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Rückenwind für den Euro

- Die Nachfrage nach der ersten Anleihe des Euro-Rettungsfonds ist groß (Foto: pixelio.de/SarahC.)
Der europäische Rettungsschirm beschafft bei Investoren – Banken, Zentralbanken, Versicherungen, Hedge Fonds und Pensionsfonds – die Milliarden, mit denen die Länder der Euro-Zone Mitgliedern der Währungsunion in Finanznöten beistehen. Im konkreten Fall ging es um eine erste Tranche der Hilfe für das angeschlagene Euro-Mitglied Irland. An dem vereinbarten Irland-Hilfspaket von 86 Milliarden Euro sind neben dem Internationalen Währungsfonds die EU-Kommission mit 22,5 Milliarden Euro und der Euro-Rettungsschirm mit 17,7 Milliarden Euro beteiligt. Die Anleihe des Rettungsschirms kam an den Märkten vor allem deswegen so gut an, weil sie von den drei führenden Ratingagenturen mit der bestmöglichen Note “AAA” ausgezeichnet wurde. Der Grund dafür: Hinter der Anleihe standen auch Deutschland und Frankreich sowie andere Euro-Mitglieder mit unzweifelhafter Bonität.
“Überwältigender Vertrauensbeweis für die Euro-Zone”
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von einem “überwältigenden Vertrauensbeweis für die Euro-Zone”, die Zeitung Die Welt schrieb von einem “Ansturm auf Euro-Anleihe”, für die Frankfurter Allgemeine Zeitung war es ein “glänzendes Anleihedebüt”. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle kommentierte, “dass das Vertrauen in die europäische Handlungsfähigkeit ganz offensichtlich da ist”. Allerdings fügte das Handelsblatt hinzu, “dass die Anleger damit die erste Hürde für einen Euro-Bond aus dem Weg geräumt haben”.
500 Investoren boten 44,5 Milliarden Euro
Mit der Anleihe über fünf Milliarden Euro, emittiert von der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), ist die Euro-Zone erstmals gemeinsam und als Einheit am Kapitalmarkt aufgetreten. Bereits nach 15 Minuten wurde das Orderbuch wegen der überwältigenden Nachfrage geschlossen. Die große und durchweg positive Resonanz der Investoren war nach dem Streit und Gezerre der letzten Wochen und Monate über die Fortentwicklung des Rettungsschirms für überschuldete Mitgliedsländer der Währungszone so nicht erwartet worden. Die Kaufanträge von mehr als 500 Investoren beliefen sich auf insgesamt 44,5 Milliarden Euro und waren damit fast neunmal höher als das Angebot von fünf Milliarden Euro.
Zinsaufschlag lockte Anleger
Der Chef des Rettungsfonds, Klaus Regling, staunte, das sei wohl die größte Nachfrage, die es jemals für eine einzelne Anleihe gegeben habe. Für Regling ist damit klar: “Das große Vertrauen der Investoren und das heutige Ergebnis zeigen, dass all jene falsch liegen, die gesagt haben, dass der Euro in fünf Jahren nicht mehr existiert.” Allerdings lag die überwältigende Nachfrage nach den Euro-Papieren auch daran, dass Zinsen von 2,89 Prozent geboten wurden – im Vergleich zu 2,3 Prozent für Anleihen der Bundesrepublik Deutschland. Das heißt: Es gibt für vergleichbare Sicherheit einen Zinsaufschlag von einem halben Prozent; das mochten die Anleger sich nicht entgehen lassen.
Fast 40 Prozent der Emission ging nach Asien
Die Nachfrage kam nicht nur aus Europa, sondern sehr stark auch aus Asien und Südamerika. Allein japanische Anleger haben rund eine Milliarde Euro in das Euro-Papier investiert und sich damit 20 Prozent der Anleihe gesichert. Insgesamt wurden 37 Prozent der Papiere in Asien platziert. Bond-Händler und Analysten von Banken hatten mit einer höheren Risikoprämie für das Euro-Papier gerechnet. Der Grund: Die Haftung im Rettungsfonds ist mit einem Garantieschlüssel begrenzt worden; zum Beispiel Deutschland garantiert nur für 28,4 Prozent der EFSF-Schulden.
Weitere Emissionen von Euro-Anleihen geplant
Der Euro-Rettungsschirm kommt mit den jetzt aufgenommenen fünf Milliarden Euro nicht aus, sondern plant für die Finanzierung seines Teils an der Hilfsaktion für Irland weitere Kapitalaufnahmen von 16,5 Milliarden Euro in diesem Jahr und zehn Milliarden Euro im nächsten Jahr. Der Rettungsschirm nimmt über den Verkauf von Anleihen wesentlich mehr Geld auf als er für die Irland-Hilfe benötigt. Der Grund: Um in den Genuss der höchsten Bonitätsnote der Rating-Agenturen und damit eines niedrigen Zinssatzes zu kommen, sind Überdeckungen in Form von Barreserven und Garantien der Euro-Länder erforderlich.
Brüderle: Das Volumen des Rettungsschirms reicht

- Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hält den derzeitigen Umfang des Euro-Rettungsschirms für ausreichend (Foto: BMWi)
Die geforderte Überdeckung bewirkt, dass von den insgesamt für den Fonds beschlossenen 440 Milliarden Euro im Ernstfall lediglich rund 260 Milliarden Euro für Hilfsaktionen zur Verfügung stehen, was der Grund dafür ist, dass derzeit über eine Ausweitung des Fonds diskutiert wird.
Die Bundesregierung lehnt das ab. So erklärte Bundeswirtschaftsminister Brüderle mit Blick auf die erfolgreich platzierte Anleihe: “Das bestärkt mich in der Einschätzung, dass das Volumen, das im Rettungsschirm vorgesehen ist, hinreichend ist.” Allerdings dürften sich auch die Befürworter von Eurobonds durch die erfolgreiche Emission bestätigt sehen. Händler sprachen bereits von einem Probelauf für den Eurobond.
Vertrauensbeweis stützt den Euro
Der Vertrauensbeweis stützte den Euro, der bereits vorher im Vergleich zum Dollar an Wert gewonnen hatte. Zwei Wochen vor der Emission notierte der Euro noch bei 1,29 Dollar, am Tag nach der Emission bei annähernd 1,37 Dollar. Vor allem wegen der Griechenland-Krise hatte der Euro im Sommer 2010 stark an Wert verloren und war bis auf nur noch 1,19 Dollar abgesackt. Doch Anleger, die noch bis vor wenigen Wochen gegen den Euro spekuliert hatten, haben einen Meinungswandel vollzogen. Die Euro-Schuldenkrise hat sich entspannt, was sich auch darin ausdrückt, dass es Staaten wie Portugal und Spanien gelungen ist, sich zuletzt zu deutlich erträglicheren Konditionen an den Anleihemärkten zu refinanzieren als ein paar Monate zuvor.
Euro-Stärke ist Dollar-Schwäche
Allerdings ist die Schuldenkrise nur entspannt und nicht wirklich überwunden. Insofern reflektiert die gegenwärtige Stärke des Euros vor allem die Schwäche des Dollars. An den Kapitalmärkten wird über die wirtschaftliche Erholung in Europa und insbesondere über den Boom im Euro-Land Deutschland ebenso diskutiert wie über die anhaltende Formkrise der amerikanischen Wirtschaft. Auch verstärkt sich die Annahme, dass die Europäer ihre Währung mit allen Mitteln verteidigen werden und dabei auch um den Preis einer Transferunion, in der die wirtschaftlich starken Länder die schwächeren Mitglieder der Währungszone dauerhaft unterstützen. Das ist allerdings genau das, was die Bundesregierung zu verhindern trachtet.
[ZAW]









