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Die Individualisierung des World Wide Web

- Die URL beginnt mit http:// - doch wie endet sie? (Foto: pixelio.de/Markus Wegner)
Das Internet, eine der größten Erfindungen des vergangenen Jahrhunderts. Google, Ebay, Facebook und Co. haben es in die Wohnzimmer von Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt geschafft. Kommunikation zwischen Berlin und New York – kein Problem dank dem Internet. Der Boom scheint unaufhaltsam immer mehr Altersgruppen zu umfassen. Unendliche Möglichkeiten und unendliche Freiheit sind Begriffe, die fast jeder mit dem Internet verbindet. Manche Dinge im Internet scheinen jedoch Naturgesetze zu sein; oder zweifelt wirklich jemand daran, dass eine deutsche Internetseite mit “.de” enden muss?
2011 – eine neue Ära beginnt
2011 wird eine der letzten Schranken des Internets fallen. Mit der Einführung neuer individualisierter Domains, also “Internet-Endungen”, wird eine neue Ära beginnen. Städte, Unternehmen oder Verbände haben nun die Möglichkeit, sich ihre eigene Domain zu sichern. So sind in Deutschland bereits Initiativen für die Endungen “.berlin”, “.hamburg” und “.köln” angelaufen. Weitere Städte oder Regionen werden sicher folgen. Nicht nur für Städte oder Regionen könnte das eine interessante Investition sein, sondern vor allem auch für Unternehmen. Jede Firma, Marke oder Branche hat nun theoretisch die Möglichkeit, ihre eigene Web-Domain zu beantragen. Schon 2008, als die ersten Ideen zur Entwicklung von individualisierten Web-Domains bekannt wurden, haben einige Unternehmen, wie z.B. die Auktionsplattform Ebay, ein generelles Interesse bekundet.
ICANN – Die Weltregierung des Internet
Verantwortlich für jegliche Entscheidung im Bereich der Vergabe einer Web-Domain (genauer Top-Level-Domain genannt) ist die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, kurz ICANN. Die Non-Profit-Organisation mit Sitz in Kalifornien fungiert als Koordinator der technischen Aspekte des Internets. Das World Wide Web kann nur funktionieren, wenn jede Adresse genau einmal zugeordnet ist, die ICANN sorgt für die Sicherstellung. Die Organisation besteht aus 21 internationalen Mitgliedern und war bis 2009 der amerikanischen Regierung unterstellt. Auch wenn die ICANN seit 2009 nicht mehr dem amerikanischen Handelsministerium untersteht, ist die Organisation weiterhin an das amerikanische Recht gebunden.
Das Vergabeverfahren – freie Domain für jeden?

- BITKOM-Präsident Scheer meint, dass Bewerbungen für eine eigene Endung ab Ende Mai möglich sein werden. (Foto: bitkom.org)
“Bewerbungen für eine eigene Homepage-Endung nach dem Muster .stadt oder .firma sind voraussichtlich ab 30. Mai 2011 möglich”, erklärt BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. BITKOM, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., ist das Sprachrohr von mehr als 1.350 Unternehmen der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche. Aus der Formulierung des Präsidenten des Verbandes lässt sich schon erahnen, dass die neuen Web-Domains nicht unbedingt für jeden sind. Am Vergabeverfahren können nur Firmen, Städte, Regionen, Branchen und Marken teilnehmen. Privatpersonen werden als Bewerber ausgeschlossen. Die ICANN begründet diese Entscheidung mit der langfristigen Sicherstellung des wirtschaftlichen Betriebs dieser individualisierten Domains.
Zudem sind die Kosten für den Normalbürger unerschwinglich. Die ICANN verlangt für die Bewerbung 120.000 Euro. Zudem werden sonstige Kosten in Höhe von bis zu 500.000 Euro anfallen. Der Betrieb der Webseite wird mit Kosten von etwa 200.000 Euro jährlich eingeschätzt. So stellen schon diese enormen Summen eine gewisse Hürde bei der Beantragung der neuen Web-Domains dar. Das Vergabe-Verfahren soll, nach Angaben der ICANN, möglichst fair und transparent erfolgen. Die Vergabe wird in der ersten Monaten mit einer “Sunrise”-Periode beginnen. Dort sollen Bewerber mit einem berechtigten Interesse bevorzugt werden. Diese und weitere Regeln sollen vor allem dazu dienen, einen Kauf zu Spekulationszwecken zu unterbinden. Auch nach der erfolgreichen Vergabe einer Domain soll es Auflagen für die Besitzer geben, die eine Spekulation verhindern sollen. Der BITKOM rechnet mit einer Nachfrage von bis zu 2.000 neuen Domains weltweit.
Kritik an der ICANN
Vom 5. Dezember bis zum 10. Dezember 2010 tagten die in der ICANN vertretenen Regierungen in Cartagena und sorgten für einen weiteren Aufschub des Termins für den Start des Vergabeverfahrens. Sie übten vor allem Kritik am komplizierten Bewerbungsverfahren und forderten weitere Nachbesserungen. So verlangen die Regierungen weitere Regeln beim Schutz der Rechte von Markeninhabern oder von geographischen Namen. Zudem scheint es Probleme bei der Finanzierung von Streitschlichtungsverfahren zu geben. Nach der aktuellen Vorstellung der ICANN sollen diese von den Regierungen getragen werden. Im Februar wird es nun ein weiteres Treffen geben, um eine Markteinführung der Web-Domains schnellstmöglich umsetzen zu können. Trotz dieser momentanen Spannungen und Diskussionen scheint eine Einführung individualisierter Internet-Endungen nur eine Frage der Zeit zu sein und eine Inbetriebnahme im Jahr 2012 nicht ausgeschlossen.
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