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Nachhaltigkeit geht uns alle an

- Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth (Foto: claudia-roth.de)
„Braucht's uns eigentlich noch?“ Die Grünen, im Falle dieses Zitats Parteivorsitzende Claudia Roth, bemerken es auch selbst – Umwelt- und Klimaschutz sind nicht länger allein ihre Domäne. Ganz im Gegenteil, die Stichworte “Ökologie” und “Nachhaltigkeit” finden sich in allen Parteiprogrammen. „Gegenüber den Wahlprogrammen 2005 haben – abgesehen von der „Linken“ – alle aktuell im Bundestag vertretenen Parteien ihre Positionen hin zu mehr Vorrang vor Umweltschutz gegenüber Interessen der Wirtschaft abgeändert“, konstatierte Thorsten Faas, Professor für Politikwissenschaft, schon im Bundestagswahlkampf 2009 für Zeit Online.
Neue Herausforderungen
Da sich in Zeiten des Klimawandels zwangsläufig alle Parteien mit Umweltschutz auseinandersetzen, stehen Die Grünen vor der Aufgabe, ihre Themenführerschaft auf dem Gebiet zu verteidigen. In Berlin trafen sich Spitzengrüne mit Gästen aus Wirtschaft und Kultur, um angesichts des dreißigjährigen Bestehens über neue Herausforderungen für die Partei zu diskutieren. Dabei zeigte sich, dass der Trend zu grünen Themen paradoxerweise ein Risiko für Die Grünen darstellen kann.
Abgrenzungsproblem
„Ich habe den Eindruck, dass die Unterschiede zwischen den Grünen und Anderen verwässern“, meinte etwa Antje Meyer von der PR-Agentur orange:blue. Und Regine Günther vom WWF bestätigte: „Grüne Themen sind in die Mitte der Gesellschaft gerückt.“ Tatsächlich enthält das kürzlich von der schwarz-gelben Regierung veröffentlichte Energiekonzept nicht nur die von Umweltschützern heftig kritisierte Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Es zeigt auch Ideen auf, wie Deutschland in den kommenden Jahren den Grundstein für eine umweltschonende Energieversorgung legen kann. So soll Windenergie ausgebaut, Bürger zur besseren Dämmung ihrer Häuser angehalten und neue Privilegien für Elektroautos geschaffen werden.

- Grüne Themen sind im Aufschwung (Foto: pixelio.de/Peter A)
Noch radikaler?
„Müssen die Grünen radikaler werden, um die Speerspitze der Bewegung zu bleiben?“, fragte der grüne Parteivorsitzende Cem Özdemir in einer Diskussionsrunde. Denn sein Anspruch ist klar: „Wir müssen nach wie vor die Denkfabrik dieser Republik sein und bleiben.“ Die Ansätze seiner Partei sind ohnehin radikaler als jene der Regierung. So fordern Die Grünen etwa, dass schon in zwanzig Jahren der gesamte Strom in Deutschland aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden soll.
Doch auch neue Anliegen an die Grünen wurden in der Diskussion geäußert. So etwa der Wunsch nach einer positiven Vision anstelle von Bildern von Verzicht und Askese, die oft mit Umweltpolitik assoziiert werden. Außerdem wurde gefordert, dass sich die Grünen mehr mit Wirtschaftsthemen auseinandersetzen sollten.
Eigene Grammatik
Eine interessante Idee brachte der Autor Burkhard Spinnen in die Diskussion ein. Er forderte eine „grüne Grammatik“, denn „die Ununterscheidbarkeit der Politik ist die Ununterscheidbarkeit des Redens über Politik.“ Über eine eigene, unverwechselbare Sprache würden Die Grünen an Kontur gewinnen. Diesen Ansatz unterstützte auch Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen: „Futur II muss die Sprache der Grünen werden – Was müssen wir 2020 getan haben werden?“ Ob Die Grünen jedoch mit solchen Satz-Ungetümen in zehn Jahren ihre Position als Themenführer im Bereich Umwelt behalten haben werden, wird abzuwarten gewesen sein.
[VG]









