Bossard Kunststätte wird Europäisches Kulturerbe

- Das Ehepaar Bossard verwirklichte vor 60 Jahren ihren Traum einer einzigartigen Kunststätte in der Lüneburger Heide. Der Preis dafür: Ernennung zum Europäischen Kulturerbe. (Fotoquelle: flickr.com/europanostra CC by-NC-SA- 2.0)
Nicht nur die UNESCO stellt kulturell wertvolle Stätten auf der ganzen Welt unter den schützenden Mantel des Kulturerbes, auch die EU verleiht jedes Jahr einen Preis für besonders wertvolle Kulturgüter in Europa - den "Europa Nostra". In diesem Jahr darf sich die Kunststätte Bossard in Jestenburg in der Lüneburger Heide über eine Auszeichnung zum Europäischen Kulturerbe freuen. Ein besonderes Fleckchen Erde mit herausragendem Charme.
Schatz in der Heide
Es ist ein künstlerisches Kleinod sondergleichen, das sich am Nördlichen Rand des Nationalpark Lüneburger Heide in der Nähe des kleinen niedersächsischen Orts Jestenburg verbirgt. Die Kunststätte der Eheleute Bossard ist ein geradezu einzigartiges Gesamtkunstwerk, das auf rund drei Hektar Land inmitten des Waldes zahlreiche Kunststile aus Malerei, Architektur, Bildhauerei und Gartenkunst vereint. Bis zu seinem Tod im Jahre 1950 wirkte der expressionistische Künstler Johann Bossard gemeinsam mit seiner Frau Jutta an der Entstehung seines Lebenstraums. In den folgenden Dekaden bemühte sich Jutta Bossard um den Erhalt des künstlerischen Denkmals ihres Mannes und öffnete die Kunststätte stets interessierten Besuchern und Durchreisenden. Seit ihrem Tod 1996 wird die Stätte von einer eigens gegründeten Stiftung getragen und verwaltet, um sie auch weiterhin für Besucher aus aller Welt erfahrbar zu machen. Zum Programm der Kunststätte gehören dabei neben Führungen durch die Ausstellungen auch Konzerte und Lesungen sowie Vorträge und Kreativkurse.
Europäisches Kulturerbe 2012 - Bossards Kunsttempe
In der Vielzahl an Gebäuden und Gartenanlagen des Areals finden über das Jahr verschiedene ständige und vorübergehende Ausstellungen statt. Neben dem Wohn- und Atelierhaus des Künstlerpaares laden auch einige eigens errichtete Bauten zur Besichtigung ein. So auch der zentrale Kunsttempel mit seiner prunkvoll verzierten und bemalten Holzvertäfelung aus der Hand Johanns, der Heidewanderer zur "inneren Einkehr und zum stillen Verweilen" diente. Die stilistische Mischung des Tempels aus Wandmalerei verschiedener Kunstepochen und künstlerischer Raumgestaltung lenkte nun jüngst das Interesse des Auswahlkomitees des "Europa Nostra" Kulturerbepreises auf sich. Die Jury kürte in diesem Jahr 28 europäische Institutionen für ihre besonderen Leistungen für das kulturelle Erbe Europas, darunter auch die norddeutsche Kunststätte der Familie Bossard.
Vier Kategorien - Eine Botschaft
Der Europäische Preis für Kulturerbe wird seit 2002 im Rahmen des EU-Programms "Kultur" verliehen. Der mit der Wettbewerbsdurchführung beauftragte Verein "Europa Nostra" kürt seither jährlich gut zwei Dutzend Einzelpersonen und Institutionen aus europäischen Ländern in vier Kategorien für ihre kulturellen Leistungen. Neben der Kategorie zur Erhaltung architektonischen Kulturerbes - aus der unter Anderem die niedersächsische Kunststätte siegreich hervor ging - werden auch Auszeichnungen für Forschung, herausragende Einzelleistungen und kulturelle Bildung verliehen. Die diesjährigen Preise wurden am 1. Juni feierlich unter der Schirmherrschaft des portugiesischen Staatspräsidenten Silva im Jerónimos-Kloster in Lissabon verliehen.
Sechs Hauptpreise - Viele Gewinner
EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou zeichnete gemeinsam mit dem Startenor Plácido Domingo, dem Vorsitzenden der „Europa Nostra“, sechs glückliche Gewinner mit dem über 10.000 Euro dotierten Hauptpreis aus. Die übrigen 22 Preisträger, so auch die Bossard Kunststätte, erhielten ein Zertifikat und dürfen sich fortan als Europäisches Kulturerbe betiteln. Wer also einmal hoch inspirative Kunst in einem außergewöhnlichen Ambiente entdecken möchte, sollte einmal in Jestenburg in der Lüneburger Heide vorbei schauen.
Nähere Infos zur Bossard Kulturstätte sowie zu den anderen Preisträgern gibt es unter www.bossard.de und www.europanostra.org.









