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Wird der Baukonzern zerschlagen?

- ACS Konzernchef Florentino Peréz (Foto: commons.wikimedia.org / FDV, CC by 3.0)
Die Schlacht ist geschlagen und musste trotz größter Bemühung am Ende verloren gegeben werden. Hochtief, der umsatzstärkste Baukonzern Deutschlands, gegründet 1875, geht in dem spanischen Konzern ACS auf. Die spannendste Übernahmeschlacht seit Vodafone Mannesmann im Jahr 2000 ist nun zu Ende. Die Spanier, um ACS-Konzernchef Peréz, haben mit ihrer Mehrheit auf der Hauptversammlung nicht nur den Vorstand, sondern auch die Aufsichtsratsposten mit eigenen Leuten besetzt.
ACS mit Mehrheit auf der Hauptversammlung
Obwohl ACS momentan weniger als 50 Prozent der Anteile hält, gelang es dem Konzern durch die relative Mehrheit auf der Hauptversammlung die Macht bei Hochtief zu übernehmen. Appelle der jetzt abgelösten Vorstände, als Aktionär sein Stimmrecht auf der Hauptversammlung wahrzunehmen, mobilisierten nicht genug Aktionäre um die 43 Prozent, die ACS an Hochtief hält, nicht in eine relative Mehrheit umzuwandeln. Denn nur etwa 70 Prozent der stimmenberechtigten Aktionäre fanden ihren Weg zur wichtigsten Hauptversammlung des Konzerns in der Geschichte.
70.000 Beschäftige bangen
Herbert Lütkestratkötte, der scheidende Hochtief-Chef und seine 70.000 Beschäftigten, durchlitten eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Als das feindliche Manöver von ACS erkennbar und später vom spanischen Konzern offiziell bestätigt wurde, unternahm Lütkestratkötte alle Versuche um die Übernahme abzuwehren. Der Aufruf an die Politik, Hochtief beizuspringen und eine drohende Ausschlachtung des kerngesunden Bauunternehmens zu verhindern, verhallten ohne Wirkung. Nur einmal, als ACS bereits mit dem Aufkaufen von Hochtief-Aktien begonnen hatte, gelang es der Konzernführung sich kurzfristig aus der Umklammerung zu befreien.
Katar wurde zur Hoffnung
Damals stieg das Emirat Katar bei Hochtief ein und erhielt für 400 Millionen Euro Neue Aktien. Der 9,1-prozentige Anteil, der damit auf die Scheichs entfiel, verwässerte den Anteil des ACS Konzern. Kurzzeitig sah es also nach einer Wende in der Übernahmeschlacht aus. Hochtief hoffte, dass den Spaniern die Luft ausgeht. Ein Irrtum, wie man heute weiß. Jetzt haben der ACS-Konzern, mit dem schillernden Chef Florentino Peréz, dem nebenbei auch noch der Fußballclub Real Madrid gehört, bei Hochtief das Sagen.
Betriebsrat und Gewerkschaft uneins
Lütkestratkötte erhielt auch vom Betriebsrat lange Zeit Unterstützung. Mit Appellen an die Arbeitnehmer, die die Belegschaft für die Folgen einer Übernahme von Hochtief durch ACS sensibilisieren sollten, stellte sich der Betriebsrat klar hinter den Hochtief-Vorstand. Doch Peréz, als gewiefter Taktiker bekannt, gelang es die Arbeitnehmerseite zu spalten. Die IG Bau unterzeichnete ein Abkommen, dass den Fortbestand der Tarifverträge und eine Stärkung der Geschäftsbereiche zum Gegenstand hatte. Der Betriebsrat monierte die Vereinbarung als zu locker. Es folgten gegenseitige Beschuldigungen über Begehrlichkeiten auf Posten in der jetzt beginnenden ACS-Ära.
Hochtief nur Mittel zum Zweck?
ACS ist für seine Geschäftspraktiken bekannt, denn die Übernahme von Hochtief ist nicht die Erste in der Firmengeschichte. Gerüchten zufolge hat Peréz den spanischen Energieversorger Iberdrola im Visier. Dafür benötigt ACS jedoch noch erhebliche finanzielle Mittel. Beobachter vermuten daher, dass Peréz, allen Beteuerungen Hochtief als Konzern erhalten zu wollen zum Trotz, Hochtief in seine einzelnen Geschäftsbereiche zerschlagen will, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen. Mit der dann gutgefüllten Kriegskasse würde die systematische Übernahmeaktion gegen Iberdrola geführt. Die Übernahme eines Konzerns über europäische Ländergrenzen hinweg ist im Grunde ein normaler Vorgang. Auch deutsche Unternehmen kaufen spanische Firmen auf. Allerdings würde ein erheblicher Schaden entstehen, wenn ACS Hochtief am Ende wirklich zerschlägt, um Iberdrola zu übernehmen. Damit wäre der Traditionskonzern nämlich zum Mittel zum Zweck degradiert worden und mit ihm auch seine 70.000 Beschäftigten.
[STB]









