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Welcome to Wall-Straße

- Die Deutsche Börse in Frankfurt (Foto: commons.wikimedia.org / Dontworry, CC by-sa 3.0)
Bisher war die “New York Stock Exchange” (NYSE) stolze Bühne für Aktiengesellschaften, die auf dem wichtigsten Handelsplatz der Welt präsent sein wollten. Mit Inbrunst wurden auf der Empore Hochzeiten zwischen Unternehmen und der Wall Street mittels Glockenschlag gefeiert. Dieses Mal wird der Traualtar selbst vermählt und trifft damit ins Mark des amerikanischen Nationalgefühls. Als Newsticker die Übernahme der New Yorker Börse durch die Deutsche Börse AG vermeldeten, trauten viele ihren Augen nicht. Der Handelsplatz Frankfurt war schon lange auf Brautschau und musste immer wieder Rückschläge hinnehmen, etwa mit der Londoner Börse, die sie vergeblich zu übernehmen versucht hatte.
Konzentration der Weltbörsen
Die Börsenhandelsplätze sind Teil der freien Wirtschaft, auch wenn sie staatlich streng beaufsichtigt werden. Alternative Handelsplattformen setzen die großen Börsen unter Druck und zwingen sie so, verlorene Marktanteile durch Fusionen untereinander wettzumachen. Was in der Theorie logisch klingt, ist in der Praxis kompliziert. Obwohl sich alle Beteiligten der Frankfurter Börse und der NYSE über die Notwendigkeit einer Konzentration auf dem Markt einig sind, geht das Geschacher um Posten, Namen und Kontrollgremien bereits jetzt in die heiße Phase.
DB NYSE Group?
Einig sind sich beide Börsen hierin: Der neue Hauptsitz soll in den Niederlanden aufgeschlagen werden. Anders sieht es bei dem neuzuformulierenden Namen aus. Die Amerikaner pochen auf das alte Kürzel NYSE, mit dem auch der Name beginnen müsse, die Deutschen bringen eine “DB NYSE Group” ins Gespräch. Sie werden mit 60 Prozent der Anteile als Seniorpartner agieren können. Trotzdem werden große Zugeständnisse an die Amerikaner gemacht, weil sonst das ganze Vorhaben scheitern könnte. So verfügen die Deutschen zwar über 10 der 17 Posten im Verwaltungsrat - die Geschäftsführung soll aber in den Händen der Amerikaner liegen.
Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen
Kritiker warnen indes vor dieser Vorgehensweise. Die NYSE fusionierte einst mit der europäischen Handelsplattform Euronext. Was als Fusion unter gleichen Partnern begann, endete faktisch in der Übernahme von Euronext durch die NYSE. Der Posten von Duncan Niederauer, der von amerikanischer Seite der erste Konzernchef werden wird, deutet genau auf diese Gefahr hin. Deutsche Börse Chef Reto Francioni sprach dagegen von einer Win-win-Situation für beide Unternehmen. Die Übernahme ist unterdessen noch lange nicht spruchreif: Die Aufsichtsbehörden diesseits und jenseits des Atlantiks müssen den Fusionsplänen noch zustimmen.
Zustimmung Ende Dezember erwartet

- Börse New York Stock Exchange (Foto: commons.wikimedia.org / Arnoldius, CC by-sa 3.0)
Die hessische Aufsichtsbehörde hat bereits angekündigt, dass sie die Pläne akribisch prüfen wolle. Sie prüft aber nicht allein: Auch die EU-Wettbewerbsbehörde muss den Plänen zustimmen. Da möchte der hessische Wirtschaftsminister natürlich vermeiden, dass er seine Zustimmung eventuellen Bedenken Brüssels nachträglich anpassen muss. Daher könnte sich die Fusion der beiden Börsen noch erheblich verzögern und bis Dezember andauern, denn die EU‑Wettbewerbsbehörde wird für die Prüfung sechs Monate benötigen. Noch sind jedoch nicht einmal die Anträge beider Börsen eingegangen. Es wird also noch viel Zeit vergehen, bis der Zusammenschluss vollendet ist.
Weltbörsen suchen Fusionspartner
Währenddessen machen bereits Gerüchte über ein Gegenangebot der amerikanischen Technikbörse “Nasdaq” die Runde. Denn auch sie steht unter starkem Wettbewerbsdruck und sieht die Reputation der Wall Street durch eine Übernahme in Gefahr. Das Fusionskarussell dreht sich derweil weltweit munter weiter: London will sich mit der kanadischen Börse zusammenschließen, Singapur mit der australischen. Die Nasdaq hat dagegen bereits Erfahrung bei der Übernahme ausländischer Handelsplätze sammeln können. Vor vier Jahren hat sie die skandinavischen Börsenplätze übernommen und so ihre Marktposition gestärkt.
Stellenabbau in Frankfurt befürchtet
Obwohl die Fusion zwischen Deutsche Börse und der NYSE noch unsicher ist, treibt das Vorhaben schon jetzt die Mitarbeiter auf die Straße. Natürlich werden im Rahmen des Zusammenschlusses Arbeitsplätze abgebaut werden, schließlich ist Kostenersparnis ein erklärtes Ziel der Fusion. Die Frankfurter Börse beschäftigt rund 3400 Mitarbeiter. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di rief am 9.März bereits zu einer Kundgebung vor der Eschborner Zentrale der Deutschen Börse auf. Mitarbeiter und Gewerkschaft befürchten, dass die Fusion zulasten von Arbeitsplätzen geht. Die ohnehin anstehenden Gehaltsverhandlungen sollen daher verstärkt mit dem Ziel von Arbeitsplatzgarantien geführt werden.
[STB]









