Dienstag, 9. August 2011

Von: STB

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Spanien | Italien | Moody’s | Euro | Zapatero
Drohende Bonitätsherabstufung Spaniens

Spanien-Krise bedroht den Euro

Logo Moody's
Die Ratingagentur Moody's droht Spaniens Bonität auf “Aa3” herabzustufen. (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

Die Ratingagenturen haben die Euro-Staaten weiter unter der Lupe. Moody’s, einer der drei großen amerikanischen Bonitätswächter, drohte kürzlich damit, Spanien weiter herabzustufen. Bereits im Frühjahr wurde die Bonität der iberischen Halbinsel von den drei Ratingagenturen abgewertet. Damals reagierte die spanische Regierung unter Ministerpräsident Zapatero mit dem größten Sparpaket der Geschichte. Unter anderem wurde die Mehrwertsteuer erhöht, die Staatsausgaben bei Renten eingefroren und das Salär der Staatsbediensteten gesenkt. Außerdem wurden Investitionen in die Zukunft verschoben und Steuervergünstigungen abgeschafft. Seitdem hält die Regierung Kurs. Trotzdem droht jetzt eine weitere Verschlechterung. Moody’s teilte mit, dass die aktuelle Bewertung von “Aa2” überprüft werden solle. Damit droht Spanien die drittbeste Bonitätsnote zu verlieren und weiter abzurutschen.

Negative Aussichten

Warum also könnte Moody’s nun die Bonitätsstufe von “Aa2” auf “Aa3” herunterstufen? Zum einen kommt die spanische Wirtschaft nicht so richtig in Fahrt. Die Prognose der spanischen Regierung geht derzeit von 1,3 Prozent aus, während der Internationale Währungsfonds (IWF) 0,8 Prozent Wirtschaftswachstum für realistisch hält. Zu wenig um spürbare Mehreinnahmen und vor allem Arbeitsplätze zu schaffen. Auch die engen wirtschaftlichen Verbindungen zu Portugal, das unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen musste, bremst die Erwartungen an eine schnelle konjunkturelle Erholung. Außerdem werden nach dem neuen Rettungspaket für Griechenland die Finanzierungsmöglichkeiten für alle südeuropäischen Staaten weiter eingeschränkt, weil Südeuropa insgesamt als labil gilt.

Auch Italien gilt als angeschlagen

Nach der Ankündigung durch Moody’s gab der Euro prompt nach. Der Kurs gegenüber dem US-Dollar rutschte unter die 1,43 Euro-Marke. Spaniens Ministerpräsident Zapatero brach daraufhin seinen Urlaub ab und kehrte zurück an seinen Regierungssitz, um die Marktbewegungen zu beobachten, wie es aus Regierungskreisen hieß. Außerdem wurde bekannt, dass er ein Krisentreffen mit der spanischen Finanzministerin Elane Salgado und dem Regierungssprecher José Blanco einberief. Kurz zuvor war der spanische Risikoaufschlag für zehnjährige Anleihen auf ein Rekordniveau geklettert. Die EU-Kommission kommentierte die jüngsten Ereignisse als “Anlass zur großen Besorgnis”. Denn nicht nur Spanien droht tiefer in die Zinsfalle abzurutschen, auch Italiens Risikoaufschlag kletterte in bislang ungeahnte Höhen. Italiens Finanzminister Giulio Tremonti eilte zu einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, um die Lage zu erörtern.

Euro-Schicksal hängt an Italien und Spanien

Barroso&Zapatero
EU-Kommissionspräsident Barroso und der spanische Premierminister Zapatero müssen an einem Strang ziehen, um eine drohende Wirtschaftspleite Spaniens abzuwenden. (Foto:ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Die Lage um die beiden südeuropäischen Staaten und damit für die gesamte Eurozone, ist Ernst. Denn Italien zahlt nach der öffentlichen Diskussion um die Staatsverschuldung inzwischen gut sechs Prozent Zinsen an seine Anleger. Auch Spanien hat die sechs Prozent-Marke bereits geknackt. Damit liegen beide Staaten in jenem Bereich, der langfristig nicht mehr zu Schultern ist. Doch um die Zinslast auf den internationalen Märkten zu drücken, müssen beide Länder ihre Staatsausgaben reduzieren, die Verschuldung zurückfahren und das Haushaltsdefizit mindestens auf die drei Prozent-Marke drücken. Werden jedoch entsprechende Maßnahmen von den Parlamenten verabschiedet, verabschiedet sich das Wirtschaftswachstum meist gleich mit - und damit Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Die Staaten sparen sich kaputt. Ein weiterer Rettungsschirm für die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der EU, könnte wohl auch nicht mehr gestemmt werden. Deshalb laufen in Brüssel gerade in Drähte heiß.

Auch Zyperns Bonität herabgestuft

Die Ratingagenturen werden dabei jeden Schritt beobachten. Bisher wurden harte Spareinschnitte, wie sie etwa Spanien verabschiedet hat, lediglich durch Beibehaltung der Bonitätsnote belohnt. Wie schnell das Damoklesschwert der Ratingagenturen fallen kann, zeigt sich an dem jüngsten Beispiel. Nachdem mehrere Munitionscontainer in einem Marinestützpunkt explodiert sind, steht die griechisch-zypriotische Regierung auf einer Schadenssumme, die sich auf rund eine Milliarde Euro summieren könnte. Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte Zyperns Bonitätsnote um eine Stufe.

[STB]