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Deutsche Architektur am Golf

- Dubai ist bekannt für ausgefallene Architektur. Hier sieht man das Luxushotel Burj Al Arab. (Foto. commons.wikimedia.org/ Wofratz)
“Die Immobilienkrise war, wenn man es evolutionstechnisch betrachtet, ein reinigendes Gewitter, das schwache Pflanzen weggespült hat. Starke und gesunde Pflanzen haben die Krise überstanden und sind daraus gestärkt hervor gegangen.” Das Emirat Dubai galt bis zum Ausbruch der Wirtschaftskrise als weltweites Aushängeschild für Bauprojekte der Superlative und der Verwirklichung des Unmöglichen. 2008 hat sich dann auf einen Schlag vieles drastisch verändert. Geplante Projekte wie das Unterwasserhotel “Hydropolis” galten bereits vor der Krise als überzogen und unrealistisch. “Finanzierungen bei Projektbeginn wurden nicht immer gesichert. Mancher Investor machte sich darüber keine Gedanken – Geld schien ausreichend vorhanden zu sein”, erzählt die Stuttgarter Architektin Cornelia Kieferle-Nicklas. Dass viele geplante Projekte hauptsächlich als Prestigeobjekte angesehen wurden, die den “Hype” um Dubai noch mehr pushen sollten, ist auch Miethig klar. Nun scheint die Immobilienbranche ihr Augenmerk von Dubai abzuwenden und im Nachbaremirat Abu Dhabi ihr Glück zu versuchen. “Ein spezieller Faktor in den Emiraten ist sicher noch die immens schnelle Entwicklung der letzten zehn Jahre und die vielen Großprojekte, denen nach wie vor grundlegende Rahmenbedingungen und eine Bereitstellung der Infrastruktur fehlen.”
Architekturbranche wendet sich Abu Dhabi zu
Der Architekt aus Siegen ist sich sicher, dass die Orientierung in Richtung Abu Dhabi auch in Hinblick auf die Städteplanung “Vision Abu Dhabi 2030” eine richtige Entscheidung war. Immerhin ist Abu Dhabi das finanziell stärkste Emirat. Kieferle-Nicklas will sich auf keine Zukunftsprognose festlegen. “Zu Anfang der Krise sprach ich von fünf Jahren, was meist zu ungläubigem Kopfschütteln führte. Heute würde ich sagen, nochmals fünf Jahre und auch dann ist es nicht wie zuvor.” Sie meint, dass der Verlust des Glaubens an die Immobilienwirtschaft den größten Schaden darstellt.
Obwohl viele Baustellen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) brach liegen und nur wenig neue Projekte lanciert werden, haben die meisten deutschen Architekten nicht vor, das Land in naher Zukunft zu verlassen. Denn was wären die Alternativen? Miethig, der beim Architekturbüro Tilke & Partners beschäftigt ist, das sich vor allem durch den Bau des “Bahrain International Circuit” und des “Yas Marina Circuit” einen Namen gemacht hat, berichtet, dass “deutsche Architekten hier einen sehr hohen Stellenwert haben, die sich jedoch auch gegen die Konkurrenz aus England, USA und Australien durchsetzen muss. Doch gerade die Qualität, das effektive Arbeiten und die Geradlinigkeit der Deutschen wird hier sehr geschätzt.” Konkurrenz ist wie überall auch hier vorhanden. Kieferle-Nicklas bestätigt, dass die deutschen Architekten sehr respektiert werden, doch es sehr wenige seien, verglichen mit den englischsprachigen Nationen. Glücklicherweise hat sich durch die Krise jedoch auch an den Forderungen und Wünschen der Auftraggeber vor Ort einiges geändert. Laut der deutschen Architektin stand in der Vergangenheit vor allem Schnelligkeit im Mittelpunkt – ungeachtet des Ergebnisses. “Qualität stand meist hinten an. Das Bewusstsein für Qualität und Nachhaltigkeit ist in der Krise deutlich gestiegen.”
Arabische Welt will sich durch Exklusivität abheben
Besonders wichtig ist laut Miethig immer noch die Exklusivität in der arabischen Welt. Jeder möchte mit seinem Bauprojekt einzigartig sein. Kein Wunder, dass in den Emiraten der höchste Turm, die schnellste Achterbahn und die größte aufgeschüttete Insel in Form einer Palme der Welt verwirklicht wurden. Konkurrenzdenken stand und wird auch in Zukunft für die Golfaraber weiterhin im Mittelpunkt stehen. Das Ziel, sich von der Allgemeinheit abzuheben, wurde auch durch die Krise nicht aus den Augen verloren. Die Mentalität arabischer Auftraggeber ist in vielerlei Hinsicht nicht mit der deutschen gleichzusetzen, aber gerade dieser Unterschied macht das Arbeiten am Golf interessant. “Mit dem typisch deutschen Verhalten, alles vertraglich regeln zu wollen, kommt man nicht weit. Hier muss man noch mehr auf die Menschen zugehen und Vertrauen aufbauen.” Wer hier arbeitet lernt schnell, dass vieles nur mit viel Zeit, Geduld und Flexibilität erreicht werden kann. Man braucht einen sehr langen Atem.
Für Qualität sind die Deutschen nach wie vor bekannt
Die schwäbische Architektin Kieferle-Nicklas ist seit sechs Jahren in den Emiraten beruflich tätig, arbeitet auch viel in Saudi-Arabien und hat einen genauen Einblick in das hiesige Geschäftsleben bekommen: “Man überzeugt einen arabischen Auftraggeber am besten mit Qualität und Zuverlässigkeit – dafür sind wir Deutschen nun mal bekannt.”
[AP]









