Mo, 22.August 2011

Von: STB

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Eurobonds | Merkel | Sarkozy | Euro | Staatsanleihen
Eurobonds-Debatte

Letzte Hoffnung Eurobonds?

Zinssteigerungen für die Südeuropa

intensive Debatte um Eurobonds
Debatte um Eurobonds (Foto:ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

In der Diskussion über die Rettung des Euro überschlagen sich die Gemüter. Manch deutscher Politiker vermutet hinter der Eurobonds Diskussion den Ausverkauf Deutschlands, andere wiederum die einzige Möglichkeit das Euro-Projekt zu retten. Nach der Installation des Euro-Rettungsschirms EFSF, der eigentlich nur eine Fußnote in der Euro Geschichte sein sollte und nun doch durch den permanenten Rettungsschirm ESM abgelöst wird, trat nach der Euphorie schnell die Ernüchterung ein. Die Maßnahmen, die auf den Euro-Krisengipfeln vereinbart wurden - von Milliardenhilfen und Sparprogrammen bis hin zur teilweisen Umschuldung Griechenlands – vermochten die Finanzmärkte nur kurzzeitig zu beruhigen.

Zinssteigerungen für die Südeuropa

Das Vertrauen in die südlichen Euro-Staaten sank wöchentlich. Selbst Frankreich sieht sich mit einer drohenden Bonitätsherabsetzung konfrontiert. In den Fokus der Bonitätswächter und Finanzmarktspekulanten geraten immer mehr Euro-Staaten. Niemand glaubt mehr an die Belastungsfähigkeit eines Euro-Rettungsschirms, wenn Italien oder Spanien in Finanzierungsnot geraten. Der sogenannte Zinsspread, also die Kluft zwischen Finanzierungskosten der solventen Länder und jenen, die nur noch zu exorbitanten Zinsen Geld am freien Kapitalmarkt erhalten, war in Europa noch nie so groß wie in der aktuellen Krise. Dabei war die Angleichung des Wohlstands eines der Kernaufgaben der Europäischen Union. Wenn aber die einen Länder bereits einen immensen Schuldenberg vor sich herschieben und trotz Sparprogramm und Steuererhöhungen das so eingesparte Geld für höhere Zinsen ausgeben müssen, dann ist diese europäische Grundidee gestorben.

Eurobonds existieren bereits heute

So langsam dämmert es auch Merkel, dass weiteres Flickwerk kein Ausweg aus der Krise ist. Immer lauter fordern die Befürworter von Eurobonds, endlich auch die gemeinsame europäische Anleihe zu prüfen. Gute Gründe haben sie jedenfalls. Zum einen würde das Zinsniveau der angeschlagenen Staaten deutlich sinken. Das würde dieser Ländergruppe insofern helfen, als das sie die Einsparungen durch Sparprogramme und die freiwerdenden Mittel durch die verringerte Zinslast in die Schuldentilgung fließen lassen könnten. Zum anderen existieren Eurobonds im Prinzip schon. Denn auch die EU-Kommission und der ESFS geben Anleihen aus, für die gemeinschaftlich gebürgt wird.

Eurobonds könnten die Märkte beruhigen

Merkel und Sarkozy im Gespräch und auf der Suche nach Lösungen
Merkel und Sarkozy im Gespräch und auf der Suche nach Lösungen. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Während die Kritiker der Eurobonds mit 50 Milliarden Euro zusätzlichen Zinskosten für Deutschland rechnen, wenn man den aktuellen durchschnittlichen Zinssatz aller EU-Staaten zugrundlegt, liegt das Zinsniveau der EU-Kommission nur 0,8 Prozent über dem Deutschlands. Das Vertrauen in Eurobonds ist also deutlich größer als es der reine Durchschnittswert der europäischen Nationalstaaten vermuten lässt. Außerdem kämen 50 Milliarden Euro zusätzliche Zinslasten auf Deutschland nur dann zu, wenn es eben diesen Durchschnittszins geben würde und wenn Deutschland sein gesamtes Schuldenaufkommen prompt zu Eurobondskonditionen finanzieren würde. Deutschland hat derzeit einen jährlichen Finanzierungsbedarf von rund 300 Milliarden Euro. Deutlich weniger also als die Gesamtverschuldung von 1,9 Billionen Euro von Bund, Länder und Gemeinden. Die Einführung solche Eurobonds dürfte die Spekulationslust der Finanzmarktjongleure merklich eindämmen und den Euro insgesamt stärken. Denn wenn sich die reichen Nordländer wirklich zu einem Eurobonds durchringen könnten, wäre es das stärkste Glaubensbekenntnis zur Gemeinschaftswährung. Außerdem würden Eurobonds die europäische Währung neben dem Dollar weiter als Weltreservewährung etablieren. Die Nachfrage nach den von der EU-Kommission und dem ESFS ausgegebenen Anleihen ist hoch und lässt vermuten, dass auch die Eurobonds guten Absatz finden würden.

Eurobonds an Bedingungen knüpfen

Richtig ist, dass Deutschland eine höhere Zinslast als heute tragen würde. Jedoch fehlt in der öffentlichen Diskussion häufig die Detailbetrachtung. Es ist nämlich keineswegs so, dass es keine nationalen Staatsanleihen mehr geben würde. Denkbar ist etwa das ein Staat seine Finanzierung zur einen Hälfte auf Eurobonds und zur anderen Hälfte auf nationale Staatsanleihen stützt. Damit würden Staaten wie Deutschland weiterhin von ihrer guten Bonität profitieren und die Krisenstaaten den Anreiz zum Sparen nicht verlieren. Außerdem könnten Bedingungen, wie die Abgabe von Haushaltskompetenzen nach Brüssel, an die Ausgabe von Eurobonds geknüpft werden.

Merkel lehnt Eurobonds ab

Vor dem deutsch-französischen Gipfel ließ Merkel die Meldung verbreiten, dass es bei den Gesprächen nicht um das Thema Eurobonds gehen werde. Stattdessen wurden Vereinbarungen über eine engere Zusammenarbeit der beiden Regierungen und der Euro-Staaten getroffen. Auch wurde der Gedanke einer Finanztransaktionssteuer aufgegriffen, der jedoch wie bereits zuvor im Sande verlaufen wird, weil hier nicht die EU-Ebene, sondern die G20 von Nöten wären. Da hätten Merkel und Sarkozy vielleicht doch besser einen Notfallplan ausarbeiten sollen, der zum Einsatz käme, wenn Italien oder Spanien Schlagseite bekommen. Spätestens dann lebt die Eurobonds-Diskussion wieder auf.

[STB]