Freitag, 5. März 2010

Von: RM

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Keywords:
Biomasse | erneuerbare Energien | EU | 2020 | EU-Wirtschaftsstrategie | Umweltschutz | Biostrom | Biokraftstoff
Nachhaltigkeit von Biostrom und Biokraftstoffen

Biomasse: Volle Fahrt voraus!

Nachhaltigkeitszertifizierung von Biostrom und Biokraftstoffen
EU-Aktionsplan zur Energieeffizienz (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)

Bis 2020  soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch in der Europäischen Union 20 % betragen -  so das ambitionierte Ziel der EU. Die europäische Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen vom April 2009 verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten zur Vorlage von nationalen Aktionsplänen bis Ende Juni 2010. Langsam kommt damit auch die Nachhaltigkeitszertifizierung von Biomasse in Fahrt. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat im Zusammenhang damit bereits einen neuen Leitfaden zur Nachhaltigen Biomasseherstellung veröffentlicht. Der Bioraps gesellt sich nun neben den Windrädern wohl auf Dauer in das nachhaltige Energie-Landschaftsbild.

EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie

Die Richtlinie über die Nutzung erneuerbarer Energiequellen (Richtlinie 2009/28/EG) legt fest, dass in Zukunft nur noch nachhaltig erzeugte Biomasse zur Strom- und Kraftstofferzeugung genutzt werden darf. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Umsetzung der entsprechenden europäischen Rechtsvorschriften mittels zweier innerstaatlicher Verordnungen bereits 2009 begonnen. Ab Juli 2010 sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union nun verpflichtet, nachzuweisen, dass durch den Einsatz von Biomasse zur Energiegewinnung keine ökologisch wertvollen Flächen zerstört werden und den Auflagen bezüglich der Treibhausgas-Emission entsprechen. Die gute Nachricht für Mensch und Umwelt lautet somit: Die Produktion von Biokraftstoffen und „grünem Strom“ wird nun wirklich aus nachhaltigem Anbau kommen.

Energiemix in der EU

Bereits heute beläuft sich die CO2-freie Stromerzeugung in Europa auf rund 46 Prozent. Einen bedeutenden Teil nimmt allerdings die gefährliche Kernkraft (31%) ein. Wind, Biomasse und andere erneuerbare Energien haben nur einen Anteil von 6 Prozent an dem europäischen Energiemix in der Stromerzeugung.

Ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien bis 2020

Ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien bis 2020
Kernstück der Strategie: Erneuerbare Energien (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)

Gerade im Bereich der Stromerzeugung muss der Anteil der Energie aus erneuerbaren Quellen bedeutend ansteigen: von 15,5 Prozent im Jahr 2007 auf etwa 34 Prozent im Zieljahr 2020. Ab 2011 werden von allen 27 Mitgliedsstaaten zweijährlich Berichte zu den Fortschritten in der Förderung und Nutzung von alternativen Energien vorzulegen sein. 

Die Biomasse: ein dynamischer Markt

Die Biomasse stellte sich in den letzten Jahren als ein bedeutender und dynamisch wachsender Markt im Energiesektor heraus. Vor allem in den Benelux-Staaten, sowie Großbritannien, Italien und Dänemark konnte ein Trend zur immer stärkeren Nutzung dieser Energiequelle beobachtet werden. Die Mitverbrennung von Biomasse scheint sich also europaweit bewährt zu haben. Die EU stellte sich daher als Ziel, die Stromerzeugung durch Biomasse in der Periode von 2007 bis 2020 mehr als zu verdreifachen. Im Endjahr soll diese Art der Stromerzeugung rund 330 Milliarden Kilowattstunden am Gesamtanteil beitragen.

Pro und contra

Biomasse: ein dynamischer Markt
Biomasse aus Raps (Foto: Thomas Maciejewski/pixelio.de)

Der wesentliche Vorteil der Mitverbrennung von Biomasse ist die CO2-freie Stromerzeugung. Darüber hinaus kann die Biomasse in bereits bestehenden Anlagen wie Kraft- und Heizkraftwerken genutzt werden, was die – beispielsweise bei anderen alternativen Energiequellen wie etwa Windkraftanlagen – notwendigen und zugleich hohen Investitionskosten deutlich vermindert. Die Produktion von Biomasse-Pellets (unter Druck zusammengepresstes Brennmaterial) hat daher massiv zugenommen und verbucht weiterhin einen Wachstumstrend. Nachteilig wirkt sich auch hier aber die Konkurrenz zur Wärmeerzeugung und Treibstoffherstellung aus.

Bericht der Kommission: Nachhaltigkeitskriterien und –strategien

Im Februar 2010 veröffentlichte die Europäische Kommission nun einen Bericht zu den Nachhaltigkeitsanforderungen an die Nutzung fester und gasförmiger Biomasse bei der Stromerzeugung, Heizung sowie Kühlung. Im Bericht wurden Empfehlungen zu Nachhaltigkeitsstrategien und –kriterien für das einwandfreie Funktionieren der Biomasse-Binnenmärkte in den Mitgliedstaaten formuliert. In Deutschland fasst der „Leitfaden Nachhaltige Biomasseherstellung“ des BLE alle wichtigen Regelungen für Biomassehersteller, Händler und Anlagenbetreiber zusammen.

Günther Oettinger: „Umweltfreundliche, sichere und wettbewerbsfähige Energiequelle“

Energie-Kommissar Günther Öttinger (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)

Der für Energie zuständige deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger fasste die Frage nach Nutzung von Biomasse wie folgt zusammen: „Biomasse ist eine der wichtigsten Ressourcen, um unsere Ziele im Bereich der erneuerbaren Energien erreichen zu können. Sie deckt bereits mehr als die Hälfte des Verbrauchs von erneuerbarer Energie in der EU und ist eine umweltfreundliche, sichere und wettbewerbsfähige Energiequelle.“ Die Zukunft wird zeigen, ob Raps und Sonnenblume sich zu heimischen Energiepflanzen entwickeln werden.

[RM]