Dienstag, 13. April 2010
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EIB | Europäische Investitionsbank | Griechenland | Kollatz-Ahnen | Matthias Kollatz-Ahnen | Kredit
„Langweiligste“ Bank am erfolgreichsten in der EU

EIB-Kreditvergabe in Rekordhöhe!

Kaum einer kennt die „Europäische Investitionsbank“ (EIB). Und doch hält das Institut mit Krediten in Milliardenhöhe viele Mitgliedsländer auf modernem Kurs. European Circle-Korrespondent Peter Brinkmann war dabei, als Vize-Präsident Dr. Matthias Kollatz-Ahnen am 25. März in Berlin über die Arbeit der EIB in 2010 sprach.
Matthias Kollatz-Ahnen "EIB"
Vize-Präsident Dr. Matthias Kollatz-Ahnen über die Arbeit der EIB 2010 (Foto: eib.org)

Wenn irgendwo in den EU Ländern eine neue Straße gebaut wird – die EIB ist dabei. Oder wenn eine Oper saniert, ein Wasserkraftwerk modernisiert und eine Kläranklage neu gebaut werden soll: Die EIB ist immer dabei. Der Aufbau in Europa geht nicht ohne die EIB. Und so stieg das Kreditvolumen seit der Gründung 1958 von Jahr zu Jahr an. 2009 erreichte es den Rekord von 79 Milliarden Euro! Im Jahr davor waren es nur 58 Milliarden Euro. Vize-Präsident Dr. Matthias Kollatz-Ahnen sagte daher nicht ohne Stolz: „Damit hat die Bank bei ihrer finanziellen Unterstützung der europäischen Wirtschaft einen neuen Meilenstein gesetzt.“ Dabei sind es nicht die großen Unternehmen in Europa, die Geld bekommen, sondern vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): Also Handwerksbetriebe, Zuliefererfirmen und Tüftler mit einer guten Geschäftsidee. Sie alle profitieren von der Idee der EIB. Als die Bank vor 49 Jahren gegründet wurde, war der Grundzweck klar definiert: Hilfe beim Aufbau in den EU-Staaten, den „alten“ wie den Neuen.

Klare Zielsetzung

Wer in den neuen EU-Staaten Urlaub macht, mag sich manchmal wundern, wie schnell die Modernisierung von Straßen und Schulen, Krankenhäusern und Betrieben vorangeht. "Schuld" daran ist die EIB! Vize Dr. Kollatz-Ahnen: „Neu ist jetzt, dass wir ganz besonders auch den Energiesektor vor dem Hintergrund des Klimawandels in unsere Kreditvergabe mit einbeziehen.“ Allein für Energiesparmaßnahmen jeder Art wurden 2009 EU-weit Darlehen über 17 Milliarden Euro bereitgestellt.
Die damit finanzierten Projekte dienen vor allem der Reduzierung der CO2-Emissionen und betreffen u. a. die Bereiche 

  • erneuerbare Energie (4,2 Mrd. EUR), 
  • Energieeffizienz (1,5 Mrd. EUR), 
  • Forschung und Entwicklung für einen umweltfreundlicheren Verkehr (4,7 Mrd. EUR)
  • und städtischer Nahverkehr (5,5 Mrd. EUR).

Nichts geht ohne die EIB

Auto-Industrie
Mit 1,9 Milliarden Euro wurden die europäischen Autobauer ausgestattet (Foto: pixelio.de)

Und natürlich erhielt das Anti-Krisenprogramm der EU-Länder 2009 viele Milliarden Euro. So rangierte die Auto-Industrie ganz oben auf der Empfängerliste. Mit rund 1,9 Milliarden wurden die europäischen Autobauer ausgestattet, um ihre Forschungen auf dem Gebiet der schadstoffarmen Motoren schneller voranzutreiben. Das Programm dafür heißt „ECTF = European Clean Transport Facility“. Im Rahmen des Krisenprogramms rangierte die Finanzierung der Transportinfrastruktur wie Häfen, Flughäfen, Autobahnen) ebenfalls ganz oben. So ist die EIB auch am Berliner Flughafenprojekt BBI („Willy-Brandt Flughafen“, Eröffnung November 2011) engagiert.  

Eine Erfolgsgeschichte

2009 stellte die EIB über zwischengeschalteten Banken insgesamt 13 Milliarden Euro speziell für kleine und mittelständische Unternehmen zur Verfügung - und damit 55% mehr Geld als im Jahr zuvor. Von den 2008 und 2009 unterzeichneten Darlehen über 21 Milliarden Euro waren bis Ende 2009 mehr als 75% (16 Milliarden Euro) über zwischengeschaltete Banken ausgeschöpft, die davon lediglich 90% in Form von Krediten an die Zielgruppe (2009 mehr als 50 000 KMU in ganz Europa) weitergeleitet hatten. 

Unser Geld in alle Welt

In Regionen mit einem erheblichen Umbau – und Modernisierungsbedarf (im Amtsdeutsch heißen diese Gebiete „Konvergenzregionen“) hat die Bank 29 Milliarden Euro (ein Anstieg um 36% gegenüber den 2008 erreichten 21 Milliarden Euro) bereitgestellt; dies sind 37% der gesamten Darlehensvergabe der Bank im Jahr 2009. Dabei flossen die Milliarden gleichmäßig in alle Himmelsrichtungen in der EU. Auf die neuen EU-Mitglieder entfielen aber allein 13 Milliarden Euro. Deutschland erhielt knapp neun Milliarden Euro. Zwar entfiel der Löwenanteil der von der EIB 2009 vergebenen Darlehen auf die EU-Mitgliedsländer (89% oder mehr als 70 Mrd. EUR), jedoch hat die Bank auch Ländern außerhalb der Europäischen Union umfangreiche finanzielle Unterstützung geleistet. So flossen viele Millionen in nahezu alle afrikanischen Länder. Schwerpunkte waren hier Energiesparmaßnahmen und der Aufbau von Straßen, Häfen und Flughäfen:

  • Namibia bekam einen Zuschuss von 82,3 Millionen Euro zum Bau einer Zementfabrik;
  • Mosambik 65 Millionen Euro für den Ausbau der Bahn.
  • Kenias Hauptstadt-Flughafen in Nairobi wurde mir EIB-Geldern modernisiert, 
  • die Autobahn um Rabat in Marokko ist ebenfalls mit EU Geldern gebaut worden.
  • Ägypten verfügt nun über einen Windenergie Park südlich von Kairo, dessen Errichtung mit 50 Millionen Euro gefördert wurde. 
  • In allen afrikanischen Ländern flossen ebenfalls Millionen in die Wasserversorgung.

Fehlendes sauberes Trinkwasser ist das größte Problem in den Ländern der 3. Welt. Hier wird vorrangig geholfen. 

Und woher kommt das ganze Geld?

EIB, bester Ruf
Weil die Bank mit ihren Millionen nicht spekulieren darf, hat sie den allerallerbesten Ruf (Foto: pixelio.de)

Und in den ehemaligen Republiken von Jugoslawien ist die EU ganz vorrangig dabei, um diese Länder auf EU Niveau zu heben. Kroatien erhielt 415 Millionen; Montenegro 111 Millionen an Krediten. Woher aber kommt das ganze Geld? Entgegen landläufiger Erwartungen sind es nicht etwa "unsere" Steuergelder, die da wie aus einem Füllhorn in die ganze Welt geschüttet werden. Vielmehr leiht sich die EIB das Geld bei ganz normalen Banken oder nimmt es wie jede andere Bank auch am Kapitalmarkt auf. Weil die Bank mit ihren Millionen nicht spekulieren darf, hat sie den allerallerbesten Ruf - sehr im Gegensatz zu den zwielichtigen Geschäftsgebaren "normaler" Geschäftsbanken. 

Es gibt sie doch, die "gute Bank"

Die Europäische Investitionsbank kennt keine Bankschalter, und keiner kann ein Konto bei der EIB eröffnen. Der betrügerische Handel mit Geld, besser gesagt: das verantwortungslose Spekulieren ist in den Statuten strikt untersagt! Die EIB ist daher grundsolide, bombenfest und sicher - und "langweilig" für den smarten jungen Investmentbanker, der bei seinen Geschäften zuallererst an seinen eigenen Bonus denkt. Weil man sich auf diese Bank verlassen kann, zahlt die EIB etwas weniger Zinsen als der „normale“ Kapitalnehmer. Dieser Unterschied ist jedoch gewaltig! Er verbilligt das Darlehen für den Endabnehmer ganz entscheidend. Denn einen Risikoaufschlag, wie er bei Geschäften mit unsicheren Kreditnehmern üblich ist, gibt es nicht. Auch das verbilligt das Geld weiter für den Endkunden. „Aber“, so Vize Dr. Kollatz-Ahnen, „wir finanzieren nicht alles. Wir geben nur Geld für sogenannte Programmfelder. Diese Programme – oder auch Prioritätenfelder - werden von den jeweiligen Mitgliedstaaten definiert. Jedes Projekt wird einzeln geprüft. Der große Unterschied zu allen anderen Banken ist aber, dass wir nicht am Profit orientiert sind.“

[PB]

Infos zur EIB:

Die Europäische Investitionsbank, die EU-Institution für langfristige Finanzierungen, wurde 1958 durch den Vertrag von Rom gegründet. Sitz ist in Luxemburg im „Boulevard Konrad Adenauer“. Eigentümer = Gesellschafter sind die 27 Mitgliedsstaaten der EU. Das Kapital der Bank liegt bei 232 Mrd. Euro. Hauptaufgabe der Bank ist es, zur Integration, zur ausgewogenen Entwicklung und zum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der Mitgliedstaaten der EU beizutragen. Neben der Unterstützung von Projekten in den Mitgliedstaaten finanziert die Bank auch Investitionsvorhaben in künftigen Mitgliedstaaten und in Partnerländern der EU. Die EIB finanzierte in 2009 Projekte in 150 Ländern. www.eib.org