Dienstag, 4. Januar 2011

Von: KS

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Deutscher Bundestag | Bundestag Internet | 15 Jahre Internet | Bundestag Bonn
Der Bundestag – seit 15 Jahren im Internet

Wetten, Informationen, Protokolle

Webseite Bundestag
So sieht die Webseite des Bundestags heute aus. (Foto: Screenshot bundestag.de)

Die Internetseite des Deutschen Bundestags präsentierte sich im Jahr 2010 staatstragend, vorzugsweise in blau-grauen Tönen und mit einer Fülle von Informationen: Gesetzentwürfe über Hartz IV, Konferenzen über Europafragen unter dem Titel “Die Grenzen Europas” beispielsweise, Ratgeber über “Wege in die Politik”, die Tagesordnungen der Ausschüsse – das ganze politische Tableau wird ausgebreitet. Routiniert, optisch nicht immer besonders attraktiv, aber äußerst informativ. Diese Internetseite ist jetzt 15 Jahre alt und hat nach bescheidenen Anfängen rasanten Aufschwung genommen.

Anfangs mit unsicheren Schritten

Start war im Jahr 1996 mit manchmal etwas unsicheren Schritten. Das zeigte sich seinerzeit mehr als deutlich im Fazit, das ein gutes Jahr später in Bonn gezogen wurde. Augenzeugen erinnern sich – auch mit nachsichtigem Lächeln:

“Ein Anruf im Bundeskanzleramt brachte zutage, dass ihre Wette unentschieden ausgeht: Der Bundeskanzler ist 1,93 Meter groß”. Mit einigem Schmunzeln mochte seinerzeit Kerstin Sieverdingbeck aus der Abteilung Pl 1 – Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Bundestags – diese Email nach Paderborn geschickt haben. Es war die Antwort auf die dringende, weil einer Wette zugrunde liegenden Frage, wie groß Helmut Kohl sei. Die Wettfreunde hatten zwischen 1,92 Meter und 2,00 Meter gewettet. Um es genau zu erfahren, hatten sie http://www.bundestag.de bemüht – die neue Internet-Adresse des Bundestags.

Im Schnitt 10.000 Zugriffe pro Tag

Diese seit Januar 1996 existierende Adresse mit ihrem elektronischen Briefkasten am Rhein, wie es seinerzeit hieß, erfreute sich rasch steigender Beliebtheit. Als nach anderthalb Jahren von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit eine erste Bilanz gezogen wurde, waren alle zufrieden – auch die Politiker: Die Nutzer hatten insgesamt rund 5,6 Millionen Male auf die Webseite des Bundestags zugegriffen. Kerstin Sieverdingbeck registrierte rund 310.000 Zugriffe im Monat, über 10.000 also pro Tag.

Studierende waren besonders wissbegierig

Plenarsaal Bonn
Plenarsaal des Bundestags in Bonn. (Foto: commons.wikimedia.org/Qualle, CC by-sa 3.0)

Aber damals ging es beileibe nicht allein darum, Wetten über Bonner und andere Politiker einzulösen. Beispielsweise wurde das Internet intensiv für Bestellungen von Informationsmaterial über das Bonner Parlament genutzt. 27.187 Anfragen waren es binnen Jahresfrist. Und mehr als 18.000 Protokolle von Plenarsitzungen wurden abgefragt. Die größte Benutzergruppe mit knapp 40 Prozent war an den Universitäten zu finden. Und weiter sagte die erste Statistik, dass mehr als 75 Prozent der Anfragen von deutschen Servern kamen. Unter den sechs Hauptsegmenten der Homepage – mehr waren es anfangs nicht – führte das  Angebot “Abgeordneter” vor “Aktuelles” und der “Infothek”. Woraus zu Recht der Schluss gezogen wurde, dass es in der virtuellen Öffentlichkeit ein hohes Interesse an der Persönlichkeit des Abgeordneten und seiner Tätigkeit im Parlament gab und gibt.

Drucksachen und Plenarprotokolle

Da das Interesse immer stärker wuchs, hatte der Bundestag sein Angebot nach dem ersten Jahr – das ein bisschen auch Probelauf war - weiter ausgedehnt. Neu war die Rubrik “Europa und Internationales”. Dabei ging es um “internationale Angelegenheiten”, “interparlamentarische Beziehungen” und Austauschprogramme. Im Angebot der Datenbanken war inzwischen auch ein Zugang zu den Dokumentations- und Informationssystemen für parlamentarische Vorgänge eingerichtet; einschließlich des Sach- und Sprechregisters mit den Volltexten (!) der  Drucksachen und Plenarprotokolle, dem Stand der Gesetzgebung sowie der öffentlichen Liste der Lobbyisten und Verbände. Unter dem Stichwort “Berlin” (es ist schließlich 15 Jahre her) fanden sich Informationen zum Reichstagsgebäude sowie eine Download-Version der Software “Das Parlament in der Hauptstadt” und weitere Informationen zu den damals genutzten Gebäuden des Bundestags an der Spree.

Die nette Mail einer freundlichen Chinesin

“Ich bin chinesisch. Ich komme aus wuhan, china. Ich moechte die deutsche bundestag kennen zu lernen. Ich glaube dieses tag ist sehr schoen und gluecklich zu wuenschen ihnen”. Diese nette Mail kam von der Universität Göttingen. Der Absenderin wurde der Besucherdienst des Bundestags offeriert mit der Möglichkeit zur Teilnahme an einer Plenarsitzung. Hier wie in allen diesen Fällen mailte Kerstin Sieverdingbeck zurück: “Mit freundlichen Grüßen, im Auftrag… des Deutschen Bundestags”.

[KS]