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Der Euro bekommt Zuwachs

- Der Eurotower in Frankfurt, Sitz der Europäischen Zentralbank (Foto: pixelio.de/SarahC.)
Die Entwicklung Estlands nahm nach der Befreiung aus den Fängen der Sowjetunion einen rasanten Lauf. Nach vielen Jahren der Modernisierung und des wirtschaftlichen Aufstiegs traf die Finanzmarktkrise 2008 den kleinen osteuropäischen Staat mit voller Wucht. Die estnische Krone wurde bereits unmittelbar nach der Unabhängigkeit 1991 fest an den Kurs der D-Mark gekoppelt. Als die EU in ihrer Osterweiterungsrunde die baltischen Staaten aufnahm, trat Estland dem Wechselkursmechanismus II bei. Das Abkommen sieht eine maximale Schwankungsbreite europäischer Währungen zum Euro vor.
Esten begrüßen die Euro-Einführung mehrheitlich
Damit setzte sich Estland teilweise erheblichen Preissteigerungsraten aus, die aber auch dem hohen Wirtschaftswachstum geschuldet waren. Die Einführung des Euro zog in allen Ländern eine reale oder zumindest gefühlte Preissteigerung nach sich, die auch hierzulande unter dem Begriff “Teuro” debattiert wurde. Die Esten wähnen sich nun also am Ziel ihrer Anstrengungen und freuen sich mehrheitlich auf die Einführung des Bargelds. Gut 60 Prozent der Bevölkerung begrüßen den Währungswechsel, ungeachtet immer neuer Negativmeldungen über die europäische Währung.
Euro soll Estland Sicherheit geben
Doch was treibt die Esten unbeirrt zur europäischen Gemeinschaftswährung, obwohl diese vor gewaltigen Schwierigkeiten steht? Wichtigster Aspekt ist wohl die damit verbundene Sicherheit. Als Euro-Land wird Estland in den inneren Zirkel der EU aufgenommen und befriedigt damit sein ureigenstes Sicherheitsinteresse. Die Vorbehalte gegenüber Russland sind noch immer groß und selbst 20 Jahre nach Auflösung der Sowjetunion gibt es noch kleine Grenzstreitigkeiten. Aber auch ökonomische Gründe spielen für Estland eine entscheidende Rolle.
Zweifel über den Zeitpunkt
So beurteilte der estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves kürzlich, dass der wirtschaftliche Einbruch von 15 Prozent im vergangenen Jahr schwächer ausgefallen wäre, wenn der Euro bereits estnisches Zahlungsmittel gewesen wäre. EU-Stimmen zweifeln indes nicht an der Beitrittsfähigkeit Estlands zum Euro-Raum – kritisiert wird lediglich der Zeitpunkt. Eine Arbeitslosenrate von 18 Prozent und eine Inflationsrate, die im November 2010 bei über fünf Prozent lag, sind nicht gerade die besten Empfehlungen. Auch die eventuelle Beteiligung der baltischen Republik an dem Euro-Rettungsschirm kann den Haushalt zusätzlich belasten.
Euro schon heute allgegenwärtig
Ungeachtet dessen ist der Euro in vielen Sektoren Estlands bereits schon heute Realität. So werden beispielsweise die meisten Bankkredite seit längerem in Euro aufgenommen, um den Launen der Finanzmärkte zu entgehen. Auch Mieten und in der Zukunft fällige Zahlungen gibt man häufig in Euro an, um diese dann zum tagesaktuellen Kurs in estnischen Kronen zu begleichen. Bereits seit dem 1. Dezember können die neuen estnischen Sätze Münzgeld zum Preis von 200 Kronen erworben werden. Dafür erhält man dann 12,80 Euro. Maximal fünf Sätze werden pro Person ausgegeben. Außerdem steht die Verbreitung der estnischen Münzen vor dem 1. Januar 2011 in anderen Ländern unter Strafe.
Künftig zahlen 330 Millionen Bürger mit dem Euro
Der Kreis der Euro-Länder wird damit ab dem 1. Januar 2011 von 16 auf 17 anwachsen. Dann werden die Münzen, auf dessen Kopfseiten der estnische Landesumriss abgebildet ist, sich unter die vielen anderen Motive der europäischen Einheitswährung mischen. Insgesamt 330 Millionen Bürger zahlen dann mit dem Euro. Bei aller Freude, die im Land herrscht, ist man sich einig, dass andere Münzmotive europäischer Staaten aussagekräftiger sind. Gut, dass die Euroscheine einheitlich gestaltet wurden.
[STB]









