Seite ausdrucken
Der Thunfisch wartet vergebens auf Rettung

- Der Rote Thunfisch ist vom Aussterben bedroht. (Foto: commons.wikimedia.org/OpenCage, CC by-sa 2.5)
Der Rote Thunfisch, auch Blauflossen-Thunfisch genannt, ist vom Aussterben bedroht, die Situation wird von Experten als dramatisch bezeichnet. Nicht allein dieser Fischart wegen; aber diese majestätischen Meeresbewohner – sie können bis zu 800 Kilogramm wiegen – stehen im Zentrum der maritimen Nahrungskette, und ohne sie könnte das ozeanische Ökosystem zusammenbrechen. Vor diesem Hintergrund hat sich Ende November 2010 eine internationale Konferenz aus 48 Staaten zu einem Gipfeltreffen in Paris getroffen – es sollte ein Rettungsversuch sein, in den auch die EU-Kommission mit Verve involviert war. Aber die Ergebnisse dieser Konferenz sind mehr als mager – sie haben auch die beschränkten Einwirkungsmöglichkeiten der Kommission aufgezeigt.
Gegen totales Fangverbot
Der Plan der EU war ehrgeizig, der Druck der Mittelmeer-Anrainer aber zu groß. Es hatte damit begonnen, dass EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki ein sofortiges Fangverbot verhängte, weil die Bestände im Atlantik und im Mittelmeer extrem überfischt sind. Das hatte zum Ergebnis, dass große europäische Fangschiffe die Jagd einzustellen hatten: Die Jahresquote war bereits erreicht. Das brachte die entsprechende Lobby beispielsweise aus Frankreich, Spanien und Italien auf den Plan.
Die Interessen der Fischerei-Industrie
Und danach sehen jetzt auch die ersten Ergebnisse aus. Die Hoffnung auf dauerhaft strengere Fangquoten ist dahin, die EU ist mit ihrem Vorhaben gescheitert, diese Fangquoten deutlich zu reduzieren. Derzeit liegt die erlaubte Menge bei 13.500 Tonnen, die EU-Kommissarin hatte als Limit 6.000 Tonnen vorgeschlagen, aber unter dem Druck der Fischerei-Länder wird sie künftig nur leicht, nämlich auf 11.000 Tonnen reduziert. Dabei dürfte künftig einer so genannten Nebenabsprache besonders Gewicht zukommen: Künftig sollen nicht nur wissenschaftliche, beispielsweise meeresbiologische Empfehlungen, sondern auch die Interessen der Fischer bei der Festlegung der Fangquoten berücksichtigt werden. Schon im März 2010 hatten wiederum Japan – als Hauptabnehmer – und andere asiatische Staaten erfolgreich den Versuch blockiert, diese Thunfischart zur gefährdeten Art zu erklären. Dann wäre der internationale Handel mit dem Fisch verboten gewesen. Immerhin, zwischen 1997 und 2007 – neuere Daten liegen noch nicht vor – ist der Bestand im östlichen Atlantik und im Mittelmeer um 60 Prozent zurückgegangen.
EU-Fördermittel zweckentfremdet?

- Angeblich haben Fischerei-Unternehmen EU-Fördermittel in Fangschiffe investiert. (Foto: pixelio.de/Windrose)
Umweltverbände haben der EU-Kommission vorgeworfen, in dieser Frage ein “zahnloser Tiger” zu sein. Beim Tauziehen um Fangquoten werden in der Tat Schwächen evident, denn die Kommissionsmitglieder können tatsächlich nur das machen, was ihnen die jeweiligen Regierungen auftragen. Es fehlen Methoden zur Durchsetzung eigener Forderungen genauso wie die Möglichkeit zu Sanktionen beim Zuwiderhandeln. So werden beispielsweise Vorwürfe laut, Versuche, Fangschiffe mithilfe von EU-Fördermitteln außer Dienst zu setzen, seien konterkariert worden: Die Fischerei-Unternehmen hätten das Geld kassiert – aber nicht anderweitig investiert, sondern größere Fangschiffe gekauft. Fazit dazu aus Umweltschutz-Organisationen: Eine milliardenschwere Industrie werde von mächtigen Kartellen und korrupten Beamten kontrolliert.
Ein Geschäft mit Milliardenbeträgen
Dabei, sagen Experten, sei die laufende Überfischung des Mittelmeeres und des Ozeans mittelfristig eigentlich ein “Selbsttor”. So haben Wissenschaftler ausgerechnet, dass eine vorübergehende Verringerung der Fangquoten um 50 Prozent bereits in naher Zukunft wieder zu einer Erholung der Bestände führen würde mit dem Ergebnis, dass auch wieder höhere Fangquoten möglich wären. Indessen sagt beispielsweise Greenpeace enttäuscht: “Die Industrie braucht den Profit heute und nicht morgen.” Das beleuchten auch die Zahlen. Ein Thunfisch bringt im Schnitt rund 100.000 US-Dollar, und allein der Schwarzmarkt an den Behörden und ihren Auflagen vorbei wird im Jahr 2010 auf vier Milliarden US-Dollar geschätzt.
[KS]









