Dienstag, 18. Januar 2011

Von: RED

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Keywords:
Michael Sandrock | TelematicsPRO | Handyparken | Mobile Ticketing | Mobile Payment
Tagung zur Zukunft des bargeldlosen Bezahlens

“Parkscheinautomaten wird es immer geben”

Ob beim Parken oder beim Kauf eines Tickets für die U-Bahn – mobile Bezahlsysteme, also Bezahlen mit dem Handy, bieten in immer mehr Städten eine bequeme Alternative zu Bargeld. Am 2. Dezember fand in Berlin deshalb eine Tagung unter dem Motto “Mobiles Ticketing und neue Bezahlsysteme” statt. European Circle sprach mit Michael Sandrock, Vorsitzender von TelematicsPRO, der deutschen Telematikgesellschaft.
Michael Sandrock
Michael Sandrock, Vorsitzender von TelematicsPRO, der deutschen Telematikgesellschaft (Foto: a.schramm)

European Circle: Ziehen Sie eigentlich noch Parkscheine?

Sandrock: Nein, das brauche ich nicht. Das Handyparken ist viel leichter und angenehmer. Es ist auch für die Städte ungemein kostengünstiger als das normale Verfahren. Es hat also eine ganze Reihe von Vorteilen und ist nicht nur ein Bequemlichkeitsfaktor.

European Circle: Nutzerverhalten ist auch ein großes Thema bei der Tagung. Wie wird das Handyparken angenommen?

Sandrock: In Köln besser als in Berlin. In Köln wurden letztes Jahr 200.000 Parkvorgänge mit dem Handy getätigt, das ist in Berlin nicht ganz erreicht worden. In Skandinavien sehen die Zahlen wesentlich besser aus, die Skandinavier sind quasi von Natur aus auf elektronisches Bezahlen ausgerichtet, das hat viele Ursachen.

European Circle: Ein Grund, warum es nicht so viele Nutzer gibt, ist die fehlende Bekanntheit.

Sandrock: Das ist die Tragödie, die Betreiber wollten ja viel Geld damit verdienen. Es fehlen die werblichen Mittel. Dabei ist das Verfahren sehr leicht.

European Circle: Wie funktioniert das bargeldlose Bezahlen eigentlich?

Sandrock: Sie lassen sich registrieren – das ist wichtig, damit am Ende des Monats über das Lastschriftverfahren der Betrag abgebucht und dann der Gemeinde oder Stadt zugeführt werden kann. Das ist auch eine Frage der Sicherheit. Beim Parken ruft man dann eine Nummer an, nennt die Parkzone und wenn man wieder fährt, ruft man noch einmal an. Damit die Leute vom Ordnungsamt wissen, dass sie fürs Parken auch zahlen, kriegen sie eine Plakette, die sie dann auf Ihre Fensterscheibe kleben. Das Ordnungsamt weiß dann über einen “Gateway”, ob der Autofahrer das Parken gemeldet hat oder nicht.

European Circle: Und ich kann das mit jedem Handy machen?

Sandrock: Ja, Sie brauchen kein besonders schickes Gerät. Es funktioniert mit jedem Handy.

European Circle: Thema Datenschutz – muss ich Sorge haben, dass jeder weiß, wo ich wann geparkt habe?

Sandrock: Beim Mobile Payment steht Datenschutz mit an erster Stelle. Alle zertifizierten Betreiber müssen eine Datenschutzerklärung vorlegen.

European Circle: E-Ticketing ist auch spannend für den öffentlichen Nahverkehr. Wie weit ist die Entwicklung in diesem Bereich?

Sandrock: Das ist letzten Monat nach zweijährigem Pilotversuch in 16 Städten in Betrieb gegangen. Die Akzeptanz ist groß. Wir haben auch neue Anbindungen an die Verkehrstechnologie – in Ulm laufen zum Beispiel zurzeit erfolgreiche Versuche mit Mietwagen, die man an jeder Straßenecke mieten kann, wenn man registriert ist.

European Circle: In welchen Bereichen außer dem Verkehr sehen sie noch Erfolgspotenzial des Mobile Payment?

Sandrock: In anderen Bereichen sind wir weniger erfolgreich, da die Konkurrenz sehr groß ist – es gibt Kreditkarten und andere Chipkarten. Potenzial sehe ich also eher im Verkehrsbereich.

European Circle: Heißt das, dass wir irgendwann keine Automaten mehr in der Stadt haben werden?

Sandrock: Nein, denn das Grundgesetz sieht vor, dass Bezahlvorgänge mit Bargeld funktionieren. Die Formen des Mobile Payment sind Vertragsgelder, man kann einen Vertrag eingehen oder man lässt es. Es muss immer eine Möglichkeit des Bezahlens mit Bargeld geben.