banken warnen vor Überregulierung

So klang es aus diesem Teil der Tagungsteilnehmer auch dezenter als früher. Ja, eine Reform des globalen Finanz- und Bankenwesens sei notwendig, aber die Politik dürfe einen erhofften Wirtschaftsaufschwung nicht durch „Überregulierung“ abbremsen. Oder, wie es Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte: Die Banken zu stark zu beschneiden, führe nicht aus der Krise.

Aufschwung und Reformen im Gleichklang

Dominique Strauss-Kahn
IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn (Foto: ec.europa.eu)

Insgesamt gab es in Davos den grundsätzlichen Konsens, dass globale statt nationale Regeln zur Vermeidung künftiger Krisen vonnöten seien. Doch solche „Regelwerke“ müßten mit Vorsicht aufgestellt werden, damit die Märkte funktionsfähig blieben. „Wir sind in der Sorge, dass die staatlichen Konjunkturspritzen zu früh beendet werden“, sagte der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde beispielsweise plädierte für ein Nebeneinander, für einen Gleichschritt. „Wir müssen wieder den Aufschwung fördern und gleichzeitig das notwenige Reformprogramm durchziehen.“

Obamas Sprecher blieb deutlich

Obamas Wirtschaftsberater Lawrence Summers blieb in Davos streng auf dem Kurs seines Präsidenten: Es gebe keine Zweifel, dass ein strenges neues Regelsystem nötig sei, damit das System nicht erneut zusammenbreche. Auch müsse rasch gehandelt werden, wozu auch Beschränkungen für die großen Finanzinstitute gehörten. Diese sollten nicht mehr in der Lage sein, durch unverantwortliches Management einen ganzen Staat in den Abgrund zu reißen. Zugleich könnten und dürften die Staatsdefizite nicht uferlos weiter wachsen.

Klaus Schwab: Nachdenklichkeit ist gefragt

Blick auf das verschneite Davos (Foto: pixelio.de)

Das World Economic Forum 2010 war eines der Zurückhaltung. Es fand in den verschneiten Schweizer Bergen in gedämpfter Atmosphäre statt, im „langen Schatten der Krise“. Sein Begründer, Klaus Schwab, sieht darin keine Nachteile: „Nachdenklichkeit“ sei gefragt in diesen Zeiten. So ähnlich wie schon 1971, als Schwab zunächst das European Management Symposium erstmals einberief. Der 1938 im schwäbischen Ravensburg geborene Wirtschaftswissenschaftler hatte an der ETH Zürich und an der Universität Freiburg studiert. Er wollte ein europäisches Forum schaffen als Antwort auf „die amerikanische Herausforderung“. Aus diesem europäischen entstand das heutige weltweite Forum. Und der Professor für Unternehmenspolitik bleibt unverzagt; er will weitermachen zumindest bis zum 50. Forum in zehn Jahren.   

[KS]