Mittwoch, 16. Dezember 2009

Von: Steffen Overbeck

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Alternativer Nobelpreis | Right livelihood Awards | Stockholm
Der Alternative Nobelpreis 2009

Der tägliche Kampf für eine bessere Welt

So wurde Rene Ngongo (Kongo) für sein Engagement zum Schutz des Regenwaldes, Alyn Ware (Neuseeland) für den Kampf gegen Atomwaffen und Catherine Hamlin (Australien) für die Arbeit als Ärztin für arme Frauen in Afrika ausgezeichnet. Den Ehrenpreis konnte David Suzuki (Kanada) für die Aufklärung über den Klimawandel entgegennehmen.

Jakob von Uexküll - Begründer des "Right Livelihood Award" (Foto: rightlivelihood.org)

Jakob von Uexküll - Schriftsteller, Umweltschützer und Briefmarkensammler - erkannte Ende der 1970er Jahre, dass die Welt zu wenig unternahm, um die immer größer werdenden ökologischen Probleme durch Industrialisierung und Globalisierung zu lösen. Er nahm an großen Gipfeln und Kongressen teil, deren Ausrichtung mehr Geld verschlang, als man zur Verbesserung der Lage einsetzen wollte.
Es gab aber auch Menschen, die die gegenwärtigen Probleme - unbemerkt von der Öffentlichkeit - einfach anpackten. Sein Vorschlag, diese Menschen durch einen "Nobelpreis der Umwelt" zu ehren, den er finanzieren wollte, wurde abgelehnt. Daraufhin beschloss Jakob von Uexküll, den "Alternativen Nobelpreis" zu stiften. Erstmals 1980 vergeben, wurde das Preisgeld aus dem Verkauf seiner Briefmarkensammlung finanziert.

Eine Vision wird 30 Jahre alt

Im ersten Jahr wurden die Preisträger von Jakob von Uexküll selbst bestimmt und in einer kleinen Halle vor 35 geladenen Personen geehrt. Rasch wurde der Preis populär: Fünf Jahre später schon gab es eine renommierte internationale Jury und das Angebot, den Preis im schwedischen Parlament zu übergeben. Der Vision von Uexkülls kam das sehr entgegen, denn der Right Livelihood Award (RLA), wie der Alternative Nobelpreis auf englisch heißt, soll der Öffentlichkeit vor allem zeigen, dass unsere Generation mehr kann als den Planeten zu zerstören. Übersetzt nämlich bedeutet die Abkürzung: Ein Preis für die "richtige" Lebensweise.

Der kleine Bruder des Nobelpreises?

Die Preisverleihung findet im schwedischen Parlament in Stockholm statt (Foto: rightlivelihood.org)

Auch wenn die inoffizielle Bezeichnung „Alternativer Nobelpreis“ eine gewisse Nähe zu dem von Alfred Nobel gegründeten Nobelpreis assoziiert, gibt es elementare Unterschiede. So kennt der RLA keine Kategorien. Er zeichnet Menschen aus, die nicht angesichts der vielen Probleme auf der Welt resignieren, sondern aufstehen und heute etwas dafür tun, dass es allen Menschen morgen besser geht. Anders als beim Nobelpreis kann jedermann Vorschläge für einen der drei Preisträger abgeben. Ein weiterer Unterschied: das Preisgeld von ca. 220.000 Euro wird auf alle drei Preisträger verteilt und ist an die Verwendung in Projekte gebunden.
Der wahre Wert dieses Preises jedoch ist die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung. Preisträgern öffnen sich plötzlich bis dahin verschlossene Türen, und das jeweilige Fachgebiet rückt vorübergehend in den Fokus der Öffentlichkeit. Damit ist der RLA wohl eher eine große Alternative als der kleine Bruder des Nobelpreises und trägt seine inoffizielle Bezeichnung zurecht.

Rene Ngongo – Umweltschutz im Bürgerkrieg

Rene Ngongo, ein Biologe aus dem Kongo, ist einer der Preisträger 2009 und wurde für seinen Einsatz für die Umwelt während des Bürgerkrieges in der Demokratische Republik Kongo ausgezeichnet. Der dortige Regenwald ist der zweitgrößte der Erde, und Ngongo erkannte in den 1990er Jahren, dass die Kommerzialisierung der natürlichen Ressourcen des Regenwaldes viele Existenzen gefährdet und das Klima bedroht.
So gründete er 1994 die Organisation Ocean und kämpfte gegen die Zerstörung seiner Heimat. Es gibt zwei große Bereiche, in denen diese Organisation tätig ist. Zum einen führt sie im Rahmen des Umweltschutzes Wiederaufforstung gefährdeter Baumarten oder Baumanpflanzungen in Städten durch. Zum Anderen ist Rene Ngongo in der Bildung tätig. Ocean versucht über Radio- und Fernsehsendungen, die Bevölkerung aufzuklären und für ein Umweltbewusstsein zu sensibilisieren. Er lehrt beispielsweise Bauern, den Wald so zu nutzen, dass dieser sich auch wieder regenerieren kann. Außerhalb vom Kongo dient die Organisation Ocean z.B. dem UN-Sicherheitsrat als Informationsquelle für die illegale Ausbeutung von Ressourcen im Kongo.

Alyn Ware- Peace Education

Die Preisträger v.l.n.r.: Matron Ejigayehu und Annette Bennett (i.V. für Catherine Hamlin), René Ngongo, Begründer Jakob v Uexkull, Alyn Ware und David Suzuki (Foto: rightlivelihood.org)

Alyn Ware, ein Vorschullehrer aus Neuseeland, gewinnt den RLA für seinen Kampf um Frieden auf der Welt. Er begann vor über 20 Jahren für die Abschaffung der Atomwaffen zu kämpfen und gründete zahllose Gesellschaften (z.B. Abolition 2000), die dieses Ziel verfolgen. Des Weiteren ist er Berater der UN und arbeitete an einigen UN-Resolutionen zur Abschaffung der Atomwaffen mit. Zudem sorgte er als Direktor des „Lawyers' Committee on Nuclear Policy“ (LCNP) für die Einholung einer Stellungnahme des Internationalen Gerichtshofes über die Rechtmäßigkeit von Atomwaffen durch die UN.
Ein weiterer Aspekt seiner Arbeit ist auch bei ihm die Bildung der Bevölkerung. So reiste er quer durch sein Heimatland und versuchte ein Bewusstsein für den Frieden bei Kindern und Jugendlichen zu schaffen. So kämpft Alyn Ware seit Jahren gegen den drohenden Atomtod und für eine friedliche Gesellschaft.

Catherine Hamlin- Ärztin der Armen

Catherine Hamlin, eine Ärztin aus Australien, ist die dritte Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises. Sie gibt seit 50 Jahren afrikanischen Müttern, die bei der Geburt innere Verletzungen (Fisteln) erlitten, wieder Mut. Diese Frauen waren durch ihre unverschuldete Erkrankung häufig Außenseiterinnen in der afrikanischen Gesellschaft, doch Catherine Hamlin und ihr Mann entwickelten eine Methode zur Behandlung. Diese chirurgischen Eingriffe führen sie und ihre mittlerweile 400 Mitarbeiter kostenlos durch. Um dies optimal umsetzen zu können, gründete Catherine Hamlin 1974 ihr eigenes Krankenhaus in Addis Abeba. 2009 gibt es schon fünf weitere regionale Krankenhauszentren in Äthiopien. Die Kosten  werden hauptsächlich durch Spenden finanziert.
Zudem bildet Hamlin Hebammen im ganzen Land aus, um diesen Erkrankungen vorzubeugen. Im Alter von 85 Jahren operiert Catherine Hamlin noch immer und reist durch die Welt, um den Blick der Öffentlichkeit auf dieses Problem und die Frauen zu lenken.  

David Suzuki- Ehrenpreis für Lebenswerk

Der prunkvolle Plenarsaal des schwedischen Parlamentes ist Schauplatz der Verleihung des Alternativen Nobelpreises (Foto: rightlivelihood.org)

David Suzuki, ein kanadischer Zoologe mit japanischen Wurzeln, hat mit 73 Jahren den RLA-Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhalten. Sein Verdienst ist die Kommunikation zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft. David Suzuki betreibt seit 1979 eine Naturwissenschaftssendung im kanadischen Fernsehen, und er schrieb 43 Bücher. In dieser Show weckt er das Bewusstsein der Menschen für die Natur und seine Umwelt. Zudem stellt er die Neuerungen der Wissenschaft vor.
Darüber hinaus gründete er die David Suzuki Foundation, die sich vor allem dem Schutz der Natur und Ozeane verschrieben hat. Sie verfügt mittlerweile über 58 Mitarbeiter und hat sich auf fünf  Kernbereiche festgelegt. Neben dem Umweltschutz, versucht die Foundation dem Menschen  wieder seine Verbundenheit mit der Natur bewusst zu machen.  

[SO]