Internationale AIDS-Konferenz in Wien

- Internationale AIDS-Konferenz in Wien. Juli 2010. (Foto: aids2010.org)
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf ein problematisches Thema aufmerksam zu machen. Im Falle von HIV/AIDS hat es Wien zu einer besonderen Perfektion gebracht. Der Life Ball, der im Juli 2010 bereits zum 18. Mal über die Bühne gegangen ist, vereint jedes Jahr eine große Zahl Prominenter, die sich in den Dienst der guten Sache stellen. Elton John etwa gehört zu den Stammgästen dieses Balls, der es im Laufe seiner Geschichte nicht nur durch das schrille Outfit seiner Gäste geschafft hat, das Tabuthema AIDS zu einem Thema zu machen, das in der breiten Gesellschaft diskutiert wird. Er hat auch gezeigt, dass ernste Themen durchaus auch auf unkonventionelle Weise präsentiert werden können. Dass auch nach der 17. Auflage des Life Balls noch Bewusstsein geschaffen werden muss, zeigt nicht zuletzt eine Studie des österreichischen Meinungsforschungsinstituts GfK Austria. 41 Prozent der Befragten sind darin der Meinung, "Menschen, die normal leben, bekommen kein HIV oder AIDS"; immerhin 26 Prozent glauben "AIDS ist eine Krankheit, mit der sich nur Homosexuelle oder Drogensüchtige anstecken".
Festhalten an Klischees
Das Festhalten an Klischees ist auch ein Grund für das oft späte Erkennen der Krankheit. Ein Viertel der HIV-Positiven erfährt erst im Rahmen von Untersuchungen für Operationstermine oder Routinekontrollen von der Infektion. Ein Zeitpunkt, in dem die Behandlung schon schwieriger ist. Meist handelt es sich bei dieser Gruppe nicht um Angehörige der „typischen“ Risikogruppe, wie Homosexuelle oder Drogenabhängige. „Letztere erkennen ihre Erkrankungen meist sehr früh, weil sie mehr Bewusstsein dafür haben“, meint Armin Rieger, AIDS Experte von der Uni Klinik für Dermatologie in Wien.
AIDS Konferenz in Wien
2010 bringt aber in Österreich, und nicht nur in der Alpenrepublik, neben dem Life Ball eine weitere Chance, das Bewusstsein für HIV/AIDS zu erweitern. Eine zweite Großveranstaltung wird sich ebenfalls dem Thema der Immunschwächekrankheit widmen. Zwischen dem 18. und 23. Juli werden rund 25.000 Gäste anlässlich der 18. AIDS Konferenz erwartet. In einem Mix aus Plenarsitzungen, Workshops, Jugendprogramm und kulturellen Veranstaltungen werden fünf Tage lang die aktuellen Erkenntnisse der AIDS Forschung und positive Beispiele sowie neu gewonnene Erkenntnisse diskutiert. Ziel der Konferenz ist es, das Thema AIDS auf der politischen und gesellschaftlichen Agenda zu halten.

- Rund 33 Millionen Menschen waren laut einer Studie von UNAIDS im Jahr 2007 mit HIV infiziert. (Foto: pixelio.de/Detlev Beutler)
22 Millionen Infizierte
Doch HIV/AIDS hat, auch wenn es in den letzten Jahren fast ganz aus dem Rampenlicht verschwunden ist, nichts von seiner Aktualität und Dringlichkeit verloren. Rund 33 Millionen Menschen waren laut einer Studie von UNAIDS im Jahr 2007 mit HIV infiziert. 22 Millionen Menschen davon leben in den Gebieten südlich der Sahara. Aber auch in Europa sind es beinahe eine Million Menschen, die mit dem bis heute unheilbaren Virus infiziert sind. Rund 50.000 Menschen sind in Deutschland infiziert, in Österreich sind es rund 9.000.
Freihandelsabkommen als Gefahr
Experten zufolge könnten die Zahlen in Zukunft wieder ansteigen. Ein Grund dafür hat seine ursächlichen Wurzeln in der Europäischen Union. Seit mehr als einem Jahr wird bereits an einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien verhandelt, abgeschlossen soll es bis Ende 2010 sein. Ein Zusatz zu diesem Abkommen wird von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen derzeit massiv bekämpft. Durch die sogenannte Patentklausel würden Indien Patentschranken auferlegt, wodurch der Belieferung mit billigen Medikamenten Grenzen gesetzt werden. Ärzte ohne Grenzen bezieht derzeit über 80 Prozent ihrer HIV/AIDS Medikamente aus Indien, das zu den größten Generikaproduzenten zählt. „In Zukunft wird es deshalb schwer werden, preiswerte Medikamente zu bekommen", sagt daher Alexandra Heumber von Ärzte ohne Grenzen. Und: „Die Patentklausel im Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU hätte eine direkte Auswirkung auf die Aids-Patienten in Afrika und anderen Entwicklungsländern." Bewusstseinsbildung ist also auf allen Ebenen noch von Nöten.
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