13.07.2009

Von: Rafael Michalczuk

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EU-Programm | Jugend in Aktion | Initiativen
Jugend in Aktion

Neue Dynamik in der EU

Das EU-Programm „Jugend in Aktion“ (JIA) bietet Jugendgruppen, gemeinnützigen Einrichtungen und Vereinen in 31 Ländern des europäischen Kontinents die Möglichkeit, eigene Initiativen in die Tat umzusetzen.
Im Rahmen von "Jugend in Aktion" können sich Jugendliche engagieren (Foto: ec.europa.eu)

Das aktive Engagement vieler Jugendlicher über die eigenen Landesgrenzen hinweg ist längst eine Tatsache, der niemand ernsthaft widerspricht. Es stellt sich jedoch die Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten und möglichst günstigen Organisationsstrukturen: Sind diese elastisch genug, um den Elan der jungen Europaenthusiasten nicht einzudämmen und trotzdem ausreichend formalisiert, um einen reibungslosen Ablauf eines anspruchsvollen EU-Projekts gewährleisten zu können? Das EU-Programm „Jugend in Aktion“ (JIA) bietet Jugendgruppen, gemeinnützigen Einrichtungen und Vereinen in 31 Ländern des europäischen Kontinents die Möglichkeit, eigene Initiativen in die Tat umzusetzen.

„Alles beginnt häufig mit einer Kopfgeburt“

Einer der Teilnehmer der Jugendjournalismus-Initiative „TRADO“ (lat.: „ich lehre“), die in dem polnischen Kurort Sopot (Zoppot) von JIA gefördert wurde, erklärt: „Alles beginnt häufig mit einer Kopfgeburt. Zuerst kommt die Idee, und man versucht, die Bedürfnisse von Jugendlichen in einem konkreten sozialen Umfeld zu bestimmen. Und danach versucht man, Gelder für das Projekt einzuwerben“. Deshalb setzt JIA auf die jungen Europäer mit schier unerschöpflichen guten Ideen. Die Beispiele „Guter Praxis“ auf der JIA-Homepage beweisen, wie kreativ die Jugendlichen aus ganz Europa denken. Hauptziele des Programms sind die Förderung nicht-formaler Bildung in verschiedenen Lebensbereichen sowie die Förderung sozialer Kompetenz in europäischer Dimension.

Fünf Aktionsbereiche öffnen der Jugend Tür und Tor zu Europa

Fünf Aktionsbereiche von JIA bieten genügend Spielraum, damit sich die Jugend europaweit selbst erproben und beweisen kann:

  • Aktion 1 - Jugend für Europa: Jugendinitiativen und -begegnungen werden besonders gefördert; gesetzt wird hierbei auf Kreativität und Organisationstalent Jugendlicher und junger Erwachsener.
  • Aktion 2 - Europäischer Freiwilligendienst EFD: Der EFD ist eine einmalige Möglichkeit, sich für andere Menschen einzusetzen: Junge Menschen können für einen Zeitraum von 6-12 Monaten als Freiwillige in eines der Programmländer oder benachbarten Partnerländer fahren, um dort an einem gemeinnützigen Projekt mitzuwirken.    
  • Aktion 3 - Jugend in der Welt: In dieser Aktion dreht sich alles um den Austausch mit der Welt. Kontakte sollen multilateral, also auch außerhalb der EU und sogar weltweit geknüpft werden. Bei derartigen Projekten werden vor allem Trainings, Jugendbegegnungen und internationale Netzwerke finanziell unterstützt. 
  • Aktion 4 - Unterstützungssysteme für junge Menschen: Auf der dezentralisierten Ebene der Aktion geht es um die nicht-formale Ausbildung von jungen Leuten zu Leadern, d.h. jungen Führungspersönlichkeiten. Dieser Punkt richtet sich vor allem an die Tutoren, Projekt- und Jugendleiter: durch Trainingskurse, Seminare, Workshops und Studienbesuche sollen sie einen besseren Einblick in die europäischen Unterstützungsmöglichkeiten von Jugendlichen bekommen.
  • Aktion 5 - Unterstützung der europäischen Zusammenarbeit im Jugendbereich: Im Rahmen der fünften Aktion soll die Begegnung von aktiven Jugendgruppen mit politischen Entscheidungsträgern erleichtert werden. Der strukturierte Dialog zwischen Jugendarbeitern und Verantwortlichen der Jugendpolitik steht hierbei im Vordergrund. 

Förderprioritäten

Was das Programm fördern will, ist klar beschrieben:

·         Bildung einer europäische Bürgerschaft,

·         Teilhabe Jugendlicher daran,

·         Förderung kultureller Vielfalt sowie

·         die Einbeziehung Jugendlicher mit erhöhtem Förderbedarf.

Interkulturelles Lernen wird hierbei als ein wesentlicher Bestandteil aller Projekte begriffen. Zudem wird auf zukunftsorientierte Initiativen gesetzt, die gesellschaftlich häufig benachteiligte Menschen nachhaltig fördern sollen. Soziale und wirtschaftliche Hindernisse sollen dabei abgebaut werden, um eine bessere Chancengleichheit zu gewährleisten. Auch körperliche und geistige Behinderung, bildungsbezogene Schwierigkeiten sowie kulturelle Unterschiede stehen bei der Programmrealisierung nicht im Wege, ganz im Gegenteil: „Jugend in Aktion“ richtet sich gerade an junge Menschen mit erhöhtem Förderbedarf. Gesunde Lebensweisen und eine umweltfreundliche Grundeinstellung werden angeregt, um ein Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels oder für die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns zu entwickeln. „Die Umwelt als unsere natürliche Umgebung benötigt einen besonderen Schutz für heute und auch für die nächsten Generationen.“ – erklärt eine der Jugendumweltengagierten, die sich an einem JIA-Projekt zum Umweltschutz beteiligt.

Wer darf mitmachen? – Jugend auf dem Vormarsch

„Jugend in Aktion” steht für engagierte Jugendliche und junge Erwachsene offen. Früher konnten an dem Programm junge Menschen nur in der Altersgruppe von 15 bis 25 Jahren teilnehmen. Längst können sogar 13- bis 30-Jährige tatkräftig mitwirken, um an der EU „mitzubasteln“ – wie dies einer der Projektbegeisterteten zugibt. Die Gruppe der Antragsberechtigten ist breit und umfasst praktisch alle Formen von Jugendorganisationen, ob formeller oder informeller Art auf lokaler, regionaler, nationaler oder europäischer Ebene. Hierbei wird zwischen förderfähigen Teilnehmern und Projektträgern unterschieden. Projektträger in diesem Sinne sind Vertreter der Teilnehmer, die das Projekt in ihrem Namen aufgrund der ausreichenden Organisationsstrukturen und/oder Erfahrung verwalten. „Das wichtigste ist aber der Teamgeist“ – bekommt man im Gespräch mit den Jugendlichen immer wieder zu hören. Deshalb sind Antidiskriminierung, insbesondere die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, ein wichtiger Bestandteil der von JIA geförderten Projekte.

Keine Angst vor dem „Prozeduren-Ungeheuer“

Das Gesamtbudget des Programms „Jugend in Aktion“ beträgt für die Planungsjahre 2007-2013 rund 885 Millionen Euro. „Also nichts wie ran an die finanzielle Unterstützung für helle Köpfe!“ - könnte man resümieren. Da das Programm auf informelle Bildung setzt, ist die Vergabeprozedur der finanziellen Unterstützung ebenso auf ein „jugendfreundliches“, bürokratisches Minimum beschränkt. In jedem der 31 Programmländer funktioniert eine Nationalagentur, an die man sich fünf Mal im Jahr mit dem Antrag auf finanzielle Förderung wenden kann. Die Zuschüsse und Projektdauer sind projektabhängig und unterliegen jeweils bestimmten Auflagen sowie Bedingungen der konkreten Aktion bzw. Unteraktion. Die Bewertungskriterien der Projekte und potentiellen Zuschüsse sind übersichtlich in dem Handbuch der JIA dargestellt. Zu weitergehenden Informationen (u.a. dem Handbuch) bietet sich ein Besuch unter der Internetadresse "Jugend in Aktion" an.

[RM]