08. Juni 2009

Von: Jochen Hencke

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Keywords:
Weblog-Award | Deutsche Welle | Kuba
Preisverleihung

Ein Blog als Spalt in der Mauer

Am 3. Juni 2009 verlieh die Deutsche Welle zum sechsten Mal ihren Weblog-Award "Best of the Blogs" - kurz: "The BOBs". Mit der inzwischen nach der Anzahl der Teilnehmer weltweit größten internationalen Auszeichnung prämiert die Deutsche Welle in der jeweiligen Blogosphäre herausragende Blogs. Dabei spielen sowohl Originalität, als auch Qualität oder Regelmäßigkeit eine Rolle. Außerdem möchte man mit "The BOBs" Blogger unterstützen, die sich in ihren Ländern, teilweise unter Lebensgefahr, mit freier Meinungsäußerung und Pressefreiheit auseinandersetzen.

Dieses Jahr traf die Wahl der Jury auf die Kubanerin Yoani Sánchez. Als Vorreiterin der kubanischen Bloglandschaft berichtet sie von der karibischen Insel aus über das kubanische Alltagsleben und wird inzwischen als Stimme einer ganzen kubanischen Generation gesehen.

Bloggen im Embrionalzustand

Yoani Sánchez ist Kubas Alpha-Bloggerin

Laut Sánchez ist das Bloggen auf Kuba noch im "Embrionalzustand, aber sehr gesund" und gewinne langsam an Bedeutung. Vor allem die wenigen Internetzugänge machen das Veröffentlichen von neuen Beiträgen oft zum Abenteuer. Sie lebt in einem Land "mit einer der geringsten Verbindungen zum Netz weltweit".
Die Kubanerin verfasst praktisch alle ihre Texte offline und sucht sich danach einen öffentlichen Ort, von dem aus sie diese online stellen kann. Somit ist sie auf die wenigen Internetcafés in den Hotels angewiesen.
In Havanna kennt Sánchez davon gerade einmal zwei - und die verlangen horrende Preise: "Zwischen fünf und sieben Euro pro Stunde", müsse sie zahlen. Ihr Vorteil ist dabei, dass sie in der Hauptstadt Havanna lebt, denn "die Menschen in der Provinz haben gar nichts".

Auf fremde Hilfe angewiesen

Doch das ist nicht die einzige Hürde: Mitte 2008 wurde ihr Blog in Kuba blockiert. Seitdem ist sie auf die Hilfe anderer angewiesen, die ihr helfen, ihre Beiträge zu platzieren. Denn von Kuba aus kann man ihre Texte nicht mehr lesen. "Ich bin eine blinde Bloggerin", sagt sie, "und nur mit der Mitarbeit von vielen Menschen in der Welt konnte ich den Blog auf aktuellem Stand halten."
"Wir leben umgeben von einer Mauer der Kontrolle, einer Mauer des Monopols, die der Staat über alle Informationen ausübt", sagt die Kubanerin und sieht die Blogs als einen kleinen Spalt, der es möglich macht, Meinungen außerhalb dieser Kontrolle zu verbreiten. Sie hofft, dass junge Menschen in ihrem Land sich ein Beispiel nehmen: "Wenn sie sehen, dass es andere Leute in Kuba gibt, die aufschreiben, was sie denken", hofft sie, "dann kann das den Wunsch wecken, das auch zu tun".

Zur Strafe keine Reiseerlaubnis

Zur Verleihung in Deutschland konnte die junge Bloggerin nicht kommen, "wir Kubaner sind wie kleine Kinder, die die Genehmigung vom Papa einholen müssen, um das Haus zu verlassen". Dreimal hat sie letztes Jahr versucht, eine Reiseerlaubnis zu bekommen, jedes Mal bekam sie eine Ablehnung. Wohl eine Strafe dafür, dass ihren Blog schreibt, vermutet sie. Aber, "obwohl sie mich nicht reisen lassen, reise ich doch jeden Tag dank meines Blogs". JH