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Der Schweizer Franken ist im Höhenflug

- Finanzexperten erwarten nun, dass die Schweiz ein Wechselkursziel gegenüber dem Euro festlegt. Aber was wäre dann der richtige Wechselkurs? (Foto: schwehn)
Die Schweiz leidet seit Juli 2011 an ihrer starken Währung. Das klingt auf den ersten Blick mehr als erstaunlich, ist aber auf den zweiten Blick logisch – und hat fatale Auswirkungen. Es hatte erst zögernd angefangen und entwickelte sich stetig weiter. Parallel zur Euro-Schwäche gewann der Franken an Wert, ja er wurde zur Fluchtwährung in Europa. Zuvor hatte das alles noch anders ausgesehen: Vor drei Jahren noch wurde der Euro zu 1,45 Franken gehandelt; im Juli 2010 immerhin noch zu 1,21 Franken. Aber wiederum ein Jahr später, Ende Juli 2011, waren es nur noch zwischen 1,08 und 1,10 Franken. Das war und ist ein Unterschied von erstaunlichen 13 bis 11 Schweizer Rappen binnen Jahresfrist. Umgekehrt gerechnet: Der Franken kostet zur Jahresmitte 2011 rund 90 Cent. Damit dotiert die Währung der Eidgenossen so hoch wie noch nie.
Ausfuhren stagnieren und Preise fallen
Der permanente “Nachteil“ des Schweizer Franken ist schlicht, dass er als krisenfest gilt. Und Investoren, die auf Nummer sicher gehen wollen, kaufen somit Fränkli. Damit wird die teure Währung immer mehr zur Bürde, vor allem für die Exportwirtschaft. Die Ausfuhren stagnieren, und die Preise fallen. Und das alles hat einen weiteren bösen Nebeneffekt: Die Schweizerische Nationalbank macht massive Verluste – es sind Wechselkursverluste; allein im ersten Halbjahr 2011 belief sich das Minus auf 10,8 Prozent.
Nationalbank “flutet“ den Geldmarkt mit Franken
Dem will und kann die Nationalbank natürlich nicht tatenlos zusehen. So hat sie in den ersten Augusttagen 2011 angekündigt, den Geldmarkt sozusagen mit Franken “fluten“ zu wollen. Damit, so ist ihre Rechnung, sollte nach den ökonomischen Grundregeln der Preis für die Schweizer “Fluchtwährung“ wieder sinken. Die Nationalbank hält den Franken für massiv überbewertet. Zum Gegensteuern gehört ihre Ankündigung, die Zinsen praktisch auf Null zu senken und den Geldmarkt mit deutlich mehr Liquiditäten zu versorgen. Dazu wird sie die Giroguthaben der Banken von derzeit rund 30 Milliarden Franken auf 80 Milliarden Franken erhöhen. Und das ist ein kräftiger Batzen. Markt und Spekulanten, sagen Experten, testen inzwischen die Nationalbank und ihre eingeleiteten Schritte. Züricher Finanzexperten sprechen in leichter Skepsis von einem “Placebo-Effekt“ – ein Placebo mit wenig Wirkung aber auch ohne Schaden.
Soll ein Wechselkursziel festgelegt werden?
Jedenfalls hat die Nationalbank bislang von weiteren Devisenkäufen Abstand genommen. Von vielen wird indessen erwartet, dass die Schweiz in absehbarer Zeit ein Wechselkursziel gegenüber dem Euro festlegt und dieses dann mit neuen, milliardenschweren Euro-Käufen zu verteidigen trachtet. Aber, so heißt die weitere Frage, was wäre der richtige Wechselkurs? Er pendelt zwischenzeitlich zwischen einem Wert von 1 Franken für 1 Euro oder einem Wert von 1,10 Franken für 1 Euro. Das wäre die von vielen befürchtete Wechselkursparität. Es ist also auch auf den Schweizer Finanzmärkten derzeit ein psychologischer Kampf – und der Franken ist auf Achterbahnfahrt.
Autotouristen spüren die Preissteigerungen deutlich
Für den Sommertouristen, den Geldmärkte wenig interessieren mögen, macht sich der starke Franken vor allem an den Tankstellen des Landes bemerkbar. Der Benzinpreis nähert sich im Gegensatz zu den vorausgegangenen Jahren immer stärker deutschen Werten. Umgerechnet 1,55 bis 1,69 Euro für den Liter Superbenzin ist zur Regel geworden.
[KS]









