Dienstag, 13. juli 2010
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CCTV | Überwachung | Großbritannien | Sicherheit | Privatsphäre
CCTV überwacht jeden Schritt

Sicherheit vs. Privatsphäre

Überwachung
Im Vereinten Königreich gibt es heute mehr Überwachungskameras pro Kopf als in jedem anderen Land der Welt. (Foto: pixelio.de/Fionn Große)

CCTV wurde erstmals 1987 in Kings Lynn und West Norfolk im Osten Englands eingeführt, um die Kriminalität zu reduzieren, die Angst vor Verbrechen einzudämmen und generell für mehr Sicherheit und Kontrolle zu sorgen. Doch Kings Lynn war erst der Anfang. In den letzten 13 Jahren ist die Zahl der Überwachungskameras in Großbritannien rapide angestiegen, Heute gibt es im Vereinten Königreich mehr Überwachungskameras pro Kopf als in jedem anderen Land der Welt.

 

Überwachungsstaat 

Wie viele Kameras genau die Briten auf Schritt und Tritt verfolgen, ist unklar, da die Überwachungssysteme von vielen verschiedenen, sowohl öffentlichen als auch privaten Agenturen betrieben werden. Schätzungen von Experten reichen von 1,5 bis 4,5 Millionen Kameras, die vor allem öffentliche Bereiche wie Universitäten, Einkaufszentren, Krankenhäuser, Flughäfen und Bahnhöfe überwachen.

CCTV gesetzlich verankert

Im Human Rights Act von 1998 wurde CCTV gesetzlich verankert und als Hilfsmittel zum Schutz der Bevölkerung und der nationalen Sicherheit gerechtfertigt. Seither hat jede lokale Behörde das Recht, CCTV zu installieren – unter der Voraussetzung, dass die Kameras sichtbar angebracht und mit dementsprechenden Hinweisschildern versehen werden. 1998 wurde auch der Data Protection Act erlassen, welcher besagt, dass CCTV-Aufnahmen nur zu oben genannten Zwecken verwendet werden dürfen und ansonsten nach einem bestimmten Zeitraum wieder gelöscht werden müssen.

 

Eingriff in Privatsphäre?
"Camerawatch" glaubt, dass die Privatsphäre der Briten durch CCTV beeinträchtigt wird. (Foto: pixelio.de/wrw)

Verbrechensbekämpfung

Studien aus den Anfangsjahren von CCTV zeigten, dass die Überwachungskameras zur Verbrechensbekämpfung beitragen können. So ist z. B. in Newcastle upon Tyne nach der Installation von Kameras die Anzahl der Raubüberfälle im Stadtzentrum zurückgegangen, und in Birmingham gibt es in überwachten Bereichen weniger Taschendiebstähle. Jedoch kann keine Kamera Verbrechen generell verhindern: In einigen Städten hat sich die Kriminalität einfach auf Bezirke mit weniger Kameras verlagert. 

Wie sinnvoll ist CCTV also wirklich?

In einigen Fällen waren die Kameraaufnahmen auch einfach nicht scharf genug, um im Nachhinein einen Täter ausfindig zu machen, oder ein technischer Defekt hatte das System zum Zeitpunkt des Verbrechens lahmgelegt. Laut dem Metropolitan Police Report 2009 werden lediglich rund drei Prozent aller Verbrechen dank CCTV gelöst – trotzdem fühlen sich die meisten Briten durch die Kameras sicherer und hinterfragen die Aufstellung kaum. Genau diesen Punkt kritisieren Datenschützer scharf. Camerawatch, eine unabhängige Interessensvereinigung, die darauf achtet, dass die CCTV-Vorschriften eingehalten werden, schätzt, dass bis zu 90 Prozent der CCTV-Benutzer dies unsachgemäß tun und dadurch immer wieder die Privatsphäre der Briten durch CCTV beeinträchtigt wird.

[Helene Voglreiter]