Freitag, 26. Februar 2010

Von: LK

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Generation Praktikum | Hochschulabsolventen | Arbeitsmarkt | Jobchancen | Studium | Praktikum | Hochschul-Information-System (HIS) | Berufseinstieg
Einstiegschancen für Hochschulabsolventen

Generation Praktikum – Mythos oder Wahrheit?

Generation Praktikum – Mythos oder Wahrheit?
Schwieriger Berufseinstieg für Hochschulabsolventen? (Foto: : berwis/pixelio.de)

Was ist dran an dem Mythos der „Generation Praktikum“? Auf der einen Seite wird über den Fachkräfte- und Akademikermangel geklagt, andererseits häufen sich Berichte über junge, hochqualifizierte Hochschulabsolventen, die von Unternehmen regelrecht ausgebeutet werden und große Schwierigkeiten beim Berufseinstieg haben. Eine Studie des Hochschul-Information-Systems zeigt: Bei Langzeitpraktikanten handelt es sich um Ausnahmen, aber es gibt eindeutige Unterschiede in Hinblick auf die Studienfächer. Praktika sind für den Berufseinstieg zwar unverzichtbar, aber sie gehören grundsätzlich in das Studium.

Ein Blick in die Statistik

Ein Blick in die Untersuchungsergebnisse einer Absolventenstudie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) macht eines ganz deutlich: Die „Generation Praktikum“ ist alles andere als ein Massenphänomen. Die Praktikantenquote von Uni-Abgängern hängt stark vom gewünschten Studiengang ab. Während nur drei Prozent der Informatik- und Ingenieurabsolventen im Anschluss an ihr Studium ein Praktikum absolvieren, sind es bei den Geisteswissenschaftlern acht Prozent und bei Sozial- und Politikwissenschaftlern hohe 28 Prozent. Allerdings bleibt nur ein verschwindend geringer Anteil länger als sechs Monate Praktikant. Zwar lassen sich insbesondere in den Bereichen Medien und Kultur immer wieder Beispiele finden, wo Absolventen deutlich länger als Praktikant tätig sind. Doch eine "Horde von Dauerpraktikanten", die sich über einen längeren Zeitraum von einem Praktikum zum nächsten hangelt, gibt es in dieser Form nicht. Statistisch untermauern lässt sich die vielzitierte ausgebeutete „Generation Praktikum“ jedenfalls nicht.

Alle Akademiker finden mittelfristig einen Job

Akademiker finden mittelfristig einen Job
Hochschulabsolventen finden den Weg in den Arbeitsmarkt (Foto: Thomas Kölsch/pixelio.de)

Selbst Absolventen von am Arbeitsmarkt weniger stark nachgefragten Studiengängen finden nach einer gewissen Zeit fast ausnahmslos den Weg in den regulären Arbeitsmarkt. Untersuchungen des HIS zufolge haben etwa 97 Prozent aller Uni-Abgänger fünf Jahre nach ihrem Studienabschluss einen Job. Zehn Jahre nach dem Uni-Abschluss sind es sogar 99 Prozent, die entweder in einem klassischen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis stehen, als freier Mitarbeiter tätig sind oder selbstständig sind. Akademiker profitieren dabei insgesamt auch stark vom Trend zur Höherqualifizierung. 

Ein Beispiel: Was früher "die Sekretärin" war, ist heute die "Assistentin der Geschäftsführung" - mit einem deutlich erweiterten Aufgaben- und Verantwortungsbereich. "Die Tippse" von heute koordiniert Termine und arbeitet aktiv in Projekten mit. Sie bereitet Präsentationen vor und bringt sich mit ihrer Sachkenntnis inhaltlich ein. Das erfordert ganz andere Kompetenzen und Qualifikationen. Diese werden im Studium erworben. Akademiker werden daher den Ansprüchen der Unternehmen in aller Regel deutlich besser gerecht als geringer Qualifizierte - und finden somit mittel- bis langfristig so gut wie immer einen Job. Und das unabhängig vom gewählten Studiengang und unabhängig von der konjunkturellen Lage zum Zeitpunkt des Eintritts in den Arbeitsmarkt, wie die Daten des HIS belegen.

Praktika gehören ins Studium

Bei der gesamten Diskussion um die „Generation Praktikum“ und „billige Arbeitskräfte“ ist aber grundsätzlich zwischen Praktika während des Studium und Praktika nach dem Studium zu unterscheiden. Praktika werden für einen Teil der Hochschulabsolventen auch in Zukunft eine  Brücke in den Arbeitsmarkt bilden. Und unzählige Firmen werden in Zukunft auf die Mitarbeit von Praktikanten angewiesen sein. Dennoch gehören Praktika aus drei wesentlichen Gründen ins Studium und nicht an den Anschluss:

  • Erstens bevorzugen Firmen Absolventen mit Praxiserfahrungen. Wer im Studium durch Praktika oder Werkstudententätigkeiten bereits Berufsleben-Luft geschnuppert hat, ist gegenüber seinen Mitbewerbern ohne diese Praxiserfahrung im Vorteil.
  • Zweitens haben Praktika eine Türöffner-Funktion: Etwa 40 Prozent aller Jobs werden über persönliche Kontakte vergeben.  Durch Praktika während des Studium können Studenten bereits Kontakte aufbauen und haben für die Zeit nach dem Abschluss schon einen Fuß in die Tür. Unternehmen besetzen freie Stellen oft lieber mit Personen, die sie schon kennen - und umgekehrt bleiben Praktikanten lieber da, wo sie schon sind. Dadurch verringert sich für beide Seiten das Risiko von Fehlentscheidungen.
  • Drittens hat ein Praktikum auch immer eine berufliche Orientierungsfunktion. Wichtig ist das vor allem für Geisteswissenschaftler, die mit ihrem Abschlüssen oft „überall und nirgends“ arbeiten können und gar nicht genau wissen, was sie später beruflich machen wollen und machen können. Praktika helfen zu erfahren, welche Berufsbilder und Tätigkeiten jemandem liegen und welche nicht. So lassen sich entsprechende Studienschwerpunkte rechtzeitig auswählen und Know-How in für den anvisieren Bereich aufbauen, so dass Berufseinstieg leichter fällt. Mit diesen Sondierungen erst nach dem Studium anzufangen könnte dann zu spät sein.

Alternativen zum Praktikum nach dem Studium

Alternativen zum Praktikum nach dem Studium
Alternativen zum Praktikum? (Foto: Paul-Georg Meister/pixelio.de)

Eine gewisse Sucharbeitslosigkeit über mehrere Monate nach dem Studium ist völlig normal, in einer konjunkturellen Schwächephase gilt das umso mehr. Doch aus Angst vor Lücken im Lebenslauf greifen Absolventen oft vorschnell auf Praktika zurück. Dabei gibt es durchaus Alternativen: 

  • Übergangsjobs wie Werkverträge, 
  • Zeitverträge oder 
  • die freie Mitarbeit. 

Diese Jobs sind zum einen besser bezahlt als Praktika und qualifizieren oft auch besser für den späteren Beruf. Die Tätigkeiten sollten aber möglichst in Bereichen angesiedelt sein, die einen Bezug zur angestrebten Branche haben.  Diese Art von Praxiserfahrungen wirken in den Augen von Personalverantworlicher überzeugender, als wenn ein Bewerber nach seinem Uni-Abschluss trotz dreier Praktika noch immer auf Jobsuche ist.

Aber ganz allgemein besteht eine Tendenz zur Höherqualifizierung, von der Absolventen aller Studiengänge profitieren. Im Bereich der Geisteswissenschaften gab es in den letzten 30 Jahren stark steigende Absolventenzahlen. Trotzdem ist es nicht so, dass alle Geisteswissenschaftler auf der Straße sitzen und keinen Job finden. Von daher sind Akademiker prinzipiell auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

[LK]