Dienstag, 27. September 2011

Von: STB

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Keywords:
Griechenland | Euro | Insolvenz | Szenarien | Drachme | Schuldenkrise
Griechenland-Szenarien

Was die Zukunft bringt

Griechenland in der Krise
Die Griechenland-Krise erschüttert weiterhin die Eurozone. Weil es so nicht endlos weitergehen kann, spielen Ökonomen und Regierungen verschiedene Szenarien durch, die dem Land auf die Beine helfen könnten. (Bild:Manfred Nuding/pixelio.de)

Bereits seit über einem Jahr versucht die europäische Staatengemeinschaft einer der ihren wieder auf die Beine zu helfen. Doch Griechenland zeigt sich hartnäckig, kann die verabredeten Sparziele nicht einhalten und geht auch bei der geplanten Neuverschuldung über die vereinbarte Grenze hinaus. Die Erlöse aus der Privatisierung von Staatsunternehmen sollten eigentlich 50 Milliarden Euro in die Kassen spülen, heute bewegen sich diese Einnahmen lediglich im Millionenbereich. Das Tafelsilber zu veräußern geht an den Stolz einer jeden Nation, insbesondere dann, wenn die eigene Regierung dazu gezwungen wird. Auch der Zeitpunkt für Steuererhöhungen ist denkbar schlecht. Selbst wenn dazu keine Alternative besteht, sind die Bürger eines Landes in unsicheren Zeiten weniger bereit neue Steuern zu akzeptieren. Wohl auch deshalb schafft es Griechenland noch immer nicht, seine Einnahmenseite zu erhöhen.

Ungewisse Folgen

In der europäischen Politik setzt sich immer stärker die Meinung durch, dass man auch über Alternativen nachdenken muss. Kein Staat fordert offen den Austritt Griechenlands aus der Eurozone, doch reine Beteuerungen, die Sparziele einhalten zu wollen, werden am Ende die Finanzpumpe nicht weiter am Laufen halten. Eben weil es so nicht endlos weitergehen kann, spielen Ökonomen und Regierungen verschiedene Szenarien durch. Was am Ende eines jeden Szenarios steht, ist in den meisten Fällen kaum vorhersehbar, denn zum einen gibt es nur bedingt vergleichbare historische Analogien, zum anderen gibt es im Gegensatz zur freien Wirtschaft keine Insolvenzordnung für Staaten. Niemand kann vorherbestimmen, wie die Märkte reagieren werden, zumal eine Griechenland-Pleite auch die anderen 16 Euroländer betrifft.

Mit Grüßen aus Buenos Aires

Das erste Szenario folgt einem bereits erprobten Ablauf. Ähnlich wie Argentinien im Jahr 2001 könnte Griechenland einen harten Schuldenschnitt mit Einwilligung der Gläubiger durchführen. Damit würden die Banken auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten, hätten aber die Aussicht auf eine Teilrückzahlung. Die Schuldtitel würden durch langfristige Anleihen ersetzt, die auch einen reduzierten Nennwert aufweisen würden. Damit erhielte Griechenland weiterhin Geld am Kapitalmarkt. Dieses Modell führte in Argentinien zwar zu einer galoppierenden Inflation, einem wirtschaftlichen Zusammenbruch und hoher Arbeitslosigkeit - durch die gemeinsame europäische Währung würde jedoch eine vergleichbare Inflation wie in Argentinien vermieden. Der wirtschaftliche Zusammenbruch und eine hohe Arbeitslosigkeit sind bereits heute in Griechenland Realität, wenngleich bei diesem Szenario mit einer weiteren Verschärfung zu rechnen wäre. Der Blick auf Argentinien zeigt, dass so eine Krise überwunden werden kann, denn das südamerikanische Land hat inzwischen die Trendwende geschafft, auch wenn es noch immer Teile des Schuldenbergs abtragen muss.

Ein europäischer Insolvenzverwalter in Athen

Ein weiteres und bereits in der EU diskutiertes Szenario könnte die Installation eines EU-Insolvenzverwalters sein. Nicht nur die geschönten Zahlen, die Griechenland jahrelang nach Brüssel meldete, deuten auf die Verinnerlichung einer Verschleierungstaktik hin. Auch dass Griechenland bei der Privatisierung nicht vom Fleck kommt, zeigt eine Mentalität des Zögerns und Haderns. Eine EU-Delegation, der ein EU-Insolvenzverwalter vorsitzt, könnte die Privatisierung vorantreiben und dabei die Abläufe so überwachen, dass die Einnahmen am Ende auch wirklich beim Staat ankommen. Das Gleiche gilt für die Steuerbehörden. Griechenland hat es bis heute nicht geschafft, effektiv seine Steuern zu erheben. Auch hier könnte die EU die Vorgänge prüfen, Finanzbeamte schulen und die Prozesse optimieren. EU-Energiekommissar Oettinger hat mit dieser Idee Rede von sich gemacht.

Griechenland zurück zur Drachme

Euro versus Drachme
Bei Nettozahlern der EU-Staaten ist die Wiedereinführung der Drachme in Griechenland ein gern diskutiertes Modell. Angesichts der schwachen griechischen Exportwirtschaft scheint dieses jedoch weniger sinnvoll. (Bild: LiliGraphie/pixelio.de)

Ein bei den Nettozahlern der EU-Staaten gern diskutiertes Modell ist der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Athen würde den Euro abschaffen und die Drachme wieder einführen. Mit einem Schlag wäre so die griechische Belastung für die Gemeinschaftswährung gelöst und die Griechen hätten durch den Kursunterschied zwischen einer schwachen Drachme und einem starken Euro Exportvorteile. Theoretisch klingt das plausibel, nur ist die Anwendung auf Griechenland wenig sinnvoll. Denn Griechenland ist kein Exportland. Ein theoretischer Wettbewerbsvorteil der griechischen Wirtschaft würde sich durch die fehlenden Produkte nicht auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Denn Zitronen und gut gefüllte Strandliegen reichen für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung kaum aus. Ein weiterer Nachteil dieses Szenarios wäre, dass die Schulden Griechenlands weiterhin in Euro bestünden. Da die Einnahmen jedoch in Drachmen generiert werden, müsste eine höhere Wirtschaftsleistung erbracht werden, als bis dato mit dem Euro. Die größte Gefahr wäre jedoch das Signal an die Finanzmärkte. Die Euroländer hätten damit bewiesen, dass man sie zur Aufgabe zwingen kann. Damit könnten Portugal, Irland, Spanien und Italien ins Visier der Finanzmärkte geraten und der gefürchtete Dominoeffekt würde ausgelöst. Die Folgen für den gesamten Euroraum wären fatal.

Festhalten am Status quo

Das letzte Szenario sieht das Festhalten an der aktuellen Strategie vor. Griechenland behält den Euro und wird zur Stabilisierung weiterhin mit Milliardenkrediten versorgt. Die Sparprogramme drücken das Defizit und durch die Privatisierung von Staatsunternehmen, Steuererhöhungen und effizientere Steuereintreibung werden die Einnahmen deutlich gesteigert. Athen müsste Überschüsse erwirtschaften, die es zu weiten Teilen in die Schuldentilgung steckt. Heute ist dieser Fahrplan höchst ungewiss, denn Griechenlands Wirtschaft schmiert gerade ab und die Sparziele wurden verfehlt. Trotzdem ist bereits heute die Zahlungsfähigkeit Griechenlands durch ein zweites Rettungspaket bis 2014 gesichert, sofern Griechenland seine Fortschritte mit harten Fakten untermauern kann.

Die Entscheidung darüber, welches Szenario am Ende das Schicksal Griechenlands bestimmen wird, liegt mittlerweile kaum noch in Athen. Die Regierung kann nur sicherstellen, dass die Reformbemühungen durchgesetzt werden. Fraglich bleibt, ob die Maßnahmen dann auch zu den gewünschten Ergebnissen führen, die auch die Euroländer, die EZB und den IWF überzeugen. Außerdem müssten die Finanzmärkte von der Entschlossenheit der Euroländer überzeugt sein, dass Griechenland nicht aufgegeben wird. Die aktuelle Diskussion über eine Insolvenz, wie sie vom deutschen Vizekanzler erst kürzlich in der Öffentlichkeit angestoßen wurde, ist da wenig zuträglich.

[STB]