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Unsere konservativ-liberale Zukunft im Nachbarschaftsvergleich

- (Foto: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)
An die neue schwarz-gelbe Regierungskoalition in Deutschland werden jedenfalls hohe Erwartungen gestellt. Ob in Sachen Wirtschafts-, Gesundheits-, Bildungs-, Familien-, Beschäftigungs-, Integrations- oder Sozialpolitik: die Mehrheit der Bundesbürger hat am 27. September einem konservativ-liberalen Regierungsbündnis ihr Vertrauen ausgesprochen. Doch glauben die Deutschen wirklich daran, dass CDU/CSU und FDP diesem Berg an Herausforderungen gewachsen sind? Laut infratest dimap, dem renommierten Meinungsforschungsinstitut, das im Auftrag der ARD stets die berühmte Sonntagsfrage an das Volk stellt, ist die Antwort "Ja".
Stehen die Deutschen noch zu ihrer Wahlentscheidung?

- Kanzler-Vereidigung von Angela Merkel durch Bundestagspräsident Norbert Lammert (Foto: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)
Die Meinungsforscher ermittelten im Anschluss an die Bundestagswahl, dass 70 Prozent der Deutschen in Schwarz-Gelb die richtige Koalition für ein stabiles langfristiges Wirtschaftswachstum in ihrem Land sehen. In Sachen "Verteilungsgerechtigkeit bei der Bildung" verhält es sich mit 60 Prozent ähnlich. Auch in Fragestellungen zur Familienpolitik überwiegt mit mehr als der Hälfte der Wählerstimmen eine positive Meinung über die Zukunftsperspektiven der Deutschen. Doch es gibt auch Problemfelder, bei denen Union und FDP noch Nachholbedarf attestiert wird: Bei der Sozial-, Lohn-, Umwelt- und Integrationspolitik überwiegen die Zweifel in der Bevölkerung, ob der Staat zukünftig auch dort den richtigen Weg einschlagen wird. Hingegen aller Vor-Wahlprognosen rechnen jedoch nur wenige Bürger damit, dass mit der konservativ-liberalen Regierung eine soziale Kälte im Land Einzug halten wird. Nur jeder Fünfte glaubt, dass es nach dem Regierungswechsel künftig sozial ungerechter zugeht. Der fertige Koalitionsvertrag zwischen den Parteien wird Gewissheit bringen, ob es dem neuen Regierungsbündnis gelingt, diese Erwartungen zu erfüllen. Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, würden mehr als 90 Prozent der Deutschen jedenfalls wieder so wählen, wie sie es bereits vor vier Wochen getan haben.
Welche Regierungskoalitionen sind eigentlich in anderen EU-Staaten am Zuge?
In Folge des Abschlusses der Koalitionsverhandlungen wird Deutschland in den nächsten vier Jahren also durch eine konservativ-liberale Regierungskoalition geführt werden. Doch wie sind die Regierungen uns umgebenden EU-Mietgliederstaaten eigentlich gesinnt? Welche Länder sind politisch eher konservativ ausgerichtet? Welche verstehen sich als liberal und welche sind sozialdemokratisch dominiert? Ein Blick in die vier Himmelsrichtungen aus der Bundesrepublik zeigt, dass Europas politische Landschaft mindestens genauso farbenfroh ist wie der herbstliche Blätterwald hierzulande.
Europas farbenfrohe Parteienlandschaft
Der bunte Norden

- Dänemarks Staatsminister Lars Løkke Rasmussen (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2009)
Blickt man von den Küsten der deutschen Nord- und Ostsee in Richtung Skandinavien, so findet man eine bunt gemischte Parteienlandschaft in der Regierungsverantwortung vor. Während Dänemark seit 2001 von einem Bündnis aus der rechtsliberalen Partei „Venstre“ und der „Konservative Folkeparti“ (Konservativen Volkspartei) unter der Führung von Staatsminister Lars Løkke Rasmussen regiert wird, sind in Schweden und Norwegen die Sozialdemokraten an der Macht. Seit dem Jahr 2006 steht Premierminister Fredrik Reinfeldt an der Spitze der aus vier bürgerlichen Parteien zusammengeschlossenen sozialdemokratischen „Allianz für Schweden“ und regiert das Reich seiner Majestät König Carl XVI. Gustav. In Norwegen bildet seit 2005 die sozialdemokratische „Arbeiderpartiet“ unter Premierminister Jens Stoltenberg gemeinsam mit der grünen Zentrumspartei „Senterpartiet“ und der sozialistischen Linkspartei „Sosialistisk Venstreparti“ eine rot-grün-rote Regierung.
Der religiöse Osten

- Tschechiens ehemaliger Ministerpräsident Mirek Topolánek (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2009)
Ganz anders sieht die Situation in unserer östlichen Nachbarschaft aus: In Polen regiert seit Oktober 2007 eine vom christdemokratischen Ministerpräsidenten Donald Tusk geführten Koalitionsregierung aus der liberalkonservativen Bürgerplattform „Platforma Obywatelska“ (PO) und der sozialkonservativen Bauernpartei „Polskie Stronnictwo Ludowe“ (PSL). Ganz ähnlich verhält es sich auch etwas südlicher: In Tschechien siegte bei den Wahlen 2006 die konservative Demokratische Bürgerpartei „ODS“ knapp über die Tschechische Sozialdemokratische Partei „ČSSD“. Bis Mai 2009 regierte sie unter Führung des Ministerpräsidenten Mirek Topolánek das Land: in einem blau-schwarz-grünen Koalitionsbündnis, gemeinsam mit der christlich-demokratischen Tschechoslowakischen Volkspartei „KDU-ČSL“ und Tschechiens Partei der Grünen „SZ“. Zur Zeit steckt Tschechien jedoch in einer verfahrenen Regierungskrise fest. In Folge eines Misstrauensausspruchs des Abgeordnetenhauses gegenüber der Regierung Topolánek während der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft im März dieses Jahres wurden vorgezogene Neuwahlen im Oktober anberaumt und eine kommissarische Übergangsregierung eingerichtet. Ein Beschluss des tschechischen Verfassungsgerichtes erklärte die Durchführung dieser Wahl jedoch kürzlich für verfassungswidrig. Daraufhin wurde die für den 9. und 10. Oktober geplante Wahl noch in der Vorbereitungsphase abgesagt. Die Übergangsregierung bleibt bis auf weiteres im Amt.
Der geteilte Süden

- Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2009)
Im Gegensatz zu den im Osten der Europäischen Union gelegenen Staaten ist der Süden Europas in Sachen politischer Gesinnungen der regierenden Parteien derzeit nicht sehr homogen gestaltet. Während Italien von Ministerpräsident Berlusconi mit seiner Mitte-Rechts-Partei „PDL“ (Popolo della Libertà; zu deutsch: Volk der Freiheit) regiert wird, steht auf der iberischen Halbinsel ein Sozialdemokrat an der Regierungsspitze Spaniens. Seit 2004 ist Ministerpräsident Zapatero mit seiner sozialdemokratischen „PSOE“ (Partido Socialista Obrero Español; zu deutsch: Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) dort im Amt und wurde bei den Parlamentswahlen 2008 auch darin bestätigt.
Der linientreue Westen

- Frankreichs Staatsoberhaupt Nicolas Sarkozy (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2009)
Von den politischen Umwälzungen, die zahlreiche Staaten in vielen Gebieten der EU in der Vergangenheit und der Gegenwart bewegt haben und bewegen, blieben die westlichen Unions-Nationen gänzlich unberührt. Sowohl im Parlament des französischen Zentralstaates als auch in den Abgeordnetenhäusern des britischen Königreichs herrschen seit geraumer Zeit nahezu konstante politische Verhältnisse. Sei es nun Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der 2007 mit seiner Mitte-Rechten Volksbewegungsunion „UMP“ das politische Erbe seines langjährigen Amtsvorgängers Jacques Chirac antrat, oder der britische Premierminister Gordon Brown, der ebenfalls 2007 als Nachfolger von Tony Blair an der Spitze der Arbeiterpartei „Labour Party“ die Regierungsgeschäfte im Vereinigten Königreich übernahm: in beiden Ländern unterliegt die jeweilige Regierungsverantwortung einer bemerkenswerten langjährigen Konstanz.
Es ist also nicht nur bei uns der Fall, dass die Farbenspiele bei der Regierungsbildung von Legislaturperiode zu Legislaturperiode variieren können. Im Vergleich zu manchen unserer EU-Nachbarn steht Deutschland mit den kürzlich beendeten langwierig und zermürbend wirkenden Koalitionsverhandlungen zwischen den neuen Partnern CDU/CSU und FDP also noch recht gut da. Die Zeit wird nun zeigen, ob „Schwarz-Gelb“ der richtige Weg für Deutschland in die Zukunft ist.
[FT]
(Teaserbils: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)









