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Ein Netzwerk dokumentiert die wahren Geschichten

- Über 20.000 Menschen erreichen Europa jährlich über das Mittelmeer (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)
Vorsitzender von "borderline europe" ist Elias Bierdel, Journalist und früherer Chef von Cap Anamur / Deutsche Notärzte. Für eine Rettungsaktion im Jahr 2004 wurde er zuerst angeklagt, nun für Zivilcourage ausgezeichnet.
2004 gingen die Bilder um die Welt: Elias Bierdel hatte zusammen mit Kapitän Stefan Schmidt 37 afrikanische Flüchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet. Nach drei Wochen durften die Flüchtlinge an Land, wurden aber verhaftet und abgeschoben. Bierdel und Schmidt kamen als Schleuser im sizilianischen Agrigent vor Gericht. Im Oktober 2009 kam der Freispruch. Erst im April 2010 wird klar sein, ob das Urteil auch rechtskräftig ist.
Die Toten, die sonst keiner zählt
2007 gründete Bierdel den Verein “borderline europe”. Seitdem arbeitet er mit Gruppen aus ganz Europa zusammen: unter anderem mit der italienischen Organisation “fortress europe” (Festung Europa), die seit 1988 die geschätzten Toten an den Grenzen Europas zählt. Nach diesen Daten sind von 1988 bis Sommer 2009 mindestens 14.714 Menschen gestorben, nur weil sie nach Europa wollten. Mindestens 6.344 Menschen gelten als "im Mittelmeer verschollen".
Ein Preis und eine Zeitschrift

- Das Flüchtlingslager Safi Barracks auf Malta beherbergt über 1.000 Menschen (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)
Inzwischen gibt Bierdel eine eigene Zeitschrift heraus, die all jene Tragödien dokumentiert, von denen sonst nirgendwo die Rede ist. Im Januar 2010 verlieh die österreichische Organisation “SOS Mitmensch” Bierdel den Ute-Bock-Preis für Zivilcourage. In der Laudatio heißt es: Bierdel habe “mit seinem Kampf gegen das Sterben im Mittelmeer den Finger in eine klaffende Wunde des Kontinents legt und uns deutlich macht, dass Europas Vision von Freiheit und Menschenrechten an den Grenzen zu Grabe getragen wird".
Überwachung und Verträge
Eine der Tragödien spielte sich im August 2009 im Kanal von Sizilien ab und kostete 77 Menschen das Leben. Seitdem unterstützt “boderline europe” die Interessengemeinschaft “boatpmalital”, gegründet von Familien der Toten. Außerdem erklärt “borderline europe” die Mechanismen europäischer Grenzpolitik, die dazu führen, dass so viele Tote so wenig beachtet werden: eine Mischung aus Überwachung und Verträgen, mit der die Verantwortung auf andere Länder übertragen wird.
Vor Europa steht “Guantanamito”

- Die EU- Grenzschutzagentur Frontex ist für die Kontrolle des Mittelmeers verantwortlich (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)
Für die Kontrolle auf den Meeren ist seit 2006 die europäische Grenzschutzagentur Frontex zuständig. Sie treibt Flüchtlingsboote von internationalem Gewässern zurück in die Hoheitsgebiete nordafrikanischer Vertragspartner wie Lybien und Marokko. Diese Länder nehmen die Flüchtlinge zurück und verfrachten viele von ihnen in Lager. Laut amnesty international sind die Zustände dort nicht menschenwürdig. Eines dieser Lager steht in Mauretanien. Die Menschen dort nennen es "Guantanamito".
[GD]
Link: borderline-europe.de









